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Unentspannt im Relax-Bus

Entspannungsmusik in Stadtbussen kommt nicht bei jedem Fahrgast gut an Unentspannt im Relax-Bus

Seit gut drei Wochen sind im Stadtgebiet zwei Busse der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) unterwegs, in denen Entspannungsmusik den Blutdruck der Busfahrer senken soll. Bei einigen Fahrgästen bewirkt die Musik allerdings genau das Gegenteil. Sie sprechen von "Zwangsbeschallung" und "Belästigung".

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Die Entspannungsmusik soll den Fahrstress nehmen und damit den Blutdruck der Fahrer senken, aber auch bei den Fahrgästen zur Entspannung beitragen.

Quelle: Archiv

Göttingen. In einem dem Tageblatt vorliegenden Brief fordert Fahrgast Arno Becker die GöVB auf, "diese Belästigung durch die Zwangsbeschallung zu unterlassen". Es handele sich dabei um einen Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte und eine "vermeidbare Belastung", die hinzunehmen er nicht verpflichtet sei. Diese werde er nicht hinnehmen. Auf den Zwang, die Musik anderer Leute zu hören, reagiere er empfindlich. Er sei "bei weitem" nicht der einzige, dem das so ergehe, schildert Becker seine Beobachtungen.

Zwischen Kaufhausmusik und Klangbegleitung zum Mandala-Ausmalen

Auch Twitter-Nutzerin @oedesgoettingen hält nichts von der Dauerberieselung: "Die Musik im Entspannungsbus macht mich aggressiv", twittert sie. Die Musik bewege sich "zwischen zu lauter Kaufhausmusik und Klangbegleitung zum Mandala-Ausmalen", beschreibt sie. "Die armen zwangsentspannten Busfahrer!"

"Es war uns klar, dass nicht jeder die Musik toll finden wird", sagt GöVB-Geschäftsführer Michael Neugebauer. Er bestätigt, dass es bereits ein paar Beschwerden gegen die Musik gegeben hat. Er betont allerdings auch, dass derzeit nur in zwei von 92 GöVB-Bussen die Entspannungsmusik überhaupt zum Einsatz kommt. Und weil die "Relax-Busse" zudem auf täglich unterschiedlichen Linien im Einsatz seien, sei die Wahrscheinlichkeit für den einzelnen Fahrgast, mit so einem Bus zu fahren, nicht besonders hoch. Auch seien die Busse von außen gekennzeichnet. So könnten die Busse von den empfindlichen Fahrgästen gezielt gemieden werden, sagt Neugebauer.

Fahrstress nehmen, Blutdruck senken

Bei dem nach eigenen Angaben bislang bundesweit einzigartigen Pilotprojekt arbeiten die GöVB mit der Krankenkasse Barmer GEK und dem Göttinger Blutdruck-Institut zusammen. Die Entspannungsmusik soll den Fahrstress nehmen und damit den Blutdruck der Fahrer senken, aber auch bei den Fahrgästen zur Entspannung beitragen, so das Ziel die Projekts. Noch liegen keine Ergebnisse vor. Jörg Salomon, Marketingleiter der Barmer in Göttingen, rechnet mit ersten Ergebnissen in zwei bis drei Wochen.

Musik muss Hörer gefallen

Bei Vorstellung des Projektes hatte  Prof. Jens Wiltfang, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen, darauf hingewiesen, dass Musik dem Hörer gefallen müsse, um beruhigend zu wirken und den Blutdruck zu senken, sonst trete der gegenteilige Effekt ein. Das stelle bei einer Beschallung im öffentlichen Raum eine große Herausforderung dar, da sich die individuellen Vorlieben stark unterschieden. Es sei schwer, Musik zu finden, die 80 Prozent der Hörer zusage.

"Man muss auch mal was ausprobieren", sagt Neugebauer über das Pilotprojekt. Ob und wie das Projekt fortgesetzt werden kann, sei derzeit noch offen.

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Die Busfahrer der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) sind mit viel Berufsstress konfrontiert. Ein Projekt zusammen mit der Krankenkasse Barmer GEK will nun mit Entspannungsmusik im Fahrbetrieb diesen Stress reduzieren – für Fahrer, aber auch für Fahrgäste.

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