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Verteidiger will Freispruch im Reiffenhausen-Mordprozess

In 30 Minuten Plädoyer Zweifel an Täterschaft gesät Verteidiger will Freispruch im Reiffenhausen-Mordprozess

Verteidiger Tobias Pohl machte es kurz und bündig: Der Angeklagte kann es nach seiner Überzeugung nicht gewesen sein. In nur 30 Minuten säte Pohl Zweifel an der Schuld Christian M.s und beantragte am Ende Freispruch im Reiffenhausen-Mordprozess am Landgericht Göttingen.

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Der Verteidiger machte es kurz und bündig: der Angeklagte kann es nach seiner Überzeugung nicht gewesen sein. In nur 30 Minuten säte er Zweifel und beantragte am Ende Freispruch im Reiffenhausen-Mordprozess.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Es sind vor allem das enge Zeitfenster für die Tatausführung und die Witterung an jenem 2. Februar 2015, dem Mordabend, auf die sich die Verteidigung des inzwischen 29 Jahre alten Angeklagten Christian M. aus Rittmarshausen stützt.

Maximal 41 Minuten liegen zwischen den tödlichen Schüssen auf den damals 28 Jahre alten Reiffenhäuser Daniel S. und dem Eintreffen des Angeklagten in einer Göttinger Pizzeria am Leineberg. Die genaue Tatzeit ergibt sich auch für Pohl aus dem Notruf, den das Opfer noch abzusetzen versuchte.

Das Eintreffen in Göttingen am Leineberg um 19.50 Uhr bestätigten zum einen das Einloggen seines Handys, zum anderen ein Mitarbeiter der Pizzeria. Vom Tatort dort hin zu fahren, hätte bei dem herrschenden schlechten Wetter allein schon 30 Minuten gedauert, rechnete Pohl vor.

Detailliert führte der Verteidiger aus, warum die knapp 41 Minuten für sieben tödliche Schüsse, für das Verstecken der Leiche unter einem Stapel alter Weidepfähle am Ufer des Schleierbachs, das Wegwerfen der beim Zerren über die Wiese verlorenen Gummistiefel des Opfers und das Wegschaffen des Elektro-Fahrrades des Daniel S. nach Reckershausen zu knapp gewesen seien.

Außerdem hätte der Täter völlig verschmutzt sein müssen, wenn er den 80 Kilogramm schweren Leichnam über eine am 2. Februar 2015 verschneite und vermatschte Wiese vom Tatort bis zum Versteck am Bachufer tatsächlich geschleppt oder gezerrt hätte. Zeugen aus der Familie und aus der Pizzeria am Leineberg hätten laut ihrer Aussagen im Schwurgerichtsprozess von verschlammten Schuhen oder verschmutzter Kleidung nichts bemerkt.

Auf die Komplott-Theorie, die der Angeklagte in seiner Einlassung verbreitet hatte und die von Staatsanwaltschaft und Nebenklage "Geschichte" oder "Märchen" genannt wurde, ging der Verteidiger nur am Rande ein. Richtig sei, dass sein Mandant sich in der Vergangenheit fälschlich als dreifacher Taekwondo-Weltmeister, als Spender von Vereinspokalen, als Eigentümer von zwei Golf GTi und mehreren Häusern präsentiert habe. Das bedeute nicht, dass seine Darstellung des unbekannten "Arthur", der der wahre Täter sein könne, falsch sei.

Pohl stellte es außerdem als völlig unwahrscheinlich dar, dass das Opfer Daniel S. am Tattag wirklich von einem Rendevouz mit einer jungen Frau ausgegangen sei. Da wäre er nicht mit Gummistiefeln hingefahren. Zu einem Treffen mit dem Angeklagten, den er für schlecht für seine Schwester gehalten habe und glaubte, ihn endlich losgeworden zu sein, wäre S. aber auch nicht gefahren.

"Für mich steht fest, dass es wohl nicht der Angeklagte war, zu dem er gefahren ist." Damit sei dieser auch nicht der Mörder. Deshalb der Freispruch-Antrag.

Das Urteil spricht die Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Göttingen am Freitag um 9 Uhr.

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