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Ungewöhnliche Einsätze der Polizei im Landkreis Göttingen

Ein Hamster un paketeweise Lalülala Ungewöhnliche Einsätze der Polizei im Landkreis Göttingen

Unfälle, Einbrüche, Brände, Kriminalität, Vermisste: Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Einsatz – die wichtigen Ereignisse werden zu einem Bericht im Tageblatt.  Einige der Einsätze aber bislang nicht. Eine Auswahl der skurrilsten Einsätze des Jahres 2014:

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Polizeisprecherin der Polizei Göttingen Jasmin Kaatz über Ungewöhnliche Einsätze der Polizei.

Quelle: dpa/ef

Göttingen. Die Göttinger Polizei hat sich auch im Jahr 2014 mit vielen schweren Unfällen, Raubüberfällen oder Gewaltdelikten beschäftigt.

„Kuriose Einsätze und Geschichten fürs Herz gibt es aber auch.  Geschichten also, die den polizeilichen Alltag mit seinen oftmals  für die Beamten auch bedrückenden Geschehnissen ein wenig aufhellen“, sagt Polizei-Pressesprecherin Jasmin Kaatz. Sie hat die Einsatzberichte 2014 durchgeschaut und eine Auswahl zusammengestellt:

Bovenden, Mai

Ein bei Gartenarbeiten ausgebuddelter Knochen war es, der eine Anwohnerin zur Polizeistation führte.  Mit dem ungewöhnlichen Fund in der Hand erschien sie auf der Wache und bat die Beamten,  zu überprüfen, ob es sich um menschliches Gebein handelt.  Also fuhr der Kollege mit dem Knochen zum Veterinäramt. Die Diagnose: Keine Panik, der Knochen stammte von einem Rind (den Begriff „Bulle“ möchten wir an dieser Stelle aus verständlichen Gründen mal vermeiden).

Göttingen, Juni

Doch auch über uns selbst können wir natürlich lachen. Zwei freundliche Polizeibeamte (Zitat) kontrollierten eine Fahrradfahrerin aus der Gemeinde Gleichen an der Straßenecke Goßlerstraße/Nikolausberger Weg.  Bei der Kontrolle wurde alles genau überprüft – auch die Beleuchtung.  Doch die funktionierte nicht, obwohl sie eine Woche zuvor noch völlig intakt war, so die Frau. Die Radlerin wurde von den Kollegen mündlich verwarnt und durfte weiterradeln.

Der plötzliche und unerklärliche  Defekt ließ ihr aber keine Ruhe.  Als die Gleichenerin zwei Tage später ihr Rad untersuchte, habe sie dann herzlich gelacht (so schreibt sie in ihrer Mail an die Pressestelle).  Und weiter „Viele Grüße an ihre technisch scheinbar nicht fortgebildeten Beamten. Wenn man feststellen möchte, ob die Fahrradbeleuchtung funktioniert, sollte man das Rad mit dem Dynamo drehen, in meinem Fall ein Nabendynamo.  Da geht einem ein Licht auf“, Zitat Ende.  Kleine Anmerkung am Rande: Wir wissen jetzt Bescheid!

Göttingen, Juli

Enormer Durst muss es wohl gewesen sein, der einen 57 Jahre alten Mann dazu trieb, gleich in zwei Nächten hintereinander in denselben Göttinger Getränkehandel einzubrechen.  Bei den Taten erbeutete der Dieb Pakete weise kleine Schnapsflaschen mit Namen wie „Kleiner Keiler“, „Kümmerling“ und …man stelle sich vor: „Lalülala“. Am Morgen nach dem zweiten Einbruch gab es dann ein böses Erwachen. 

„Lalülala“ kam um die Ecke.   Eingenickt in einer Bushaltestelle, umgeben von einigen leeren und auch noch gefüllten Fläschchen, wurde eine Funkstreife auf den Dieb aufmerksam. Der alkoholisierte 57-Jährige räumte später beide Einbrüche ein.

Rosdorf, August

„Göttingen - die Stadt, die Wissen schafft“ …ungefähr so könnte man betiteln, was sich am Abend des 1. August in der Feldmark zwischen Rosdorf und der Autobahn 7 zutrug und zwei Tüftlern eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz einbrachte. Getrieben vom Forscherdrang hatten die Studenten eine  zündende Idee.

Bevor die Polizei davon Wind bekam,  meldeten mehrere Zeugen über Notruf einen „brennenden Wetterballon“, der auf einem Feld nahe der Autobahn niedergegangen war.  Sofort gaben beide an,  dass sie mittels Folie und Einweggrill eine Art „Wetter-Heißluftballon“ gebaut  und anschließend  fliegen gelassen  hätten.  In einer Höhe von rund 100 Metern flog die Konstruktion in westlicher  Richtung über Rosdorf hinweg. 

