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Von Biervulkanen und Rockstarkreiseln

Wochenendkolumne Von Biervulkanen und Rockstarkreiseln

Ahoi ihr räudigen Landratten, arrrgh! Halt, Stopp, bevor Sie jetzt kopfschüttelnd dem wirklich nur in Teilen zutreffenden Vorurteil erliegen, dass der Autor endgültig den letzten Rest Verstand verloren hat, muss ich Ihnen wohl was erklären.

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Tageblatt CvD Markus Scharf.

Quelle: Archivfoto

Göttingen. Mein merkwürdiges Sprachgebahren ist termingebunden. Heute ist der 19. September. Genau, der internationale Sprich-wie-ein-Pirat-Tag. Gibt‘s nicht? Doch und es ist sogar einer der höchsten Feiertage des Pastafarianismus. Die Anhänger dieser Glaubensrichtung, die übrigens das Fliegende Spaghettimonster als Gottheit verehren, ziehen an diesem Tag umher und versuchen mittels hochprozentigem Grog Ungläubige zu missionieren. Verkleidet als Piraten, versteht sich. Piraten gelten als die ursprünglichen Pastafari. Nun ist mein Plan, Ihrer Zeitung eine Tasse mit heißem Getränk beilegen zu wollen, leider an logistischen Feinheiten gescheitert.  Missionierung fällt also aus. Sie können vermutlich auch ohne das Nudelsieb als traditionelle Kopfbedeckung ein aufmerksamer Kolumnenleser sein. Ob das im Jenseits dann allerdings mit dem Biervulkan und der Stripper/Innen-Fabrik klappt, kann ich Ihnen nicht versprechen.

Übrigens glauben die Pastafari auch an einen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl von Piraten und der Erderwärmung. Schwer zu glauben. Genauso gut könnte man behaupten, es gäbe einen zwischen der Existenz der Piraten und der Verkehrssicherheit von Fahrradfahrern. Moment, den gibt‘s wirklich. In der kommenden Woche berät der Rat den legendären Piratenantrag, Radler mittels grüner Pfeile an mehr als 60 Stellen durch den fließenden Verkehr Göttingens zu navigieren. Arrrrgh! Und immer schön beidrehen, wenn von Steuerbord was kommt, Jungs. Nicht dass mir da einer über die Planken geht. Nachts wird der Spaßfaktor dann noch ein bisschen erhöht – mit freier Fahrt auch bei Rot.

Wem diese Idee zu blutig ist, der kann sich mit mir der anderen verkehrspolitischen Innovation der Woche zuwenden. Herr Reinert schlägt vor, unsere bisher so anonym herumstehenden Verkehrskreisel nach ebenso berühmten wie toten Rockmusikern zu benennen. Die Idee ist großartig und ließe sich erweitern, indem wir Gestaltung und Nutzung den jeweiligen Paten ein wenig anpassen. Wer künftig Jimi Hendrix umkurven möchte, sollte das links herum tun und möglichst so schnell, dass durch das grelle Quietschen unserer Reifen die amerikanische Hymne erklingt. Bei Janis Joplin dürften gemäß ihrer wohl bekanntesten Textzeilen nur Mercedes Benz und Porsche passieren. Wir sollten bei der Auswahl der Künstler allerdings besser auf die Musiker verzichten, die durch Unfälle ins Reich der Biervulkane abgeflogen sind.

Apropos abgeflogen. Der Pastafarismus bestreitet die Existenz der Gravitation. Vielmehr drücke uns das Fliegende Spagettimonster mit seinen nudeligen Anhängseln immer wieder auf den Boden der Tatsachen. Glauben Sie nicht? Macht nichts. Sie müssen es einfach nur tolerieren. Das ist ein Gebot der christlichen Nächstenliebe, wie die Kanzlerin jetzt sagen würde. Oder wie es das Spagettimonster in seinem dritten „Mir wär’s wirklich lieber, du würdest nicht …” schreibt: „Mir wär’s wirklich lieber, du würdest nicht Leute wegen ihres Aussehens beurteilen oder was für Klamotten Sie anhaben oder was sie reden oder wie auch immer - sei einfach nett, okay?”

Möge uns die in diesen Breiten geringe Piraten-Anzahl ein erderwärmtes Wochenende bescheren. Hohoho!

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016