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Vier Wochen neues Busliniennetz in Göttingen

Busse bleiben stecken Vier Wochen neues Busliniennetz in Göttingen

Seit mehr als vier Wochen fahren die Göttinger Stadtbusse nach einem neuen Fahrplan. Das neue Liniennetz hat für heftige Diskussionen unter den Göttinger Bürgern gesorgt. 230 Beschwerden sind seit dem bei den Göttinger Verkehrsbetrieben (GöVB) eingegangen. Betriebsleiter Thomas Zimmermann stellte die Ein-Monats-Bilanz Mitgliedern des Göttinger Bauausschusses vor.

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Stressfaktor für Busfahrer und ein wesentlicher Grund für Verspätungen: An Radfahrern kommen die GöVB-Fahrzeuge oft nicht vorbei.

Quelle: Heller

Göttingen. Die neue Linienführung- und -taktung, Verspätungen und überfüllte Busse seien laut Zimmermann die Hauptkritikpunkte der Fahrgäste. „Ja, wir bleiben morgens regelmäßig stecken“, räumte der Betriebsleiter ein. Vor allem in der Goßlerstraße, in der Godehardstraße, in der Reinhäuser Landstraße und der Stettiner Straße „bleiben wir regelmäßig hängen“.  Zimmermann berichtet von „massiven Problemen“ der Busfahrer.

Die Fahrer seien „die Gekniffenen“, wenn sie zum Beispiel morgens in einer Fahrradstraße wir der Goßlerstraße ständig anfahren, stoppen, warten und ausweichen müssen. „Wir müssen schneller durch die Stadt kommen“, so Zimmermann. „Die Busse haben in der Goßlerstraße und der Theodor-Heuss-Straße massive Probleme mit dem Radverkehr, sie kommen da einfach nicht durch.“ 

Er appellierte an Politik und Verwaltung, diese Verkehrskonflikte zu lösen. „Dann können wir auch,  ohne viel Geld auszugeben, sehr viel erreichen“, so der Mann von der GöVB.

Am Mittelberg muss sich etwas ändern

Titus Böhm vom Göttinger Fahrgastbeirat verwies auf die 2013 formulierten Ziele im  Nahverkehrsplan. „Die verfehlen Sie“, sagte er. Die Politik müsse jetzt klar sagen, wenn das nicht zu bezahlen ist.  „Gekniffen“ seien zum Beispiel die Anwohner am Mittelberg, „dort muss sich etwas ändern“, sagte er.

Auch dass der Hagenberg nicht mehr angefahren werde, kritisierte er ebenso wie die unzureichende Verzahnungen mit den Regionalbussen der RBB. Als positiv bewertete der Fahrgastbeirat den Ausbau der Nachtbuslinien.

Ob die Umstellung im Ganzen positiv oder negativ zu bewerten sei, sei schwer zu beurteilen. „Es weiß kein Mensch, wie viele positive Rückmeldungen es gibt.“

Bürger, die in der Fragestunde zu Wort kamen, benannten vor allem im Bereich Schöneberger Straße Probleme. „Wir haben 147 Unterschriften gesammelt und nichts von ihnen gehört“, sagte er zu Zimmermann. Böhm  verwies bei aller Kritik aber auch darauf, dass bei der Liniennetzumstellung viele Einzelprobleme benannt wurden, die kaum zu lösen seien. „Ein Busnetz ist kein Taxinetz“, sagte er.

Ulrich Holefleisch (Grüne) meinte, dass es ja auch als ein gutes Zeichen angesehen werden könnte, wenn die Busse voll seien. Sylvia Binkenstein (SPD) bat die GöVB darum, Gespräche mit RBB und Bahn zu führen, um eine bessere Verzahnung zu erarbeiten. Auch mit den Schulen soll weiter gesprochen werden. „Dort ist es aber bereits ruhiger geworden“, so Zimmermann.

Stressfaktor Radfahrer

Die GöVb erstellt mit dem staatlichen Gewerbeausfsichtsamt Hannover eine Studie. Untersucht wird die psychische Belastung der Busfahrer. „Wir haben im Sommer damit begonnen“, sagt Betriebsleiter Thomas Zimmermann. Die Ermittlung der Daten sei gesetzlich vorgeschrieben.

