Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Viertes Göttinger Heimkino-Festival bringt Filme in fremde Wohnzimmer

Im Kino zu Hause Viertes Göttinger Heimkino-Festival bringt Filme in fremde Wohnzimmer

Viele Dinge die eigentlich ganz schön wären, sind wahrscheinlich zurecht verboten. Zum Beispiel: Filme in fremden Wohnzimmern gucken. Beim Heimkino-Festival ist das ohne Hausfriedensbruch möglich: Rund 140 Cineasten haben in neun Göttinger Wohnzimmern zum vierten Mal Filme genossen.

Voriger Artikel
Bekannte Göttinger verkaufen Erbsensuppe bei „Keiner soll einsam sein“
Nächster Artikel
600 Gäste und Profis bei Galaball in Göttinger Stadthalle

Couch und Kino: Besucher des vierten Göttinger Heimkino-Festivals.

Quelle: Rohde

Göttingen. Das Konzept ist denkbar einfach: Filmbegeisterte stellen ihre Wohnzimmer als Kinosäle zur Verfügung. Über die Internetseite des dreitägigen Festivals können Freunde und Bekannte Platzkarten für alle Wohnzimmer reservieren – und sitzen so auf einmal in der guten Stube von wildfremden Leuten.

Karen Lemke und Dietmar Schlote haben sind für die Dauer des Festivals zu privaten, aber überaus professionellen Kinobetreibern avanciert. Im Treppenhaus hängen Filmplakate, in der Wohnung verhüllt ein roter Vorhang den Eingang des Kinosaals, der normalerweise als Wohnzimmer dient. Oder umgekehrt? Eine Sesselreihe aus dem ehemaligen Stern-Kino steht ganz selbstverständlich hinter dem Sofa und lässt die Grenze zwischen Kino und Couch verschwimmen.

Die schön durchgesessene Sitzbank aus dem geschlossenen Kino ist vielleicht ein perfektes Symbol für das Festival: „Als 2011 mit dem Stern auch noch mein Lieblingskino den Spielbetrieb einstellte, beschloss ich, etwas zu unternehmen. Zusammen mit Freunden organisierte ich dann das erste Heimkino-Festival, um ein Zeichen zu setzen gegen das Kinosterben in Göttingen“, sagt der Festival-Leiter Claus Kannwischer.

Die acht Gäste, die mit ihren Karten auf den Einlass warten, sind sich überwiegend unbekannt. Ihren Unterhaltungen hört man das nicht an. „Man kommt hier immer gut mit Leuten ins Gespräch, allein über die Filme“, sagt Ines Locke. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie schon zum vierten Mal dabei. „Ich bin kein Cineast, aber ich finde die Idee super“, ergänzt Dieter Locke. Zu sehen gibt es an diesem Abend Fatih Akins „Auf der anderen Seite“ und das israelische Drama „Lemon Tree“ – zwei Filme, die gut zum diesjährigen Motto „Kulturenrausch“ passen und vom Festival-Kommittee ausgewählt wurden.

Nachdem alle zehn Gäste Platz genommen haben, läuft, wie es sich halt gehört, erst einmal Werbung. Und genau wie im echten Kino schließt der Werbeblock mit der obligatorischen Eiswerbung. „Gibts auch hier im Kino!“, ruft Lemke und teilt Eis am Stiel an ihre Gäste aus. Im Unterschied zum Kino geht das in ihrem Wohnzimmer aber aufs Haus. Eine größere Leinwand vermisst hier niemand.

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016