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„Ein heikles Thema“

Konversionen von Flüchtlingen „Ein heikles Thema“

Überregionale Berichte über zahlreiche Flüchtlinge, die zum Christentum konvertieren, können die großen Kirchen in Südniedersachsen nicht bestätigen. Trotzdem ist es für hiesige Geistliche „ein heikles Thema“. So nennt es Wigbert Schwarze, Katholischer Dechant in Göttingen.

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Bei der Konversion von Flüchtlingen sind die beiden Volkskirchen in Göttingen vorsichtig.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen/Friedland. Weil aber wenn überhaupt nur vereinzelte Menschen Interesse am Übertritt zum Christentum bekundet hätten, verzichtet die hiesige katholische Kirche ihm zufolge auf arabisches oder persisch-sprachiges Informationsmaterial und spezielle Taufkurse. Auch aktives Missionieren lehnen sowohl der Katholik Schwarze als auch der evangelische Superintendent Friedrich Selter ab. Von mehreren Flüchtlingen, die von sich aus konvertieren wollen, berichtet allerdings Martin Steinberg, Pfarrer im Lager in Friedland. Bei ihm hätten sich in den vergangenen drei Jahren insgesamt sieben Muslime taufen lassen, erzählt er. Wenn ein Flüchtling das ernsthaft möchte, übernehme meist die Diakonie die Betreuung - bei der Taufe sollte ein Aspirant zumindest die Zehn Gebote, die Geschichte der Kirche und das Vater Unser kennen.

Letztgenanntes kann für das Asylverfahren relevant sein: Selter berichtet von einem Flüchtling, bei dem das Gericht den Eindruck hatte, er wolle sich mit der Konversion Asyl erschleichen. „Der musste im Gerichtssaal das Vater Unser aufsagen“, erzählt Selters.

Denn tatsächlich erschwert nach Steinbergs Erfahrung eine Konversion zum Christentum eine mögliche Abschiebung: Steinberg berichtet vom Bruch mit der Familie, der Konvertiten droht. Auch Extremisten in den Heimatländern tolerieren einen Übertritt zum Christentum meistens nicht. Weil das bei der Prüfung des Asylbegehrens nach Auskunft Steinbergs ein „gewichtiger Grund“ sein könne, geht er mit dem Thema vorsichtig um: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe ihn aufgefordert, die Ernsthaftigkeit einer Konversion zu prüfen. Freikirchen halten es bei dem Thema anders: In Friedland hatte eine Gemeinde im vergangenen Jahr offensiv einen Büchertisch betrieben. „Es gibt evangelikale Kreise, die glauben, das wäre eine Missionssituation“, sagt Steinberg in Bezug auf den Flüchtlingszuzug. Erst am vergangenen Wochenende hatte die Göttinger Baptistengemeinde am Wendebachstausee 13 neue Mitglieder getauft, darunter auch Flüchtlinge aus Iran und Afghanistan.

„Großes Interesse“

Nach Medienberichten konvertieren immer mehr Flüchtlinge zum Christentum. „Es gibt im Moment ein großes Interesse“, sagt beispielsweise der Pastor Michael Youssif aus Hannover. Oft kommen Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer von der evangelischen Landeskirche in Hannover zufolge die Interessenten aus Regionen, wo sie schon zuvor mit dem Christentum in Berührung gekommen sind. Auch die Gastfreundschaft christlicher Gemeinden in Deutschland habe eine Rolle gespielt. hö

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