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Voigtschule: Freiwillige Helfer schlagen Alarm

Kritik an Zuständen in Flüchtlingsunterkunft Voigtschule: Freiwillige Helfer schlagen Alarm

Das Organisationsteam der unabhängigen "Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule" sorgt sich um die Zukunft der Unterkunft. Angesichts der "desolaten hygienischen Zustände", "der mangelnden sanitären Anlagen" und der "verfehlten hauptamtlichen Betreuung" seien soziale Konflikte programmiert, warnen die freiwilligen Helfer.

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Beengte Verhältnisse: Flüchtlingsunterkunft ehemalige Voigtschule.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der Vorwurf: Die Stadt verwandele die Unterkunft in einen sozialen Brennpunkt. Konflikte drohten etwa durch die Unterbringung eines "als schwierig geltenden", obdachlosen Mannes, der "bewusst in einem Zimmer mit hohem Konfliktpotenzial untergebracht" worden sei. Die Helfer fürchten weitere Fälle. Weiter bezeichnen sie die sanitären Verhältnisse als "untragbar".

Für die derzeit mehr als 80 Personen stehen zwei Duschcontainer zur Verfügung. Diese würden nur teilweise funktionieren, mitunter seien Sie aus unbekannten Gründen abgeschlossen, auch sei das Wasser kalt. Klobrillen gibt es weder auf der Damen- noch Herrentoilette. Seit September habe man die Verwaltung auf diese Dinge hingewiesen, schildern die Helfer, die sich seit September in dem Haus engagieren. Eine gründliche Reinigung sei seit September nicht erfolgt. »Die hygienischen Verhältnisse in der Unterkunft sind untragbar. Freiwillig geht niemand auf diese Toiletten«, sagte Helferin Sally Wenger.

Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe zurück. Sie sei aber derzeit mangels Alternativen gezwungen, nicht nur Flüchtlinge, sondern gegenwärtig auch andere Wohnungslose, in der Schule unterzubringen, sagte Sprecher Detlef Johannson. Auch würden die sanitären Einrichtungen wegen der hohen Bewohnerzahl nun etagenweise erweitert. "Ein Ende der im Augenblick schwierigen Situation ist also in Sicht", sagte Johannson. Von der Reinigungsfirma werde die Stadt nun eine Stellungnahme zu den Vorwürfen einfordern. Laut Vereinbarung soll diese, so Johannson, die Toiletten täglich reinigen. Auch Unterkunftskoordinatorin Marieke Thüne von der Gesellschaft Bonveno, die im Januar die hauptamtliche Betreuungsarbeit übernommen hat, berichtet von einer "unzureichenden Reinigung" im Gebäude.

Für die freiwilligen Helfer ist auch die Anfang des Jahres begonnene hauptamtliche Betreuungsarbeit durch Bonveno "mangelbehaftet". Mitarbeitern fehle die Fachkompetenz. "Gerade in Antragsfragen seien diese nicht "sattelfest". Es gebe Verständigungsschwierigkeiten mit den Bewohnern, zudem gebe es "organisatorische Unklarheiten". Koordinatoren Thüne beschreibt die Zusammenarbeit mit den Helfern als "schwierig". Trotz wöchentlicher Besprechungen würden sich die Helfer nicht an Absprachen halten.

Aus Sicht von Bonveno-Geschäftsführer Michael Bonder bestehe "ein wesentlicher Teil des hier angezettelten Konflikts" in einem Streit um Zuständigkeiten. Dabei zeigten die Ehrenamtlichen ein deutliches "Platzhischverhalten", weil sie länger in der Einrichtung tätig seien. "Neue Bedingungen wollen sie nur nach ihren Vorstellungen akzeptieren", sagte Bonder. Angesichts der kurzen Zeit sollte seinen Mitarbeitern zugestanden werden, sich einzuarbeiten und "den einen oder anderen Fehler zu Beginn machen zu dürfen". Diese Fehler, so die Helfer, hätten im Einzelfall aber schwerwiegende Folgen für die Flüchtlinge.

Angesichts des Vorgehens der Ehrenamtlichen und ihrer "haltlosen Vorwürfe" gegen Bonveno zweifelt Bonder den Sinn eines Runden Tisches an. Diesen hatten die Helfer angeregt, um die Flüchtlingshilfe zwischen Freiwilligen, Stadt und Bonveno zu koordinieren. "Gleichwohl werden wir weiterhin solche Kommunikationsformen auch für die Vogtschule anbieten und wahrnehmen", sagte er.

Und Johannson ergänzt: Wenn es an der Betreuungsleistung von Bonveno Kritik gebe, "dann muss darüber gesprochen werden – möglichst nicht über einander, sondern miteinander". Dazu müsse auch das Orga-Team bereit sein. Johannson kündigt ein Gespräch zwischen den drei beteiligten Parteien an. Die Stadtverwaltung wertet die Kritik des zehnköpfigen Orga-Teams "als Beitrag die gemeinsamen Anstrengungen, die Unterbringung von Flüchtlingen in Göttingen so gut wie möglich zu gestalten".

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