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Flüchtlingshelfer kritisieren Umsiedlung

Verwaltung stellt Pläne vor Flüchtlingshelfer kritisieren Umsiedlung

Platz für bis zu 418 Menschen bietet die neue Unterkunft für Flüchtlinge im Groner Anna-Vandenhoek-Ring auf der Siekhöhe. Am Dienstag sollen die ersten Bewohner einziehen. Flüchtlingshelfer und Unterstützer kritisieren die Größe der Unterkunft und fürchten eine Ghettoisierung.

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Protest vor der neu ausgebauten Unterkunft.

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Grone. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hält die neue, 2,5 Millionen Euro teure Unterkunft hingegen für eine "gute Einrichtung", wie er am Dienstag bei einem Besichtigungstermin betonte. Auch der Vorsitzende des Sozialausschusses, Klaus-Peter Hermann (SPD) lobte die "hohe Qualität an Infrastruktur", die es in anderen Unterkünften nicht gebe.

Von Weende nach Grone, aber nicht zurück

Für Kritik hatten in den vergangenen Tagen vor allem die Pläne der Verwaltung gesorgt, Flüchtlinge aus kleineren Einrichtungen in der neuen Unterkunft einzuquartieren. Zunächst ziehen 30 Bewohner aus dem Weißen

Besichtigung

Am Mittwoch, 11. Mai, bietet die Stadtverwaltung freiwilligen Helfern, Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe und Nachbarn an, die neue Unterkunft zu besichtigen. Beginn ist um 14 Uhr im Anna-Vandenhoek-Ring 13.

Haus im Hagenweg ein, später die 47 Personen aus der Weender Unterkunft in der Großen Breite 10. Köhler betonte, dass diese, auch nachdem ihre Unterkunft von einem von der Verwaltung angegebenen Schädlingsbefall befreit worden ist, nicht wieder nach Weende zurückkehren werden. Köhler entschuldigte sich, diese Pläne nicht rechtzeitig den ehrenamtlichen Helfer mitgeteilt zu haben.

Alle Unterkünfte bleiben

Ob auch die  Bewohner aus der ehemaligen Voigtschule in die neue Unterkunft ziehen werden, ließ Köhler offen. Noch sei nichts festgelegt. Gleichzeitig widersprach er Dezernent Siegfried Lieske (Grüne). Pläne, Flüchtlinge aus dem Moritz-Jahn-Haus nach Grone umzusiedeln, gebe es nicht, Lieske hatte am Montag das Gegenteil mitgeteilt. Köhler sagte, dass alle bisherigen Flüchtlingsunterkünfte bestehen bleiben.

Für "dezentrale Lebensräume"

Am Rande des Ortstermins demonstrierten Aktivisten gegen ein "Lagerleben" und für "dezentrale Lebensräume". Sie verteilten Blutgeld an die Vertreter aus Verwaltung und Politik. Mit Transparenten versperrten sie die Zufahrt zur Unterkunft. Am Ende, bei der Abfahrt von Köhler, kam es zu Rangeleien mit den eingesetzten Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes. mib

Teils heftige Kritik der Helfer

„Ich bin der Überbringer der Nachricht, übermorgen können sie mit dem Oberbürgermeister diskutieren“, betonte Stadtrat Siegfried Lieske (Grüne) nach der teils heftigen Kritik der Helfer. Zuvor hatte er angekündigt, die Sozialverwaltung wolle Flüchtlinge aus den Unterkünften in der Großen Breite in Weende, dem Moritz-Jahn-Haus in Geismar, dem Weißen Haus am Hagenweg und möglicherweise anderen Wohnstätten, darunter die ehemalige Voigtschule, in die Halle an der Siekhöhe verlegen – teils wegen Ungezieferbefalls der jetzigen Unterkünfte, teils weil die Häuser anders genutzt werden sollen.

Ehrenamtliche, die die Unterkunft an der Siekhöhe bereits kennen, berichteten allerdings von „einer Akustik wie in einer Bahnhofshalle“. Weil dort die Flüchtlinge in nach oben offenen zwölf-Bett-Parzellen leben sollen, befürchteten einige Stress und Spannungen. „Kein deutscher Bürger würde freiwillig in einer solchen Unterkunft wohnen“, erklärte auch der Vorsitzende des Göttinger Integrationsrates, Redar Han.

"Zwangsmaßnahmen"

Zwar seien auch die jetzigen Unterkünfte teilweise „nicht optimal“, sagte Sascha Schiessl, ein Helfer aus der ehemaligen Voigtschule. „Aber dort gibt es zumindest Helferkreise.“ Andere verwiesen darauf, dass sich zahlreiche Flüchtlinge nahe ihrer Unterkünfte Ehrenämter, Kita- und Schulplätze sowie Sportangebote organisiert hätten.

Zwar soll Lieske zufolge Flüchtlingen die Möglichkeit zum Widerspruch gegen den Transfer eingeräumt werden. Letztlich entscheide aber die Verwaltung, sagte Lieske und zeigte sich deshalb mit dem Begriff „Zwangsmaßnahme“ einverstanden.

"Deintegration" durch die Stadtverwaltung

Auch Flüchtlingshelfer aus Weende kritisieren die Verwaltungspläne. Die derzeit 67 Bewohner aus der Großen Breite, die zum Teil bereits seit sechs oder zwölf Monaten in der Unterkunft lebten, würden aus ihrem Umfeld gerissen. Inzwischen sei in dem Haus eine funktionierende Hausgemeinschaft entstanden. Die Bewohner seien gut in den Ortsteil integriert, so die Einschätzung der Helfer. Was die Stadtverwaltung nun betreibe, sei "Deintegration". Es sei keineswegs hinnehmbar, dass die Bewohner nach einer aus Sicht der Verwaltung nötigen Schädlingsbekämpfung nicht wieder in das Haus einziehen sollen.

 

Der Umbau der ehemaligen Groner Lagerhalle im Anna-Vandenhoek-Ring hat 2,5 Millionen Euro gekostet. Für fünf Jahre hat die Verwaltung das Gebäude angemietet. Das Rote Kreuz ist mit dem Betrieb der Unterkunft beauftragt. Mehr als 400 Menschen sollen dort in 42 Parzellen, die vier bis zwölf Menschen als Wohn- und Schlafbereich dienen, leben.

Von Christoph Höland und Michael Brakemeier

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