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Verdi kritisiert freie Träger von Kindertagesstätten in Göttingen

Hausgemachter Mangel? Verdi kritisiert freie Träger von Kindertagesstätten in Göttingen

Das Problem einiger Träger von Kindergärten und Krippen, keine Fachkräfte für die Hortbetreuung zu finden, halten Frederike Güler und Julia Niekamp von der Gewerkschaft Verdi für „hausgemacht“.

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Michael Höfer (links), Michael Bonder

Quelle: EF

Göttingen. So würden die Einrichtungen, anders etwa als die Stadt Göttingen oder die Kirchen, ihre Mitarbeiter ohne Tarifbindung beschäftigen, erklären Güler und Niekamp, bei Verdi zuständig für den Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes.

Die Gehälter der Erzieherinnen in diesen Einrichtungen liegen nach ihren Angaben „daher mehr oder weniger deutlich“ unter dem Gehaltsniveau städtischer oder kirchlicher Einrichtungen. „Eine Erzieherin in Regeltätigkeit mit zehn- bis 14-jähriger Berufserfahrung verdient bei der Stadt in Vollzeit momentan 3035,28 Euro“, rechnet Güler vor. Und Niekamp, zuständig für die Träger außerhalb des öffentlichen Dienstes berichtet von „tariflosen Arbeitgebern im Kita-Bereich“, bei denen Beschäftigte im direkten Vergleich auf 2200 Euro kommen.

Während die Stadt Göttingen nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVöD) zahle, würden unter anderem der Awo-Kreisverband Göttingen oder das Kinderhaus ihre Mitarbeiterinnen ohne Tarifbindung beschäftigen.
Die Geschäftsführer beider Einrichtungen, Michael Bonder und Michael Höfer bestätigen das zwar. Doch keineswegs seien aber die von den Gewerkschafterinnen genannten Differenzen bei der Awo so groß. „In dem angegebenen Beispiel bei knapp 200 Euro“, sagt Bonder von der Awo.

"Finanzielle und auch gesellschaftliche Aufwertung“

Das liege aber nicht am „bösen Willen eines Trägers“, sondern daran, dass, anders als Verdi kolportiere, die Verhandlungen mit der öffentlichen Hand als Kostenträger kein „Wunschkonzert“ für freie Träger seien. „Es gelingt uns in der Regel nicht, in den Verhandlungen das TVöD-Niveau durchzusetzen“, sagt Bonder. Wohl aber orientiere sich die Awo an einem Tarifvertrag. „Wir geben auch jede damit verbundene Tariferhöhung weiter“, sagt Bonder. Zudem biete die Awo etwa ein betriebliches Gesundheitsmanagement und Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen an. Auch Höfer vom Kinderhaus sieht keinen „großen Unterschied“.

So würde eine Erstkraft beim Kinderhaus mit zehn Berufsjahren und mehr auf 3023 Euro kommen. Er verweist auf eine Betriebsvereinbarung, „nach langen Verhandlungen“, an denen Verdi beteiligt gewesen sei. Einzig die vereinbarte Wochenarbeitszeit von 40 Stunden wollte die Gewerkschaft damals nicht mittragen.

Güler und Niekamp fordern „eine finanzielle und auch gesellschaftliche Aufwertung“ der Betreuungstätigkeiten, um die Berufe des Sozial- und Erziehungsdienstes attraktiver zu machen. Verdi starte im Frühjahr in eine Tarifrunde mit den Arbeitgebern im öffentlichen Dienst für eine Höhergruppierung. Die Forderungen entsprächen einer Gehaltssteigerung von im Schnitt zehn Prozent.“

Bonder kommentiert: „Wir als freie Träger von Kindertagesstätten hätten uns gewünscht, dass Verdi uns in die Aufwertungskampagne für Erzieherinnen konstruktiv mit einbezogen hätte, anstatt uns an den Lohnpranger zu stellen.“ Auch dem hausgemachten Fachkräftemangel widerspricht Bonder: Auch der „gepriesene öffentliche Dienst“ habe, wie die freien Träger auch, Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden.

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