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Vom Werden bis zum Untergang: 52000 Fundstücke

Buch-Neuerscheinung Vom Werden bis zum Untergang: 52000 Fundstücke

Die 1992 im Solling wiederentdeckte Stadt Nienover hat nach Ansicht des Landesdenkmalamts einzigartige Erkenntnisse für die Stadtarchäologie gebracht. Jetzt wurde ein 378-seitiger Bericht der Grabungsleiterin Sonja König vorgestellt. Darin beschreibt die Wissenschaftlerin den Ort als eine der größten unüberbauten Stadtwüstungen Mitteleuropas. 

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Zur Besichtigung geöffnet: Rekonstruktion eines mittelalterlichen Hauses. 

Quelle: EF

Um 1180 entstanden, wurde die Stadt Nienover im Solling bereits nach wenigen Generationen, um das Jahr 1270 wieder aufgegeben. Im rekonstruierten Nachbau eines mittelalterlichen Stadthauses auf dem hochmittelalterlichen Siedlungsareal hat Sonja König jetzt ihr Buch „Die Stadtwüstung Nienover im Solling“ vorgestellt. Mehr als 52000 Einzelstücke wurden akribisch für das 378 Seiten starke Buch untersucht. Der größte Teil der Ausgrabungen fand von 1993 bis 2007 statt.

Durch die mineralogischen Untersuchungen der keramischen Fundstücke sei erkennbar geworden, welche Keramik aus welcher Region stamme, erläuterte die Autorin. Dabei stehe außer Frage, dass Fredelsloh hier eine entscheidende Rolle gespielt habe. Das Buch widmet sich der umfassenden Analyse des Fundmaterials und dessen Aussagefähigkeit für die Struktur und Entwicklung der Stadt sowie den regionalen Handel mit Keramik.

Landesarchäologe Henning Haßmann erklärte, dass es sich bei der hier gefundenen Wüstung mit der dazugehörigen Burg um eine der wenigen Fundstellen bundesweit handele, die weitestgehend unüberbaut geblieben sind. Der Name „Nienover“ habe in Fachkreisen der Archäologie einen klangvollen Namen.

„Sensationsfunde“

Projektleiter Hans-Georg Stephan, der zu Grabungsbeginn Anfang der 90er Jahre an der Universität Göttingen tätig war und jetzt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wirkt, erläuterte, dass in Nienover ein klares Bild vom Werden, Prosperieren und Untergang einer Gründungsstadt gewonnen werden konnte. Gefundene Fragmente der Holz-Asche-Gläser gelten gar als Sensationsfunde.

„Ich bin sehr froh, dass dieses Buch jetzt erschienen ist. Immerhin ist die ehemalige Stadt Nienover in ihrer Blütezeit einmal größer gewesen als die bayerische Landshauptstadt München damals“, so Landrat Michael Wickmann (SPD). Er betonte, dass es mit der Rekonstruktion des mittelalterlichen Stadthauses gelungen sei, die dargestellten Sachverhalte erlebbar zu machen.

Sonja König: „Die Stadtwüstung Nienover im Solling. Studien zur Sachkultur einer hochmittelalterlichen Gründungsstadt im südlichen Niedersachsen“. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Band 39, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Kommission für Niedersachsen, Verlag Marie Leidorf, ISBN 978-3-89646-972-4, 49,80 Euro.

                                                                                                                  Von Karola Hoffmann

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