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Vom Lehrer zum kulinarischen Botschafter

Kochprüfung mit 64 Jahren Vom Lehrer zum kulinarischen Botschafter

Eigentlich liegt hinter Claudia und Hartmut Mattlin ein erfülltes Berufsleben. Beide sind Lehrer im Ruhestand. Eigentlich. Seit zwei Jahren sind sie Jungunternehmer. Und seit kurzem mit ihrem Gebäck auch „Kulinarischer Botschafter Niedersachsen 2016“.

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Hartmut Mattlin mit Ministerpräsident Stephan Weil.

Quelle: R

Göttingen . „Mandelinchen“ heißen die Kekse, mit denen ihre Mini-Firma „aufgetischt“ die Auszeichnung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Hannover errungen hat. Ein „puristisches,  handgefertigtes Mandelgebäck aus Mandeln der höchsten Qualitätsstufe und ohne jegliche künstlichen Zusatzstoffe. Exzellent“, befand die Jury.

Hartmut Mattlin ist nicht nur Ex-Lehrer und Grafiker er ist auch Koch. „Die Prüfung habe ich vor vier Jahren gemacht“, erzählt der 67-Jährige. Schon lange war er passionierter Hobbykoch, doch damit gab er sich nicht zufrieden. Er hospitierte in vielen Restaurants, im badischen Sternelokal und in Küchen der Region. Dann holte er sich bei der IHK eine Ausnahmegenehmigung und legte  – im Alter von 64 Jahren –  in Göttingen die Gesellenprüfung zum Koch ab. Heute kann man ihn auch als Privatkoch mieten, er kocht für Gesellschaften von zwei bis zehn Personen.

 

Das Gebäck von Hartmut Mattlin ausgezeichnet.

Quelle: R

Eine andere Leidenschaft aber ließ ihn seit der Kindheit nicht los: Mandelgebäck. „Als Schüler habe ich einmal in Italien bei einer Bäuerin Mandelgebäck probiert, und diesen Geschmack nie vergessen“, sagt der Göttinger. Als seine Frau ihm vor ein paar Jahren ein ähnliches Gebäck mitbrachte, war die Erinnerung wieder da. Mattlin spricht von einer „Vision“. Das perfekte Mandelgebäck, so, wie es in Italien schmeckte. Er beginnt zu experimentieren. Mit verschiedenen Rezepturen, mit Kumquats, Mandeln und Himbeeren. Irgendwann ist es es vollbracht: der Geschmack, genauso, wie er ihn haben wollte. „Es muss perfekt sein“, sagt er.

 

Bei der Gründung seiner Firma hätten ihn die Behörden toll unterstützt, so der Koch. Von der Schriftgröße auf den Kekstütchen bis hin zu Hygienevorschriften an seinem Fahrrad-Stand: Das alles will ja erst einmal gelernt sein. Die Mandeln für ihre Leckereien beziehen die Mattlins aus Apulien, mit 70 Kilogramm fing die kleine Firmengeschichte 2014 an, im Folgejahr hatte sich die Menge fast verdoppelt. Gebacken wird nur zur Saison, von September bis Ende Dezember. Verkauft wird nur auf dem Göttinger Wochenmarkt – und auf Bestellung.

„Viel Geld verdient man damit nicht“, sagt Claudia Mattlin.   Die direkten Kontakte mit den Kunden auf dem Markt und auch die mit den Kollegen, die sie bei der Preisverleihung kennen gelernt haben, das macht den beiden ebenso Freude wie die große Liebe zu ihrem Produkt. Egal ob Lehrer oder kulinarische Botschafter: „Wir haben immer das gemacht, was uns Spaß macht“, sagt Claudia Mattlin.

Die Ausschreibung:

41 regionale Hersteller aus insgesamt 21 niedersächsischen Landkreisen sind Anfang Juni mit der Urkunde „Kulinarischer Botschafter Niedersachsen“ ausgezeichnet worden. Siebenmal fand die Ausschreibung seit 2010  statt. 201 Produkte von rund 123 Herstellern dürfen seitdem das Label „Kulinarische Botschafter Niedersachsen“ tragen. Seit 2010 wurden knapp 1000 Lebensmittel aus niedersächsischer Produktion begutachtet. 2016 beteiligten sich 97 Unternehmen mit insgesamt 177 Produkten. Die Chance auf eine Auszeichnung haben nur Lebensmittel, die in der jeweiligen Produktkategorie sensorisch makellos, geschmacklich überdurchschnittlich und damit beispielgebend sind, so die niedersächsische Marketinggesellschaft, die den Wettbewerb organisiert. Weitere Preisträger aus der Region sind unter anderem beispielsweise Biere der Einbecker Brauerei,  Einbecker Senf, Göttinger Stracke von Börner-Eisenacher, Luisenhaller Salz aus Göttingen,  Haselnussöl aus der Ölmühle Solling sowie Wurst aus dem Harz und dem Solling.

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