Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Vogelpirsch im Leinetal

Tiere Vogelpirsch im Leinetal

Wie Rotkehlchen gequetscht singen, konnten 40 Interessierte im Leinetal hören. Die Jägerschaft Göttingen nahm mit einer abendlichen Vogelpirsch an der Aktion „Natürlich Niedersachen“ des NDR teil.

Voriger Artikel
Kampft gegen den Untergang
Nächster Artikel
Geldstrafe für Lehrer

Abendliche Vogelpirsch im Leinetal am Kieseee: 40 Naturfreunde lauschen der Natur.

Quelle: Pförtner

Michael Corsmann beschreibt die Vogelstimmen im Leinetal wie einen guten Wein. „Vollmundig“ nennt er den Gesang der Ringeltaube und Mönchsgrasmücke. Beim Rotkehlchen hat er allerdings seine Schwierigkeiten, geeignete Worte zu finden. „Schwierig gequetscht“ nennt er das Gezwitscher schließlich. Im Gegensatz zu anderen Vogelarten singt das Rotkehlchen nicht in Melodien. „Tick, tick, tick“ macht er den Warnruf des Vogels nach. Etwa 40 Interessierte hören sich den Vortrag von Michael Corsmann im Leinetal am Kiessee an. Er ist Obmann für Naturschutz der Jägerschaft Göttingen. 

„Ich bin kein Freund davon, morgens um 4 Uhr loszurennen“ sagt Corsmann. Er steht in der Nähe des Bootshauses. „Dann brüllen die Amseln und Singdrosseln nämlich durch den Wald. Und man hört nichts anderes.“ Mittags sind die Tiere zu still. „Die Insekten sind dann am aktivsten.“ Und neben der Partnersuche und dem Abstecken des eigenen Reviers „haben die Singvögel was anderes zu tun.“ 

Corsmann führt die Gruppe zu verschiedenen Stationen. Dort stoppt er dann und hebt sein Fernglas, was an seinem Hals hängt. Er sucht die Bäume ab, flucht über die „grüne Hölle“, die dieses Jahr schon zu früh da ist und zeigt mit ausgestreckter Hand in die ungefähre Richtung der Rufe. Er sagt dann Sätze wie: „Die Singdrossel wiederholt alle Motive hintereinander: Düdüht, düdüht, düdüht.“ Oder: „Der Baumläufer läuft spiralförmig die Rinde der Bäume hoch.“ 

Zuviel Dünger

Während der verschiedenen Stops kann man ahnen, dass Corsman Biologe ist. Er redet über die Natur und deren Schutz – und das detailliert: Dass die Gewässer zu viele Nährstoffe enthielten, liege nicht daran, dass die Enten mit Brotkrumen gefüttert würden. Vielmehr liege es am Dünger, der nach Regen in die Gewässer gespült werde. Und Vögel das ganze Jahr durchzufüttern, das sei nur Grabpflege: „Es bringt nichts, zentnerweise Futter in die Landschaft zu werfen.“ Man müsse vielmehr die Biotope schützen und Lebensräume erhalten.

Die Gruppe verlässt schnell die bekannten geschotterten Wege am Kiessee. Durch schmale Pfade und hohes Gras geht es in das anliegende Waldstück in Richtung Rosdorf. Die Geräusche der Stadt sind nicht mehr zu hören. Nur die Gruppe selbst, die versucht, leise durch das Gehölz zu pirschen. Die Teilnehmer unterhalten sich nur noch flüsternd, welche Stimmen zu hören sind. Wehe, es wird zu laut: „Pst“, zischt dann eine ältere Dame mit erhobenen Zeigefinger. Denn die Amseln, Singdrosseln, Zaunkönige, Rotkehlchen oder Mönchsgrasmücken zwitschern durcheinander. Es ist nicht leicht, sich nur auf einen Gesang zu konzentrieren. 

Bei Corsmann wirkt es ganz leicht, wenn er die Vogelstimmen erklärt und erkennt. Aber selbst die Stimmen zuzuordnen und sich auch noch zu merken, das ist etwas ganz anderes. „Wenn Sie sich fünf Stimmen merken können, dann sind Sie gut,“ sagt er zu Beginn. Ich gehöre dann wohl eher zum Mittelmaß.

240 Vogelarten

Der Arbeitskreis Göttinger Ornithologen zählte im Jahr 2006 mehr als 240 Vogelarten allein im Göttinger Süden. Am Göttinger Kiessee gibt es laut Michael Corsmann folgende Wasservögel: Stockente, Haubentaucher, Blesshuhn und Graugans.  Singvögel am Kiessee sind: Mönchsgrasmücke, Amsel, Singdrossel, Zaunkönig, Rotkehlchen, Wacholderdrossel, Gartengrasmücke, Sumpf-  und Teichrohrsänger, Kuckuck, Stieglitz, Ringeltaube, Starr, Nachtigall,  Birkenzeisig und Rabenkrähe.

Von Florian Heinz

Ein Video finden Sie hier.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Landtagswahl: So feiern die Parteien in Göttingen und der Region