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Urteil im Göttinger Quecksilber-Prozess: Elf Jahre und sechs Monate Haft

Versuchter Mord aus Heimtücke Urteil im Göttinger Quecksilber-Prozess: Elf Jahre und sechs Monate Haft

Es war ein versuchter Mord, heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Dafür muss der 44 Jahre alte Angeklagte für elfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Das hat am Donnerstag die Schwurgerichtskammer des Landgerichtes geurteilt. Der Angeklagte hatte gestanden, seine Frau über Monate mit Bleiacetat und Quecksilber vergiftet zu haben.

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Angeklagter auf dem Weg ins Göttinger Landgericht.

Quelle: dpa

Göttingen/Eddigehausen. „Es hätte der perfekte Mord werden können“, sagte Richter Ralf Günther in seiner Urteilsbegründung. Noch am Morgen des sechsten und letzten Verhandlungstages hatte ein Rechtsmediziner erklärt, dass das Opfer, die 39 Jahre alte, inzwischen geschiedene Frau des Verurteilten, unmittelbar vor dem Tod stand.

Ihre Leiche wäre mit großer Wahrscheinlichkeit nicht obduziert worden, denn in allen vorausgegangenen Untersuchungen hatte es keine Hinweise auf eine Schwermetallvergiftung gegeben. Schon seit den 70er Jahren kämen Umweltgifte wie Quecksilber und Blei nur noch so selten vor, dass danach routinemäßig im Blut nicht mehr gesucht werde. Magersucht nach psychischen Belastungen durch ihre Trennung hätte wohl auf dem Totenschein gestanden.

Dabei, das ergaben die Untersuchungen, hatte das Opfer das 13-fache der normalen Bleimenge im Blut, gar das 140-fache an Quecksilber. Mit fast 15 Gramm Bleiacetat, das der Jäger aus Bleigeschossen aufwändig gewonnen hat, hatte er versucht, seine Frau zu vergiften. Er hatte ihr das Gift in Wein, Brühe, Salz und Nahrungsergänzungsmittel gemischt. Später brachte er auf Heizkörper, in die Lüftung zweier Autos und im Herd Quecksilber aus. Allein im Toaster fanden sich 26 Gramm des hochgiftigen, verdampfenden Schwermetalls. Das einst gemeinsame Haus ist seither unbewohnbar.

In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwältin den Hausarzt der Frau zitiert, der von einer „Armee Schutzengel“ gesprochen hatte. Sonst wäre die Frau unweigerlich gestorben. Die Anklagevertreterin beantragte 13 Jahre Haft.  Die Verteidiger hingegen sprachen sich für „nicht mehr als sechs Jahre“ aus. Sie betonten, der Mordentschluss sei erst erfolgt, als ihm per Anwaltsschreiben sein Zuhause genommen werden sollte. Es sei zudem, so Karl-Heinz Mügge, das Geständnis und ein Täter-Opfer-Ausgleich anzurechnen. Der Angeklagte habe seiner Frau „praktisch sein gesamtes Vermögen“ als Schadensersatz und Schmerzensgeld überschrieben.

Diese Wiedergutmachungsgeste erkannte auch das Gericht an. Dass die Tat „nur beim Versuch“ geblieben sei, mindere jedoch nicht den Strafrahmen. Ohne Geständnis und Wiedergutmachung, so Günther, hätte es die Höchststrafe für Mord und ein Erkennen auf besondere Schwere der Schuld gegeben – „also wohl mehr als 20 Jahre Gefängnis“.

Und das Motiv? Das Gericht erkannte – wie die Anklägerin auch – auf gleich ein ganzes Bündel Motive von Hass über Habgier bis gekränkte Eitelkeit. Entscheidend sei der Gedanke gewesen, so Günther: „So einen wie mich verlässt man nicht.“

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