Jetzt lieben bereits erste Ergebnisse vor, die Auswertung sei aber noch nicht abgeschlossen. Schon jetzt aber zeichnet sich laut Zimmermann deutlich ab, dass der Radverkehr (neben dem Lieferverkehr) in Göttingen „ein ganz entscheidender Stressfaktor“ für die Fahrer ist.

Beispiel: „Bei einer Test-Fahrt in der Goßlerstraße registrierten wir zwölf Minuten Verspätung, weil der Fahrer in dieser Zeit  nicht an einem Radler vorbei kam.“

Die Problemlinien

Die Hauptkritik, die die GöVB in den ersten Wochen erreichte, betrifft fünf Linien:

  • Kritikpunkte Linie 61/62: Schlechte Anbindungen an Schulen aus Rosdorf, Umstieg Eiswiese, Anschluss ans Klinikum, Umstieg Lutteranger auf Linie 33, Verbindung Grone-Uni und Grone-Eiswiese.
  • Kritikpunkte Linie 91/92: Keine Anbindungen Theodor-Heuss-Straße-Norduni und Weidenbreite/Himmelsruh sowie Roringen/Herberhausen an Bahnhof und Klinikum. Zu geringer Takt in Goßlerstraße. Schlechter Anschluss an 70er-Linien. Überfüllte Schulbusse. Nur noch 30-Minuten-Takt.
  • Kritikpunkte Linien 71/72/73: Schlechte Anbindung Max-Planck (MPG) und Hainberg-Gymnasium. Anschluss an die 90er-Linien, überfüllte Schulbusse, schlechte Anbindung Zietenterassen-Klinikum.
  • Linie 11/12: Verbindungen morgens in die Stadt und zum MPG. Anschluss an 21/22 muss klappen. Anbindung KiesseeKarree-Klinikum.
  • Linie 21/22/23: Volle Busse zur Uni. Verbindung 21-Innenstadt und Geismar-Junkernberg fehlt. 23 uns 21 zu dicht nacheinander.
  • Generell kritisierten die Busnutzer, dass zu wenige Verbindungen vor 8 Uhr in die Innenstadt bestehen. Die Anschlüsse, die das Fazit der GöVB, werden als sicherer aber mit längeren Fahrzeiten bewertet. Die Busse Richtung Uni sind zu voll, eine Anbindung der Norduni an den Campus fehlt.

Neue Zeiten, neue Busse

Die GöVB zieht aus  der Kritik nach den ersten Wochen bereits Konsequenzen. Als erste kurzfristige Verbesserungs-Maßnahmen hat sie folgende Schritte umgesetzt oder geplant:

  • Überprüfung der Besetzung der Busse, da täglich stark unterschiedlich.
  • Gelenkbusse auf überfüllten Linien einsetzen,
  • Kauf von bis zu drei Gelenkbussen.
  • Zusätzliche Schulbusse: E61:  6.59 Uhr bis Eiswiese. E61, 15.37  Uhr bis Hetjershausen.
  • Änderungen: E Jugendherberge: 7.13 statt 7.17 Uhr. E71, 15.40 Uhr (Zusatz). E91: 15.15 Uhr.
  • Seit Montag: E61: 7.17 statt 7.22 Uhr. E61: 13.24  statt 13.20 Uhr. Linie71: 15.25 Uhr  (Zusatz). E 91: 6.53 statt 6.58 Uhr. Line 21 5.48 Uhr. Linie 42: 5.44 Uhr. Linie 31: 5.30 Uhr, Bahnhof bis Industriegebiet.

Mittelfristig wollen die GöVB folgen Maßnahmen prüfen:

  • Linie 11/12: bis vor-dem-Walde oder Grete-Henry-Straße?
  • Linie 21/22 Innenstadt oder ZOB?
  • Linie 23 morgen zusätzlich und über Goßlerstraße?
  • Linie 33: Abends eine Stunde länger?
  • Linie 41/42: Bühlstraße?
  • Linie 73: wie Linie 71/72?

„Wir sammeln auch künftig  alle Anregungen und werten diese aus“, verspricht Betriebsleiter Zimmermann. Das Linienetz werde weiter nachgebessert.

 

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