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Viele Seniorinnen sind medikamentenabhängig

Herzberg veranstaltet Fortbildung Viele Seniorinnen sind medikamentenabhängig

„Medikamentenabhängigkeit ist ein großes Problem in Deutschland, insbesondere bei Seniorinnen, aber die Betroffenen lassen sich selten beraten, sagt Ingrid Baum. Die Leiterin der Herzberger Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks organisiert daher im November einen Fachtag zum Thema.

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„Medikamentenabhängigkeit ist ein großes Problem in Deutschland, insbesondere bei Seniorinnen, aber die Betroffenen lassen sich selten beraten, sagt Ingrid Baum.

Herzberg. Auf 1,5 Millionen Menschen wird die Zahl der Medikamentenabhängigen in Deutschland geschätzt.

Zum Vergleich: 1,6 Millionen Alkoholabhängige gibt es in der Bundesrepublik. „Viele Alkoholiker zwischen 35 und 55 Jahren suchen  Beratungsstellen auf, weil es Ärger am Arbeitsplatz gibt, die Partnerschaft zerbricht oder sich gesundheitliche Probleme häufen, berichtet Baum. Medikamentenabhängige würden dagegen nur selten um Rat bitten.

„Manchmal gibt es Nachfragen, weil Patienten nach dem Absetzen eines Medikaments Entzugserscheinungen, wie Unruhe, Herzrasen oder Zittern, verspüren, hat die Diplom-Sozialarbeiterin beobachtet. Am häufigsten gebe es Probleme mit Beruhigsmitteln (etwa Benzodiazepinen), Schlafmitteln (darunter Barbiturate) oder Schmerzmitteln (wie Opiate). Patienten bekämen die Mittel in der Regel vom Arzt verschrieben. Zum Teil würden Menschen aber auch Medikamente einnehmen, die eigentlich für einen Angehörigen gedacht seien.

„In der Gesellschaft gibt es die Tendenz, gesundheitliche oder psychische Probleme mit einer Tablette lösen zu wollen“, kritisiert Baum. Das wirke sich bei Senioren, die häufiger unter Krankheiten litten, besonders negativ aus. Sie kämpften zudem oft mit altersbedingten Ein- und Durchschlafstörungen. Gefährdet seien Personen mit diffusen, organisch schwer zuzuordnenden Schmerzen.

„Viele ältere Frauen leiden zudem unter Einsamkeit, wenn der Partner gestorben ist und die Kinder weit entfernt in den Ballungszentren leben“, so Baum. Hinzu kämen Ängste, die eigene Wohnung nicht mehr halten zu können. Unter Senioren gebe es auch überraschend oft Probleme mit Alkohol. Immer wieder komme es zu Suiziden.

Die Fachstelle richtet den Fachtag „Medikamentenabhängigkeit“ am Mittwoch, 4. November, von 13.30 bis 18 Uhr in der Herzberger Helios-Klinik aus. Teilnehmen sollen insbesondere Ärzte und Apotheker, Pflegekräfte und Fachkollegen.

Vorträge halten Ursula Havemann-Reinecke, die den Bereich Suchtmedizin der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen leitet, sowie Pflegewissenschaftler und Krankenpfleger Andreas Kutschke.

Weitere Informationen unter suchtberatung-herzberg.de

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