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Verleger Gerhard Steidl macht sich für das Kunstquartier Göttingen stark

Ausstellungsbeginn für 2017 geplant Verleger Gerhard Steidl macht sich für das Kunstquartier Göttingen stark

„Es ist ein kleiner, miefiger, spießiger Umgang mit Kunst und Kultur, der für Göttingen nicht angemessen ist.“ Verleger Gerhard Steidl macht seinem Ärger Luft über die Diskussionen der vergangenen Wochen über das Kunstquartier zwischen Nikolai- und Düsterer Straße.

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Platz für zeitgenössische Kunst: Steidl-Prokurist Jörg Hartmann und Verlagssprecherin Claudia Glenewinkel im Kunstquartier.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Vieles, auch von Seiten der CDU, sei „unprofessionelles, dummes Gequatsche“ gewesen, was nicht zutreffe. Zudem sei es „traurig“, „dass wir über die Betriebskosten von 360 000 Euro diskutieren müssen“. Museen ähnlicher Güte hätten viel höhere Budgets. Die von der Göttinger Stadtverwaltung veranschlagte Summe sei aber „einigermaßen realistisch“. Zudem bringe er seine Erfahrung bei der Einwerbung öffentlicher Mittel für Ausstellungen ein, sagt Steidl. Gerade bereite er in der Bundeskunsthalle Bonn eine Ausstellung von Karl Lagerfeld vor. Eintrittsgelder und Vermietungen des geplanten Galeriehauses in der Düsteren Straße würden die Einnahmesituation verbessern, hofft der Verleger.
Steidl betont: „Es ist nicht mein Kunstquartier.“ Es werde keine Privatgalerie, sondern ein öffentliches Museum, bei dem er sein Wissen und seine Kontakte in die Kunstwelt einbringen will, damit das Projekt ein Erfolg wird. Und es ist ein Museum, für das Steidl kämpft. Ein Kampf um geeignete Ausstellungsflächen für zeitgenössische Kunst, den er seit mehr als 40 Jahren in Göttingen kämpft. Schon im Nachgang zu dem vom ihm mitorganisierten Kunstmarkt zu Beginn der 70er Jahre sei nach einem passenden Gebäude gesucht worden. Damals sei es die SPD gewesen, die dagegen war.

Während in Köln aus dem zu der Zeit ebenfalls entstandenen Kunstmarkt mit der Art Cologne die größte Kunstmesse der Welt entstanden sei – „ein Millionengeschäft“, urteilt Steidl –, habe Göttingen diese Entwicklung verschlafen. Doch noch sei es nicht zu spät: Steidl glaubt daran, mit dem Kunstquartier, den Kulturbetrieb in Göttingen auf ein „anderes Niveau zu heben“. Dabei gehe es keineswegs darum, andere Institutionen gegeneinander auszuspielen. Diese würde vielmehr von den Kunstquartier profitieren.

Steidl betont: „Das Kunstquartier ist ein Projekt der Stadt.“ Die 4,5 Millionen Euro vom Bund fließen nicht für den Bau einer Kunsthalle. Das Projekt wird gefördert aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Steidl, aber auch die Stadtverwaltung, erhoffen sich von einem Kunstquartier die Belebung des ganzen Quartiers, die sich auswirkt auf schon bestehende Betriebe aus Kunst und Gastronomie und die Ansiedlung weiterer fördern wird.

Steidl glaubt, dass die neue Kunsthalle – das „Kunstquartier als Begriff“ aus der Anfangszeit müsse bald mal „sterben“ – bereits 2017 nach „zwei Jahren Bauzeit“ den Ausstellungsbetrieb aufnehmen kann.

Jetzt gelte es, die Pläne für den Bau „neu zu denken“ und „so schnell wie möglich“ mit der Programmplanung für den Start zu beginnen. „Der Beginn muss sitzen“, sagt Steidl und erinnert an die Anfänge des Goslarer Kaiserrings. Dieser verdanke sein Renommee auch den namhaften Preisträgern gerade in der Anfangszeit, wie etwa Joseph Beuys.

Wie die Kunsthalle inhaltlich und architektonisch aussehen kann, soll eine zweitägige Reise nach Berlin, Paris und London zeigen. Mit Vertretern der Bau- und Kulturverwaltung sowie Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) plant der Verleger Besuche der Berlinischen Galerie, der Fondation Henri Cartier-Bresson und Damien Hirsts Newport Street Gallery.

Zum Thema Kunstquartier veranstaltet die CDU/FDP-Gruppe im Rat am Mittwoch, 18. Februar, eine Podiumsdiskussion mit Köhler, Peter Aufgebauer (Geschichtsverein) und Nils König  (Verein Kunst). Beginn ist um 18 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4.

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