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Versöhnungsgottesdienst zum Johannisempfang

Göttingen Versöhnungsgottesdienst zum Johannisempfang

Rund 200 Besucher haben am Sonnabend beim traditionellen Johannisempfang des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen eine Premiere erlebt: Anlässlich des Reformationsjubiläums feierten die Mitglieder des Arbeitskreises Christlicher Kirchen einen ökumenischen Versöhnungsgottesdienst.

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Quelle: Bänsch

Göttingen. Der gemeinsame Gottesdienst stand unter dem Motto „Healing of Memories“ (deutsch: Heilung der Erinnerungen), dass die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) für das Reformationsjahr ausgewählt hat. Das „Healing of Memories“ habe seinen Ursprung im Versöhnungsprozess nach dem Ende der Apartheid in Südafrika, erläuterte die Kirchenkreistags-Vorsitzende Gunda-Marie Meyer. „Wir sollten mehr von der Einheit sehen, als von der Spaltung“, forderte sie. Die Einheit der Kirchen werde in Deutschland längst gelebt, in ökumenischen Ehen, Nachbarschaften und Freundschaften. Seit mehr als 50 Jahren würden sich Christen auf den Weg zueinander begeben. „Wir haben mit Freude festgestellt, dass uns mehr verbindet als trennt“, so Meyer.

Johannisempfang in Göttingen

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Der Beginn der Trennung der Konfessionen kam im Sündenbekenntnis mit Vergebungsbitte, gesprochen von fünf Vertretern unterschiedlicher Kirchen, noch einmal deutlich zur Sprache. Christen hätten zu Beginn der Reformation gegeneinander Krieg geführt, weite Teile Europas seien verwüstet worden. Dort wo es um Gottes Ehre gehen sollte, sei der menschliche Stolz in den Vordergrund gestellt worden. Durch die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Konfessionen seien Familien zerrissen worden, Dörfer und Gemeinden verfeindet gewesen. Und noch immer sei kein Weg gefunden, im eucharistischen Abendmahl zusammen die Gemeinsamkeit zu feiern.

Noch vor wenigen Jahrzehnten sei eine Verbundenheit, wie sie heute praktiziert werde, nicht denkbar gewesen, sagte Superintendent Friedrich Selter während des Predigdialoges mit Dechant Wigbert Schwarze. Der Wille zur Gemeinschaft und Ehrlichkeit im Umgang miteinander lasse die unterschiedlichen Christen gute Erfahrungen im Miteinander machen. Umso bedauerlicher sei es, so Selter weiter, dass die Kirchenoberen damals nicht erkannt hätten, dass Luther nicht die Kirche habe trennen sondern nur reformieren wollen. Beim damaligen Papst und den Kirchenoberen sei es wahrscheinlich vor allem um den Erhalt der eigenen Macht gegangen. „Ich möchte an den Stellen, die uns noch trennen, gemeinsam mit Euch weiterarbeiten.“

„Wir müssen in Freundschaft schauen, was wir machen können“, griff der Dechant das Zuspiel auf, „denn wir sind nicht so weit auseinander.“ Er fühle sich beschenkt, wenn er sehe, welche Vielfalt die Ökumene biete. Und so berichtete er von der katholischen Fronleichnamsprozession in Hannover, die von Starkregen überrascht wurde und Schutz in der evangelischen Marktkirche suchte – einer Kirche, in der seit Jahrhunderten keine katholische Messe mehr gefeiert wurde. Hannovers Propst Martin Tenge habe es humorvoll kommentiert, berichtete Selter.

„Es scheint, als habe Gott uns hier reingetrieben“, habe der ehemalige Duderstädter Jugendkaplan Tenge über den Regen gesagt, Dies sei der beste Doppelpass gewesen, besser als die von Beckenbauer und Schwarzenbeck, so Schwarze. Und noch etwas habe Tenge bei diesem Anlass gesagt: „Stellt Euch nicht so deutsch an: Kommt einfach zusammen.“ Zusammenkommen sollten die Mitglieder der unterschiedlichen Konfessionen auch bei schwierigen Themen. Und das gemeinsame Abendmahl zählte Schwarze nicht zu den schwierigen Themen. An manchen Stellen müsse man einfach mutiger sein im Aufeinanderzugehen. „Es geht darum, unserer Gesellschaft christliche Antworten zu geben, nicht evangelische oder katholische, sondern christliche“, so Schwarze.

Neue Schöpfung

„Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung“, zitierte Selter aus der Lesung aus dem zweiten Korintherbrief (5, 17-21). „Das ist für mich einer der stärksten Sätze der Bibel überhaupt, erklärte der Superintendent. Wer mit Christus verbunden sei, der dürfe das Alte Vergangenheit sein lassen. „Also lassen wir uns miteinander versöhnen“, so Selter oder wie Schwarze sagte: „Wir nutzen das Reformationsjubiläumsjahr als Doping.“

"Musik hat eine Gabe"

 Musikalisch begleitet wurde der ökumenische Versöhnungsgottesdienst von Klaus-Achim Sürmann an der Klarinette sowie von der Göttinger Stadtkantorei. "Musik hat eine Gabe", sagte Gunda-Marie-Meyer, bevor sie zu gemeinsamen Gesprächen beim Empfang einlud. "Musik kann etwas vertiefen, was man mit Worten so nicht ausdrücken kann."

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