Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
VHS: Ärger im Aufsichtsrat

Kein Verfahren gegen Wedrins VHS: Ärger im Aufsichtsrat

Die Affäre um den abberufenen VHS-Geschäftsführer Eberwien scheint immer mehr zu einem Skandal um den Aufsichtsrat zu werden. Aus dessen vertraulichen Sitzung am Dienstagabend waren Details nach außen gedrungen, die der NDR am Mittwoch verbreitet hat. Problem: Wesentliche Angaben in der Nachricht waren offenbar unzutreffend.

Voriger Artikel
Über Tabuthemen reden
Nächster Artikel
Kaum einer traut sich, Platt zu sprechen
Quelle: SPF

Auf die Meldung des NDR, der die Nachricht am Mittwoch zwischenzeitlich wieder von der Website genommen hatte, nahmen später noch andere Akteure Bezug, so der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Region Süd-Ost-Niedersachsen, Sebastian Wertmüller. Er schreibt in einer Pressemitteilung: "Der Aufsichtsrat der VHS Göttingen überlegt anscheinend, den entlassenen Geschäftsführer, gegen den auch staatsanwaltschaftlich noch ermittelt wird, mit einer Abfindung ziehen lassen. Im Gespräch sind laut einer Meldung des NDR 50.000 bis 100.000 Euro. Ein angeblich ,hohes Prozessrisiko' wird zur Begründung angeführt." Eberwiens Anwältin Dinah Stollwerck-Bauer kommentierte die NDR-Angaben so: "Mich haben die Zahlen überrascht. Ich kenne sie nicht, und sie stimmen so nicht. Diese Zahlen stammen nicht von uns." Ähnlich äußerte sich der Anwalt Alexander Schneehain, der den Aufsichtsrat der Volkshochschule Göttingen Osterode in dieser Angelegenheit berät, und fügte an: "Wir sind jetzt damit beschäftigt, mit allen Beteiligten Gespräche zu führen. Die Beteiligten sind die Gesellschafter, der Aufsichtsrat und Herr Eberwien."

 

Nach Tageblatt-Informationen ist es in der Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend ausdrücklich nicht um eine Abfindung gegangen, und auch konkrete Zahlen sind nicht genannt worden. Vielmehr standen andere Szenarien zur Auflösung des Geschäftsführervertrages zur Disposition. Hintergrund ist, dass sich offenbar der Verdacht der Untreue gegen Eberwien nicht erhärten lässt. Die reine Verhandlung zwischen dem Aufsichtsrat und Eberwien scheint aber zunehmend in den Hintergrund zu rücken, weil der Aufsichtsrat derzeit offenbar erhebliche Energie darauf verwendet, das oder die Lecks zu stopfen, durch die Zahlen wie die, die der NDR am Mittwochmorgen verbreitet hat, an die Öffentlichkeit gelangen. Offenbar stehen nun auch juristische Schritte gegen Aufsichtsratsmitglieder, die ihrer Verschwiegenheitspflicht nicht nachkommen, zur Disposition.

Bislang kein Strafantrag gegen Wedrins

Neuigkeiten gibt es mit Blick auf eine andere juristische Würdigung der Tätigkeit eines Aufsichtsratsmitgliedes. Die Staatsanwaltschaft Göttingen wird nicht gegen den stellvertretenden Vorsitzenden des VHS-Kontrollgremiums, Tom Wedrins, ermitteln. "Weil bislang kein Strafantrag gegen Wedrins gestellt worden ist", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Buick, am Mittwoch.

 

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft nach entsprechenden Medienberichten geprüft, ob gegen Wedrins ein Anfangsverdacht auf Verletzung der Geheimhaltungspflicht gemäß Paragraf 85 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG) bestehe. Es handele sich dabei aber um ein "absolutes Antragsdelikt", sagte Buick. Dieses könne ohne  Strafantrag nicht verfolgt werden. In diesem Fall hätte etwa der Aufsichtsrat der VHS einen solchen Antrag stellen können. Das sei aber, so Buick, nicht erfolgt. Er betont, dass das immer noch möglich sei.

 

Wedrins hatte gegenüber dem Tageblatt die fristlose Kündigung Eberwiens als "dringend erforderlich" bezeichnet, als die Affäre öffentlich geworden war. Im Falle eines Verdachts komme nur "die fristlose Kündigung in Frage“, sagte Wedrins. Das sei eine Vorverurteilung Eberwiens, äußerte damals dessen Anwältin Stollwerck-Bauer.

 

Kontakt zu den Autoren:

Christoph Oppermann: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de, Twitter: @tooppermann

Michael Brakemeier: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de, Twitter: @soulmib

Themendossier: gturl.de/vhs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Thomas Eberwien
Die VHS in Göttingen

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat die Ermittlungen gegen den ehemaligen Volkshochschulchef Thomas Eberwien wegen des Verdachts der Untreue eingestellt. Unterdessen verlangt die Gruppe von Linken, Piraten und „Die Partei“ im Göttinger Kreistag weitere Aufklärung.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis