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Ungewisse Zukunft

Café Kreuzberg Ungewisse Zukunft

Dem Apex droht die Insolvenz (Tageblatt berichtete) und die Zukunft einer zweiten Kulturinstitution ist ungewiss: des Café Kreuzberg am Göttinger Kreuzbergring 3. Ein neues Betreiberteam steht in den Startlöchern, der Hausbesitzer Jony Bassil hat das Gebäude inzwischen aber anderweitig an Gastronom Mohammad-Reza Dashtpayma vermietet. Seit April ist das Café geschlossen.

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Kulturinstitution Café Kreuzberg: Neuer Mieter will das altbewährte Konzept nach eigenen Angaben weiterführen.

Quelle: Pförtner

Für Klaus Wissmann ist die Sache klar: Seine  Nachfolger im Café Kreuzberg sollten Kai Daseking und Dominik Pytka werden. Ein entsprechender Kaufvertrag  für den Betrieb – inklusive der technischen Einrichtungen, Inventar, dem Namen, dem Konzept, dem Knowhow, den Adress- und Kontaktdateien  und einer Stammkundendatei – sei zum 1. Mai abgeschlossen worden. Wissmann selbst hatte den Betrieb des Ladens zum 16. April eingestellt. Ein Jahr habe er nach Nachfolgern gesucht, dann habe er ein „richtig gutes Team“ gefunden, dass für „Kontinuität“ stehe. Er selbst ziehe sich nach knapp 15 Jahren zurück, weil er noch nie „so richtig Lust auf Gastronomie“ gehabt habe.

Doch in der Zwischenzeit hat Hauseigentümer Jony Bassil das Gebäude an den Gastronomen Mohammad-Reza Dashtpayna vermietet. Zwar habe er seit Januar mit Wissmann über dessen Wunschnachfolger verhandelt, sagt Bassil. Als diese aber bei Terminen immer wieder Rückzieher gemacht hätten, kein „finanziell tragfähiges Konzept“ vorgelegt hätten und nicht in der Lage gewesen seien, die Kaution – drei Monatsmieten zu 3000 Euro – zu zahlen, habe „er sein Ding machen müssen“, sagt Bassil: „Als Vermieter muss man sehen, dass der Laden läuft. Mir ist dabei letztendlich egal, wer den Laden betreibt, Hauptsache die Miete stimmt.“

Daseking weist indes Bassils Behauptungen zurück: „Wir waren die ganze Zeit aktiv und haben versucht, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wir haben uns eben nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ Auch wenn man sich am Anfang mit Bassil „im Prinzip“ einig gewesen sei, habe es am Ende eben nicht geklappt. Jetzt sind die Wissmann-Nachfolger auf der Suche nach einem alternativen Standort. Sie wollen – an welchem Ort auch immer – das bewährte Kreuzberg-Konzept mit Kneipe, Café und Kulturbetrieb weiterführen: „Wir wollen Nachwuchsbands ein Forum bieten, regelmäßige Ausstellungen veranstalten“, sagt Daseking.

Bar mit Live-Musik

Neuer Mieter ist inzwischen Mohammad-Reza Dashtpayma, der bereits in der Goetheallee eine Pizzeria betreibt. Für das Kreuzberg hat er aber ganz andere Pläne: „Das Konzept des Café Kreuzberg wird weitergeführt“, erläutert er auf Tageblatt-Anfrage und dementiert damit im Internet unter cafe-kreuzberg.de kursierende Gerüchte, er wolle dort eine weitere Pizzeria eröffnen. „Es wird eine Bar mit Live-Musik  sein“, sagt Dashtpayma und verspricht eine „offene Bühne“, auch besonders für Nachwuchsbands, Kontakte in diese Richtung habe er bereits aufgenommen, eine „überregionale Ausrichtung“ werde folgen. Inzwischen laufen die Renovierungsarbeiten in dem Haus, das Dashtpayma für zunächst fünf Jahre gemietet hat. Derzeit führe er Gespräche mit der Stadt über eine Konzession für den Gastronomiebetrieb. 

Unterdessen ist das alte Café Kreuzberg auf Tour. Bereits gebuchte Konzerte werden, bis neue Räume gefunden worden sind, an unterschiedlichen Orten veranstaltet.

Von Michael Brakemeier

Café Kreuzberg Vor knapp 20 Jahren, am 1. August 1989, ging das Café Kreuzberg im Haus Kreuzbergring 3 an den Start. Klaus Wissmann übernahm den Laden dann im Februar 1995. Seit dem sind nach Wissmanns Angaben rund 1280 Live-Musikveranstaltungen über die Bühne gegangen. 7250 Musiker wirkten daran mit, 147 000 Zuschauer kamen zu den Konzerten. Zusätzlich wurden 28 Festivals in verschiedenen Bereichen, 96 Bilderausstellungen, 262 Lesungen und 62 Kindertheateraufführungen neben „unzähligen“ Parties veranstaltet. Sechsmal – zwischen 1997 und 2003 – war das Café Kreuzberg in Kooperation mit dem Rockbüro Göttingen am Altstadtfest beteiligt, externe Veranstaltungen gab es unter anderem im Jungen Theater und in der Tangente. Zu diesen Veranstaltungen kamen zusätzliche 160000 Besucher. 

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