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Verhaltener Optimismus bei Karstadt

Insolvenzverfahren Verhaltener Optimismus bei Karstadt

Wie ein Lauffeuer hat sich am Dienstagmittag unter den 350 Göttinger Karstadt-Mitarbeitern die Meldung verbreitet, dass Arcandor Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Gestern herrschte vorsichtiger Optimismus. 

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Gehört zu Göttingen wie die Johanniskirche: Karstadt in der Innenstadt.

Quelle: Mischke

„Die Nachricht hat uns geschockt.“ Daran lassen der Göttinger Karstadt-Chef Günter Cremer sowie die Betriebsratsvorsitzende Birgit Zimmermann keinen Zweifel. Dienstagnachmittag wurden die Mitarbeiter in Gruppen in den Schulungsraum gebeten. Dort erfuhren sie: „Wir arbeiten wie gewohnt weiter.“

„Abends bin ich nach ein, zwei Bier erschöpft ins Bett gefallen“, sagt Cremer. Er habe dann aber „gut geschlafen“. Nach der „nervenraubenden Hängepartie“ der letzten Zeit freue er sich, dass nun endlich eine Entscheidung gefallen sei. Und Zimmermann sagt: „Ich bin persönlich enttäuscht, dass die Politik uns eine Bürgschaft verweigert hat.“

Wie Cremer ist sie optimistisch, dass Karstadt nun die Wende schafft. Cremer: „Dem vorläufigen Insolvenzverwalter liegt ein gutes Konsolidierungsprogramm vor.“ Der Standort Göttingen setze mit seinen Zahlen konzernweit Standards. Daran, dass die Frequenz in bestimmten Warenbereichen nicht mehr so gut ist wie vor einigen Jahren, stellt Cremer nicht in Abrede. Karstadt spüre den Kaufpark. Die Parkplatzsituation sei „bescheiden“. Der öffentliche Personennahverkehr lasse nach 18.30 Uhr zu wünschen übrig. Sein Haus habe auf die Veränderung mit einer Vergrößerung des Bekleidungsangebots reagiert. Sie hätten ihr Markenportfolio optimiert und hielten die Mitarbeiter zu stärkerer Kundenorientierung an. 

Gestern erklärte sich Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) mit den Karstadt-Beschäftigten solidarisch und sagte ihnen Unterstützung zu. Das Unternehmen sei für die Stadt von „zentraler Bedeutung“. 

Für Kunden

Das Geschäft in Göttingen geht an allen drei Standorten weiter. „Der Warenfluss ist sichergestellt“, betont Karstadt-Chef Günter Cremer. Wer Waren angezahlt hätte, würde sie auch ausgeliefert bekommen – und sollte dann zügig den Rest zahlen. Gutscheine würden eingelöst. Gebuchte Reisen fänden statt, so Cremer. 

Für Göttingen

Unter den Göttinger Einzelhändlern ist Karstadt mit seinen drei Häusern – Stammgebäude, Sporthaus und Markthalle – der Platzhirsch. Von 75000 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Innenstadt entfallen 20000 Quadratmeter auf Karstadt. Das Unternehmen beschäftigt 350 Mitarbeiter, darunter 18 Azubis. 

Für Deutschland

Märkte verändern sich. Das Kaufhaus kommt aus der Mode. Weil dem Bund ein überzeugendes Konzept fehlte, verweigerte er dem Warenhaus- und Reisekonzern Arcandor, zu dem Karstadt gehört, eine Bürgschaft. Arcandor stellte daraufhin den Insolvenzantrag. Nun bangen 43000 Mitarbeiter um ihre Jobs. 

Von Michael Caspar

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