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Vom R 4, deutscher Sprache und alter Kunst

Wochenendkolumne Vom R 4, deutscher Sprache und alter Kunst

Eine ziemlich turbulente Woche wie stets kurz vor Ferienbeginn. Zwischen den üblichen Terminen (vom Prozessauftakt des Kannibalen-Mörders über das letzte Heimspiel der Basketballer in dieser Saison) bis zum Besuch von Kindern in der Redaktion (Zukunftstag) gibt es – ­das gehört zum Alltag – jede Menge Diskussionen.

Über die deutsche Sprache beispielsweise, unser eigentliches Handwerkszeug. Dies zu vernachlässigen ist im Sport aber mittlerweile zur Normalität geworden. Denn wie soll man ein Basketballspiel ohne all die englischen Fachbegriffe erklären? Geht nicht. Eben. Wenn schon Grundschüler – wie derzeit in Seulingen ­ mit „Low-T-Ball“ in Turnieren lernen, einen Ball gegeneinander unter einem Holzbrett hindurch zu spielen, dann ist auch hier Hopfen und Malz verloren. Übersetzt steht Low für Tief und das T für Tennis – aber das wäre in der deutschen Übersetzung wohl zu schwierig gewesen.

Die Wissenschaftler der deutschen Hochschule zu Göttingen machen uns das ohnehin ständig vor. Da geniert man sich wohl bisweilen schon, die deutsche Sprache überhaupt zu nutzen. Weshalb dann so schöne Hybrid-Gewächse entstehen wie „Die Konstituierung von Cultural Property“, wie es in einer Presseerklärung der Georgia Augusta so schön heißt. Was wohl die Übersetzung des eigentlichen Forschungsprojektes „The Constitution of Cultural Property“ sein soll. Wobei es pikanterweise um kulturelles Eigentum geht und darum, wem diese Traditionen und traditionellen Ausdrucksformen eigentlich gehören. Statt nun weiter über die Verhunzung der deutschen Sprache zu lamentieren, erinnere ich lieber an einen schönen alten Spruch aus der schönen alten Kaiserstadt Aachen. Da schreit der junge Mann über die Straße: „Wem jehört der Moped?“ Und erhält zur Antwort: „Iiich“. Auch das ist die deutsche Sprache ­und zudem kulturelles Eigentum, zumindest in Aachen.

Vom Moped zum Auto: In der Blattkritik sprechen wir über den Bericht zum schönen alten Renault 4, den R 4. Und siehe da: Aus dem kollektiven Gedächtnis der Redaktion kommt eine Geschichte nach der anderen über eigene Erlebnisse mit dem legendären R 4. Vielleicht sollte man die mal sammeln und erzählen.... Möglichst in direkter Rede. Denn mit der indirekten oder gar dem Konjunktiv gibt es ebenfalls immer wieder Probleme. Weshalb ein bekannter Chefredakteur einer deutschen Zeitung erklärt haben soll, in seiner Zeitung wolle er keinen Konjunktiv mehr lesen: „Wir berichten nur Fakten“. Aha.

Wir hingegen diskutieren noch darüber, ob der Kollege nun schreiben durfte, dass nach Aussagen eines Geflügelzüchters „die Hühner immer frisches Wasser bekämen und nur gesunde Sachen fressen würden“. Oder ob es nicht richtigerweise „fräßen“ hätte heißen müssen. Worauf sich die Truppe in Pro (Zitat: „Da gibt es gar keine Diskussion“) und Contra („Das klingt doch viel zu gestelzt, das mit dem würden“ hat sich umgangssprachlich doch längst durchgesetzt“) spaltet. Open end, wie man neudeutsch so schön sagt.

Vor einer Woche durften Ehemalige (Alumni) und Fördervereinsmitglieder bereits die neueröffnete Kunstsammlung der Georgia Augusta im Alten Auditorium Maximum (Weender Straße) besichtigen. Die Sammlung mit rund 300 Gemälden, 2500 Zeichnungen, 30 Skulpturen und mehr als 15 000 Blatt Druckgraphik ist die älteste ihrer Art in Deutschland und nun in neuem Glanz zu bewundern. Überzeugend die Idee, dabei auch für die Restaurierung alter Gemälde zu werben. „Bild sucht Paten“ heißt die Aktion: Einzelne der beschädigten Bilder sind ausgestellt, etwa das italienische Gemälde des „Lesenden Papstes“ aus dem 15. Jahrhundert, über dessen linkem Auge ein weißer Fleck den Schaden anzeigt. Ein Schild beziffert die Kosten ­ und wer will, kann Pate werden. Seit dem gestrigen Freitag ist die Ausstellung wieder allgemein zugänglich, ­ ein kleiner Besuch während der Osterferien lohnt sich.

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