Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Volkszählung im Göttinger Untergrund

Feldhamster Volkszählung im Göttinger Untergrund

Experten haben Feldhamsterbauten auf einem Uni-Acker gesucht. Die Zählung im Göttinger Untergrund ist fester Bestandteil einer amtlich organisierten Nagetierbetreuung, die bundesweit einmalig sein dürfte und sogar in einem städtebaulichen Vertrag zwischen der Universität und der Stadt Göttingen geregelt ist.

Voriger Artikel
Göttinger glauben nicht an den EM-Titel
Nächster Artikel
Der olympische Gedanke zählt

Mächtiger und schützenswerter Nager: Der Feldhamster brachte in Göttingen schon Bauprojekte ins Stocken.

Quelle: Uwe Anspach/dpa

Göttingen. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Szene in einem Wildwest-Film: Auf einem Feld im Norden von Göttingen stellen sich vier Menschen in einer Reihe auf. Dann gehen sie in gleichmäßigem Abstand voneinander zielstrebig in die gleiche Richtung. Nach einigen Metern kommt es zum „Showdown“. Eine Aktivistin auf dem Acker zeigt auf ein kreisrundes Loch im Erdboden. Das Loch ist gewissermaßen ein Volltreffer. Es ist der Eingang zu einem Hamsterbau.

Die Menschen auf dem Acker sind Mitarbeiter eines Planungsbüros, die herausfinden wollen, wie viele Feldhamster auf einem sieben Hektar großen Gelände im Nordbereich der Universität leben. Da sich die scheuen Tiere nur selten blicken lassen, erfassen die Gutachter stattdessen die Zahl ihrer Bauten. Da jeder Hamster einen eigenen Bau besitzt, den er gegen Artgenossen verteidigt, lässt sich anhand der Bautätigkeit die Population abschätzen.

Die Volkszählung im Göttinger Untergrund dürfte bundesweit einmalig sein und ist sogar in einem städtebaulichen Vertrag geregelt. Der „Fach- und Managementplan zur Sicherung und Förderung des Hamsterbestandes“ soll vermeiden, dass es noch einmal zu einem Konflikt wie Ende der 1990er-Jahre kommt. Damals hätten die streng geschützten Feldhamster beinahe den Bau eines biowissenschaftlichen Zentrums verhindert, weil sie ausgerechnet auf dem Nordcampus ihre Bauten angelegt hatten. Damit sich Hamster und Forscher bei weiteren Bauvorhaben nicht wieder in die Quere kommen, will man die Hamster auf Flächen locken, die außerhalb des Bebauungsplans liegen.

Zweimal jährlich suchen die Mitarbeiter des Planungsbüros die beiden dafür vorgesehenen Ausweichflächen ab, um zu prüfen, wie sich die Population entwickelt hat. An diesem Vormittag haben sich die Gutachter das größere Gelände nördlich der Otto-Hahn-Straße vorgenommen. „Es sieht nicht schlecht aus“, meint Landschaftsplanerin Berit Schulze. Die Hamster scheinen gut über den Winter gekommen zu sein, nach kurzer Zeit hat das Suchkommando bereits zwölf Bauten entdeckt. Die Experten wissen, worauf sie achten müssen, um die Eingänge im Boden zu finden. „Hier sieht man zum Beispiel einen regelrechten Fraßkreis im Getreide“, sagt Schulze.

Jeder Hamsterbau wird mit einem GPS-Gerät genau lokalisiert und erfasst. Am Ende der mehrstündigen Kartierungsaktion sind es 25 Bauten. Die zweite Fläche wollen sich die Gutachter ein paar Tage später vornehmen.

Population

Dirk Augustin, Leiter der Versuchswirtschaften der Universität Göttingen, ist mit dem Zwischenergebnis der Frühjahrszählung zufrieden. „Das zeigt, dass die Population stabil ist.“ Auch eine niedrigere Zahl wäre noch kein Grund zur Beunruhigung. „Nagetierpopulationen unterliegen immer großen Schwankungen.“ Damit die Feldhamster sich wohl fühlen, wird auf diesen Uni-Flächen ein vielfältiges Nahrungsangebot angebaut. „Luzerne ist ganz wichtig“, sagt Augustin. Daneben gibt es Weizen, Roggen und Gerste sowie Blühstreifen und Wildkräuter. Entscheidend für das Wohl des Hamsters ist, dass er unweit seines Baus die ganze Vegetationsperiode über etwas findet, womit er sich die Backen vollstopfen kann. nie

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Tanzende Schneeflocken im "Kauf Park"