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"Keine Bundestagswahl"

Vier unter 30: Sebastian Bornmann (27) will für die CDU in den Kreistag "Keine Bundestagswahl"

Junge Leute interessieren sich nicht für Politik - Fakt oder Vorurteil? Benjamin Köster ist Politikverdrossenheit und Engagement auf der Spur und begleitet vier junge Kandidaten auf ihrem Weg in die kommunalen Parlamente – im Wahlkampf, bei Diskussionen und am entscheidenen Wahltag.

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Sebastian Bornmann (27) will für die CDU in den Kreistag.

Quelle: HW

Göttingen/Staufenberg. Sebastian Bornmann ist einer, der auch mal aneckt. Bei einer Podiumsdiskussion zur Kennzeichnungspflicht für Polizisten vor einigen Monaten war er der einzige der zahlreichen Zuschauer, der die Kennzeichnungspflicht ablehnte.

Trotzdem stand er auf und sagte, Pöbeleien der Umstehenden zum Trotz, genau das. Und als die CDU ihre Kreistagskandidaten aufstellte, war das wieder so ein Moment. Der aktuelle Mandatsträger wollte mit 73 Jahren noch mal kandidieren, Bornmann wollte den Generationenwechsel. Es kam zur Kampfabstimmung, der 27-Jährige gewann denkbar knapp mit 18 zu 17 Stimmen. Jetzt ist der Fleischermeister Kreistagskandidat für Staufenberg und steht mitten im Wahlkampf.

Das dominierende Thema am Wahlkampfstand? Die Bundespolitik. Flüchtlingspolitik, Kanzlerin Merkel – Bornmann muss für so ziemlich alles geradestehen und sagt selbst: „Mein wichtigster Satz ist immer: Kommunalwahl ist keine Bundestagswahl.“ Man müsse versuchen, den Wählern das Klein-Klein der Kommunalpolitik näherzubringen und zu erklären. Einfach sei das nicht immer.

Was ihn, wie vermutlich die gesamte CDU, umtreibt, ist das Thema AfD. Aber Bornmann hat dabei eine andere Einstellung als manch anderer Christdemokrat. „Was gar nicht geht, sind CDU-Politiker, die AfD-Wähler beschimpfen“, ärgert sich der Jungpolitiker. „Die Frage ist viel mehr: Wie fängt man solche Leute wieder ein?" Beleidige man sie, würden sie wohl kaum zur CDU zurückkehren, meint er.

Darauf, dass die AfD dem nächsten Kreistag angehören wird, stellt er sich bereits ein. „Alles andere zu glauben, wäre naiv.“ Über die Frage, wie die anderen Parteien sich dann gegenüber der AfD verhalten, wird hinter vorgehaltener Hand bereits diskutiert. „Wir müssen uns dann auf die einstellen, müssen schauen, sind das jetzt frustrierte Konservative oder Neonazis?“ Was für Bornmann kein Weg ist, ist das demonstrative Ignorieren der neuen Fraktion, beispielsweise durch das Verlassen des Sitzungssaales, sobald ein AfD-Abgeordneter spricht. Allein schon aus demokratischen Gründen. „Eine AfD-Stimme ist erst mal genauso viel wert, wie jede andere Stimme.“ Genug Möglichkeiten, weiterhin politisch anzuecken. Bornmann wird damit wohl eher kein Problem haben.

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