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Geld für Kindergarten nach Schlägen gegen Polizeihelm

Verhandlung wegen Gewalt gegen Polizisten Geld für Kindergarten nach Schlägen gegen Polizeihelm

Eines derderzeit publikumswirksamsten Verfahren vor dem Göttinger Amtsgericht dreht sich um eine Sachbeschädigung. Zwei jungen Männern wird vorgeworfen, das Auto des AfD-Mitglieds Lars Steinke demoliert zu haben. Schaden: 3000 Euro.

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Am ersten Verhandlungstag war es in Gerichtssaal 25 durch die Anwesenheit von Teilen des Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen (FKTN) und dem Protest von zahlreichen Mitgliedern der linken Szene zu Tumulten gekommen.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Am ersten Verhandlungstag war es in Gerichtssaal 25 durch die Anwesenheit von Teilen des Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen (FKTN) und dem Protest von zahlreichen Mitgliedern der linken Szene zu Tumulten gekommen. Der zweite Tag am gestrigen Donnerstag war dagegen beschaulich. Während die geladenen Augenzeugen wenig Neues zur Autobeschädigung beitragen konnten, wurde ein zweiter Anklagepunkt zügig abgehandelt: Einem der Angeklagten war zusätzlich vorgeworfen worden, einen Polizisten geschlagen und sich der anschließenden Verhaftung widersetzt zu haben.

Der Zwischenfall spielt am 4. März 2016, ein Freitagabend wie viele andere in Göttingen. Ein Zug von Antifaschisten zieht durch die Innenstadt. Warm-Up für eine Demo gegen eine Freundeskreis-Kundgebung am folgenden Sonnabend in Bad Lauterberg. Demonstranten liefern sich mit der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel. In der Roten Straße kommt es zur Kollision. Der 60-köpfige Protestzug wendet spontan um 180 Grad und steht plötzlich fünf Polizisten gegenüber, die eigentlich als Nachhut eingesetzt sind. Der Angeklagte schlägt einem Polizisten zweimal mit der Faust gegen den Helm. Der umklammert den Kopf des Angreifers und zieht ihn nach Lehrbuch zu sich. Sie stürzen zu Boden. Eine kurze Rangelei. Erst als zwei Kollegen zu Hilfe kommen, können dem Mann Handschellen angelegt werden. Die Sache scheint klar.

Zwei Zeugenbefragungen und eine Videovorführung später mag Richter Stefan Scherrer den Tatbestand des Widerstands nicht mehr so klar erkennen. Auch über die Gewalt gegen den Polizisten, die dem Angreifer vermutlich mehr Schmerz zugefügt haben dürfte, lasse sich streiten. Der Anklagepunkt wird gegen eine Zahlung von 200 Euro an einen Göttinger Kindergarten eingestellt. "Zahlbar bis zum 24. Dezember", verfügt Scherrer. Und plötzlich ist es fast ein bisschen weihnachtlich im Gerichtssaal 25.

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Von Redakteur Markus Scharf

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