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„Meine Angst bekommt ihr nicht!“

#4unter30-Serie zur Kommunalwahl „Meine Angst bekommt ihr nicht!“

Junge Leute interessieren sich nicht für Politik - Fakt oder Vorurteil? Tageblatt-Reporter Benjamin Köster ist Politikverdrossenheit und Engagement auf der Spur und begleitet bis zur Kommunalwahl am 11. September vier junge Kandidaten auf ihrem Weg in die kommunalen Parlamente.

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Amina Yousaf

Quelle: Archiv

Göttingen. Eigentlich war der Plan, einen ganz normalen Wahlkampf zu führen. Aber dann kam der rechtsextreme sogenannte „Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen“ nach Göttingen. Und er kam jede Woche, wieder und wieder. Also ist auch Amina Yousaf immer wieder gekommen.

 

Gegendemo statt Wahlkampfstand

 

Yousaf ist 26 Jahre alt, Sozialdemokratin und kandidiert für den Rat der Stadt Göttingen. Und sie sagt: „Es ist wichtiger, hier Präsenz zu zeigen und sich den Nazis entgegen zu stellen, statt Wahlkampf zu machen.“ Es ist Sonnabendmittag, die Studentin steht wieder einmal vor dem Göttinger Bahnhof und wartet mit zahlreichen Gegendemonstranten auf die Kundgebung des „Freundeskreises“. Einen Tag zuvor hatten Rechte aus der Region ein Foto von ihr auf Facebook gepostet und sie beleidigt.

 

„Mittlerweile mache ich mir schon Gedanken, wann und wie ich wo hingehe – gerade an Tagen, an denen die Rechten in der Stadt sind“, erklärt Yousaf, die in Deutschland geboren ist und familiäre Verbindungen nach Großbritannien und Pakistan hat.

 

Beleidigungen von Rechts

 

Yousaf ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv, zieht immer wieder Hasskommentare und Beleidigungen von Rechtsextremen auf sich. Oftmals bringt sie diese auch zur Anzeige oder meldet sie bei den entsprechenden Netzwerken – nur passiert dort meistens nichts. Auch den aktuellen Fall hat sie angezeigt. „Sie haben ein Foto von mir verwendet, vielleicht ist das immerhin ein Urheberrechtsverstoß“, sagt sie.

 

"Klar fühlt man sich da irgendwie bedroht“

 

Yousaf versteckt sich nicht, will sich nicht in die Opferrolle drängen lassen. Um an einer Sitzung des Wahlausschusses teilzunehmen, musste sie jüngst durch ein Spalier von Rechten laufen. „Klar fühlt man sich da irgendwie bedroht“, meint Yousaf. „Aber die wollen ja genau diese Drohkulisse schaffen.“

 

Später am Abend, der „Freundeskreis“ hat die Stadt längst wieder verlassen, schreibt Yousaf auf Facebook: „Lasst euch gesagt sein: Meine Angst bekommt ihr nicht!“

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