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Vier Adelebser Hells Angels nach fingierter Geldübergabe festgenommen

Mutmaßlicher Helfer Vier Adelebser Hells Angels nach fingierter Geldübergabe festgenommen

Der Einsatz eines Sonderkommandos (SEK) der Polizei am Montagabend im Boxclub der Hells Angels in Adelebsen galt den mutmaßlichen Helfern einer Erpressung. 100 000 Euro wollten ein 48 Jahre alter Rocker sowie sein 51 Jahre alter Mittäter von einem 60-Jährigen aus Lippoldsberg erpressen.

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Sitz des Boxclubs der Hells Angels: In der Langen Straße in Adelebsen ist nach dem SEK-Einsatz vorerst wieder Ruhe eingekehrt.

Quelle: Hinzmann

Adelebsen/Lippoldsberg. Am Montag schlug die Polizei Kassel bei einer fingierten Geldübergabe in der Marktstraße Lippoldsberg zu. Dann wurden im Boxclub Adelebsen drei Hells-Angels-Mitglieder des Göttinger Charters als mutmaßliche Unterstützer der Erpressung festgenommen.

Polizei und Staatsanwaltschaft Kassel bestätigten in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Dienstagmorgen den Tageblatt-Bericht vom Montagabend. Demnach hatte sich der von den Rockern bedrohte 60 Jahre alte Mann offenbar an die Polizei gewandt.

Als es am Montagnachmittag zur Geldübergabe kommen sollte, überrumpelten Spezialkräfte des Polizeipräsidiums Nordhessen den 51-jährigen Hauptverdächtigen sowie den 48-jährigen Rocker. Beide wurden bei der Aktion leicht verletzt, mussten nach Angaben der Polizei aber nicht ärztlich behandelt werden.

Dem Haftrichter vorgeführt

Anschließend wurden noch am Montagabend drei weitere mutmaßliche Mittäter der Erpressung in Adelebsen festgenommen. Gegen 18 Uhr hatte ein Sondereinsatzkommando den Boxclub in der Langen Straße in Adelebsen gestürmt und zuvor bereits drei Rocker mit ihren Motorrädern auf der Straße abgefangen. Elf Personen waren im Clubhaus der Hells Angels angetroffen worden. Drei Männer im Alter von 25, 27 und 31 Jahren, die nach bisherigen Erkenntnissen als Helfer der Erpresser gelten, wurden festgenommen.

Ob gegen sie auch ein Haftbefehl beantragt werden soll, teilt die Polizeipressestelle Nordhessen nicht mit. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter, darunter der 48-jährige Rocker aus dem Göttinger Hells-Angels-Charter, werden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kassel dem Haftrichter vorgeführt.

Mehr als drei Stunden hatte der groß angelegte Polizeieinsatz am Montagabend in Adelebsen gedauert. Der Boxclub steht seit Monaten unter polizeilicher Beobachtung, weil nach Erkenntnissen der Ermittler dort sowie in einem Lokal in Güntersen führende Mitglieder zahlreicher Hells-Angels-Gruppen aus ganz Deutschland und vereinzelt aus dem europäischen Ausland aus- und eingehen.

Unsicherheit und Unwissenheit
Von Jörn Barke
 

Adelebsen. Für Aufsehen im Ort hat die großangelegte Polizeiaktion am Clubhaus der Hells Angels in Adelebsen am Montagabend gesorgt. Das starke Polizeiaufgebot auf der Hauptstraße des 3500-Einwohner-Ortes war schließlich kaum zu übersehen. Doch am gestrigen Dienstagmorgen, dem Tag nach dem Einsatz, konnten die meisten nur über den Einsatz rätseln.

Nichts mitbekommen vom Einsatz hat allerdings Kämmerer Gerald Wucherpfennig, der erst am Dienstag, 30. September, aus dem Urlaub zurückkehrte. Bei der Gemeindeverwaltung seien keine Informationen über den Einsatz bekannt, sagte Wucherpfennig. Er habe sein Wissen lediglich aus der Dienstagsausgabe des Göttinger Tageblatts. Gemeindebürgermeister Holger Frase (SPD) war gestern den ganzen Tag auf Terminen und nicht im Rathaus.

Adelebsens stellvertretender Ortsbürgermeister Bernd Aschenbrandt (SPD) hatte von dem Einsatz zwar erfahren, sich aber nicht selbst dorthin aufgemacht, weil er nicht als Schaulustiger stören wollte. Auch er hatte gestern keine Informationen zum Einsatz vorliegen: „Ich weiß nur, was im Tageblatt stand.“

Die Höllenengel selbst verhielten sich im Ort unauffällig und ließen sich nichts zuschulden kommen, beschreibt Aschenbrandt die Situation. Probleme gebe es aber bei Treffen im Clubhaus. Dann sei die Hauptstraße weitgehend zugeparkt. Außerdem gebe es dann Schwierigkeiten mit Ruhestörungen durch laute Musik und durch lautes Gasgeben mit Motorrädern.

Besonders die Anwohner seien davon stark betroffen, so Aschenbrandt. Sorgen gebe es im Ort, dass durch einen privaten Boxclub im Clubhaus Kinder rekrutiert werden könnten. Außerdem werde in Adelebsen erzählt, dass im Clubhaus auch Tabledance für Stimmung sorge.

Ortsheimatpfleger Werner Lindemann hat ebenfalls von dem Einsatz gehört. Er versuche aber, dem Thema Hells Angels nicht zu viel Raum zu geben, so Lindemann.

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