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Vier von fünf Ortsratsmitgliedern in Ischenrode geben auf

Anonymer Vorwurf gegen Ortsbürgermeister Vier von fünf Ortsratsmitgliedern in Ischenrode geben auf

Nach einer vermeintlichen Dienstwagenaffäre und anonymen Vorwürfen gegen den Ortsbürgermeister haben vier von fünf Mitgliedern des Ortsrates Ischenrode ihr Mandat niedergelegt. Mit nur noch einem Mitglied ist der Ortsrat nicht mehr handlungsunfähig.

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Hat er seine Ämter im Gemeinderat (nach 15 Jahren), im Kindergartenbeirat und im Ortsrat (15 Jahren Mitglied, zehn als Ortsbürgermeister) niedergelegt: Martin Wüstefeld.

Quelle: Archivfoto

Ischenrode. Ob die Ischenröder ein Jahre vor der Kommunalwahl 2016 ein neues Gremium wählen können, oder ein Ortsvorsteher das Dorf vertritt, muss jetzt die Kommunalaufsicht beim Landkreis entscheiden. Die Stimmung im Dorf ist unterdessen betrübt. Ironie des Schicksals: Ischenrode hatte in den 1970er-Jahren als kleines revolutionäres Dorf erst dafür gesorgt, dass Ortschaften mit weniger als 400 Einwohnern in Niedersachsen überhaupt eigene Ortsräte wählen dürfen. Bis 1979 gab es dort nur einen Ortsvorsteher mit Vertretung.

Martin Wüstefeld ist tief enttäuscht. Ein anonymer Brief an seinen obersten Dienstherren „hat mich sehr verletzt“. Gemeint ist der Brief eines Unbekannten an den Göttinger Oberbürgermeister. Darin behauptet er, der Berufsfeuerwehrmann Martin Wüstefeld habe ein Dienstfahrzeug der Feuerwehr privat genutzt und sei damit auch in Ischenrode gewesen.

Der Vorwurf ist „völlig haltlos“, bestätigte hingegen der Chef der Göttinger Berufsfeuerwehr, Martin Schäfer, die Fahrt nach Ischenrode „war angemeldet und genehmigt“. Nach reiflicher Überlegung habe er mit der Familie dennoch entschieden, sich nicht mehr als Ortsbürgermeister für jemanden einzusetzen, „der mir offenbar nicht wohl gesonnen ist und mich so in die Pfanne hauen wollte“, sagt Wüstefeld.

Er weiß nicht, ob der Schreiber im Dorf wohnt. Dennoch hat er seine Ämter im Gemeinderat (nach 15 Jahren), im Kindergartenbeirat und im Ortsrat (15 Jahren Mitglied, zehn als Ortsbürgermeister) niedergelegt. Und mit ihm auch gleich Marko Bülow, Mark Wisotzki und Jörg Krüger. Aus Solidarität zu Wüstefeld, sagen sie, auch wenn es noch andere Gründe gebe. „Das Dorf ist gespalten, das belastet“, sagt Wisotzki. Und der anonyme Brief „war ja nicht der einzige Schuss gegen den Bug und unsere engagierte Arbeit“, ergänzt Bülow. Nur Christine Borchers ist noch an Bord: „Ich bin persönlich nicht betroffen, warum sollte ich zurücktreten.“ Alle bilden zusammen eine Wählergemeinschaft (WG).

„Wir haben das mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, sagt Gleichens Bürgermeister Manfred Kuhlmann. Die Gemeinde habe sich an die Kommunalaufsicht gewandt, um die weiteren Schritte zu klären. Die sehen nach Angaben des Kreises so aus: Am 29. Juli soll der Ortsrat noch einmal zusammen kommen und die Sitzverluste zu bestätigen. Sind es weniger als drei Mitglieder, gilt der Ortsrat als aufgelöst. Darin wird sich auch nichts ändern, wenn der einzige Nachrücker auf der WG-Liste das Amt annehmen sollte.

Landkreis und Gemeinde müssen dann entscheiden, ob ein neuer Ortsrat oder ein Vorsteher gewählt wird. Offen ist, ob ein neuer Ortsrat bis zur Wahl 2016 oder gar über die nächste Periode hinaus bis 2021 im Amt bleibt. Viele Ischenröder bezweifeln allerdings, dass sich zurzeit genügend Kandidaten für eine Neuwahl finden lassen.      

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