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Verhindern, dass die Heimatsprache ausstirbt

Einfach, aber ausgesprochen vielschichtig Verhindern, dass die Heimatsprache ausstirbt

„Eck häte Wiebke“, sagt die Zwölfjährige, „un wie hesst do?“ „Tabea“, erwidert die Angesprochene und gibt die Frage an ihren Tischnachbarn weiter: „Eck häte Tabea, wie hesst do?“ Wiebke und Tabea sind nur zwei von mehr als zehn Kindern, die am Plattdeutsch-Kursus teilnehmen, den Fritz Schmidt aus Barterode und Fritz Duntemann aus Adelebsen im historischen Spritzenhaus am Thie abhalten.

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Plattdeutschunterricht in gemütlicher Runde.

Quelle: Theodoro da Silva

Barterode. Die Kinder lernen einen Grundwortschatz und einfache Sätze zu sprechen, bekommen plattdeutsche Geschichten vorgelesen und singen zwischendurch Lieder wie „Herrn Pastor sien Kauh“.

Sie wollten verhindern, dass das Plattdeutsche ausstirbt, erklären Schmidt und Duntemann ihr Engagement. Schließlich sei Platt die Heimatsprache der Region. Er habe als Kind ausschließlich Platt gesprochen, so Schmidt (Jahrgang 39), Hochdeutsch erst in der Schule gelernt. Den Kindern beizubringen, die Sprache ihrer Vorfahren zu sprechen, sei nicht ihr Ziel, so die beiden Kursleiter, „aber wir möchten, dass sie es zumindest verstehen können“.

Das südniedersächsische Platt sei von allen Seiten beeinflusst worden, vom thüringischen, hessischen und westfälischen Platt, sagt Schmidt. Am stärksten ähnele es dem Platt, das in Ostwestfalen gesprochen wird. Aber auch innerhalb der Region gebe es Unterschiede, erläutert Duntemann: „Bestimmte Begriffe, die in Adelebsen gebräuchlich sind, heißen in Barterode ganz anders.“

Plattdeutsch ist, was Wortschatz und Grammatik anbelangt, weniger komplex als Hochdeutsch. Aber die Einfachheit täuscht – trotz oder gerade wegen ihrer Unkompliziertheit sei die Sprache ausgesprochen vielschichtig, so Schmidt, weswegen man seinen Mitmenschen Dinge auf Plattdeutsch sagen könne, die sie auf Hochdeutsch als beleidigend empfinden würden. Außerdem sei Platt weicher, viel weniger scharf als Hochdeutsch. Der Ausdruck „Do kannst meck mol am Morse klaan“, klinge eben viel weniger drastisch als seine hochdeutsche Übersetzung.

Für solche feinsinnigen Überlegungen interessiert sich Johanna (noch) nicht. Die Neunjährige möchte Platt vor allem deshalb lernen, um ihre Oma Adele besser zu verstehen. Die spreche nämlich Platt besser als Hochdeutsch, berichtet die Drittklässlerin, und dass ihr eine Menge entgeht, wenn sich ihre Großmutter mit anderen Senioren im Dorf unterhält, findet das aufgeweckte Mädchen gar nicht gut.

Von Hauke Rudolph

Kontakt: Fritz Schmidt, Telefon 0 55 06 / 4 52. Jugendbüro Adelebsen, Daniela Brill: 0 55 06/8 97 36 oder 01 76/51913920.
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