Offensichtlich überrascht von den Flugfähigkeiten des Eigenbaus mit einem Durchmesser von etwa fünf Metern radelten sie hinterher. Nach rund drei Kilometern ging der Ballon nieder. Was den beiden Bastlern offenbar nicht bekannt war:  Erlaubt ist ein solches Flugexperiment ohne Genehmigung nicht. Um es vorsorglich mal ganz präzise zu sagen:  Die Polizei leitete ein Verfahren nach § 58 Luftverkehrsgesetz  i. V. m. §§ 16 (Erlaubnisbedürftige Nutzung des Luftraums)  Nr.7, 43 Nr. 20  Luftverkehrsordnung gegen die beiden Studenten ein.  Unvorsichtige Nachahmer seien also gewarnt.

Göttingen, November

Eine Todesermittlungssache der besonderen Art: In einer Wohnung wurde ein Hamster mit erheblichen Kopfverletzungen tot aufgefunden. Wie er starb ist noch nicht geklärt. Das 3. Fachkommissariat ermittelt. Geschockt von dem grausigen Fund informierte die Besitzerin des Tieres die Polizei. Die Beamten kamen, sahen und…rätselten. 

In dem polizeilichen Vorgang liest es sich dann auch wie folgt: „Der tote Hamster befindet sich auf der Ablage eines Schränkchens. Die Verletzung am Kopf dürfte für das Dahinscheiden des Cricetinae (lat. Name) ursächlich sein. Ob es sich um einen Feld- oder einen Goldhamster gehandelt hat, konnte nicht mehr eindeutig festgestellt werden. Die Leichenstarre ist noch nicht ausgeprägt.“

Die Frau fand den toten Hamster eigenen Angaben zufolge als sie nach Hause kam. Er und ein weiterer Artgenosse konnten sich in einem Zimmer der Wohnung frei bewegen.  Die geschockte Göttingerin alarmierte die  Polizei, weil sie vermutete,  dass ein Unbekannter in ihre Wohnung eingedrungen sei und den Hamster tötete.

Ersten Ermittlungen zufolge geht die Polizei davon aus, dass die Verletzungen am Kopf des kleinen Tieres durch Gegenstände im Zimmer hervorgerufen worden sein könnten.  „Eine mögliche Version des Tatherganges wäre, dass der zweite Hamster seinen Artgenossen mit einem Gegenstand unglücklich am Kopf getroffen haben könnte (Herumtollen auf dem Tisch und Treffen des darunter befindlichen Tieres mit schwerem Gegenstand)“, heißt es im Vorgang.  Ein Unglücksfall also?  Die Ermittlungen dauern an.

Göttingen, Dezember

Ein Kriminalfall, der die Polizei Göttingen aktuell beschäftigt: Sicherlich gefreut haben dürfte sich ein Göttinger Kioskbesitzer über einen kleinen Beutel mit Keksen, den ihm ein unbekannter Mann am Vormittag des 24. Dezember geschenkt hat. In der Mittagspause ließ sich der Geschäftsmann dann nach eigenen Schilderungen die Leckerei bei einem Kakao schmecken. 

Doch dann kam alles anders.  Rund eine Stunde nach dem Genuss  wurde dem Mann plötzlich übel und er musste sich übergeben.   Auch von Halluzinationen ist die Rede.  Ein Mitarbeiter rief schließlich den Rettungswagen.  Der Kioskbetreiber kam ins Krankenhaus.  Die Polizei Göttingen geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich bei dem „Weihnachtsgebäck“  vermutlich um „Haschkekse“  gehandelt hat. 

Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen „Unbekannt“ eingeleitet. Der Beutel und ein letzter Keks wurden von den Beamten sichergestellt.  Die Ermittlungen dauern an.

Und zum Schluss noch was fürs Herz, zwei Meldungen mit Happy End, die es bereits ins Tageblatt geschafft hatten: „Goldring am Parkhaus gefunden – Polizei sucht Eigentümer(in)“, so lautete eine Pressemitteilung  im August. Mit einem Foto suchten wir nach der Eigentümerin.  Alles ging gut aus.  Nur einen Tag nach der Presseveröffentlichung holte eine junge Frau aus Bovenden ihren Ring bei der Polizei ab. Sie hatte ihn nach einem Kinobesuch verloren.  

Besonders ans Herz ging die Geschichte rund um „Pauli“, den Teddy, der im Juni in einem Göttinger Schreibwarengeschäft gefunden wurde und dank der Polizei nur wenige Tage später wieder an seinen rechtmäßigen Besitzer übergeben werden konnte.

So lassen wir den Anfang der  Originalmeldung einfach einmal unkommentiert am Ende unseres „Jahresrückblicks der etwas anderen Art“ stehen: „(385/2014)  facebook-Fahndung nach nur zwei Tagen erfolgreich  - Teddy „Pauli“ ist ein Göttinger!“

Von Jasmin Kaatz

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