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Verkehr verkehrt

Wätzolds Woche Verkehr verkehrt

Die Göttinger Stadtverwaltung veranstaltete letzte Woche einen „Anlieger- und Bürgerworkshop“ zur Gestaltung der Groner Straße. Leider entglitt die Diskussion, weil die anwesenden Anlieger nicht in dem von der Verwaltung vorgegebenen Rahmen diskutieren, sondern erst mal den Busverkehr aus der Groner Straße verbannen wollten, bevor man sich der weiteren Ausgestaltung zuwendet. Geschäftsleute, City-Managerin und GöVB waren selbstverständlich reflexhaft dagegen.

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Lars Wätzold.

Quelle: GT

Göttingen. Ich denke, dass eine Verkehrsberuhigung gerade die Groner Straße (das Sorgenkind des Stadtmarketings) enorm aufwerten würde. Und darüber hinaus: Welch ein Gewinn wäre es doch für Bewohner, Beschäftigte und Besucher, wenn im Stadtkern gar keine Autos führen. Oder zumindest in der äußeren Fußgängerzone, denn dort sind sie weitgehend ungehindert unterwegs.

Bei der letzten Verkehrskontrolle, die ich mitbekommen habe, versteckten sich ca. zehn Polizisten und zwei Ordnungsämtler am Geismartor hinter Steinlöwe und Bushäuschen und sprangen zum Abkassieren regelwidriger Radler hervor, während fünfzig Meter weiter unbehelligt Autos durch die Kurze-Geismar-Straße fuhren.

Dort wiederum wurde ich schon von einem Polizisten ermahnt, dass ich doch auf den Verkehr achten müsste, bevor ich die Straße überquere. In der Fußgängerzone wohlgemerkt. Ebenfalls dort fuhr mir ein mich überholendes Klumpenauto gegen den Arm, während ich brav mein Moped schob und wegen abgestellter Fahrräder nicht zur Seite gehen konnte. Auch in der Groner, der Gotmar- und der Nikolaistraße rollt neben dem Bus- auch der Autoverkehr ungehindert.

Wenn der Einzelhandel Angst vor Kundenschwund in der Innenstadt hat, soll er doch lieber gegen die ohne Bürgerbeteiligung geplanten Möbelläden (mit massenhaft kostenlosen Parkplätzen und reichlichem Innenstadt-Sortiment) vorgehen, die über 30 000 Quadratmeter besten Ackerlandes versiegeln werden, statt darauf zu bestehen, dass Busse durch die Fußgängerzone fahren. Könnten statt denen eigentlich nicht (elektrische) Bimmelbusse den Personenverkehr in der Innenstadt übernehmen, die den ganzen Tag ihre Runden drehen? Was wäre das für eine Attraktion!

Während die Innenstadt nun weitgehend motorisiert befahrbar ist, werden anderswo in der Stadt neuerdings Fahrradwege an die Straßenränder gemalt. Warum auch immer. Dass da Fahrräder fahren, weiß ich auch so. Wo denn sonst?

Den Autor erreichen Sie unter redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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