Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Von Duderstadt lernen, heißt Denkmal lernen!

Tageblatt-Wochenendkolumne Von Duderstadt lernen, heißt Denkmal lernen!

Dieser Tage offenbart sich ein unerwarteter Mentalitätsunterschied zwischen Duderstadt und Göttingen.

Voriger Artikel
Besorgte Anwohner in Göttingen wegen geplantem Appartementblock
Nächster Artikel
Hoher Schaden nach Kollision auf A7 bei Göttingen

Lars Wätzold

Quelle: Archivfoto

In Duderstadt schraubt jemand ungefragt im Dezember ein blaues Männchen auf einen toten Baum auf dem Stadtwall. Ein anarchistischer Akt im konservativen Eichsfeld! Aber wer denkt, dass das Männchen abgerissen wird und die Polizei ermittelt, hat sich getäuscht. Im Gegenteil: Ganz Duderstadt freut sich wie Bolle, und diese Woche wird sogar noch ein gelbes Mädchen daneben gedübelt!

Auf der anderen Seite bekommt Göttingen einen akkuraten Sockel geschenkt, und ein Ausschuss (demokratisch legitimiert!) entscheidet, diesen anzunehmen und vor dem Bahnhof aufzustellen. Aber anstatt sich artig zu bedanken, denn immerhin kostet so was ja einen Batzen Geld, geht bei der Bevölkerung das Gemaule los und entlädt sich in Form eines Leserbrief-Shitstorms. Und selbst Ratsmitglieder torpedieren den ordnungsgemäßen Vorgang, indem sie fordern, das Denkmal doch wenigstens woanders hinzustellen, wenn man es schon nicht mehr loswird.

Wieso kann man sich denn da nicht einfach mal freuen, oder wenigstens dem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen? Okay, die Formulierung ist vielleicht etwas ungeschickt, denn es ist ja genau der Gaul, der fehlt. Aber immerhin ein Hufabdruck wird uns versprochen. Na gut, der wird wohl nur als Vogeltränke taugen, denn bei einer Denkmalshöhe von gut vier Metern kann man den natürlich nur sehen, wenn man an einer ebenso bizarren wie seltenen Wachstumsstörung leidet. Trotzdem: Das Ding macht was her, ist groß und eckig, und es stehen acht Namen drauf. Stimmt schon, der achte Name ist ungefähr so angebracht, wie ein Fuß am Hinterkopf, denn wenn es um Verdienste um Demokratie und Zivilcourage geht, hätte man genauso gut Fips Asmussen draufschreiben können.

Aber es hilft ja alles nichts, demnächst steht eine leerer Sockel vorm Bahnhof. Was können wir also tun? Von Duderstadt lernen, heißt Denkmal lernen!

Also Leute: Bastelt, hämmert und sägt, kauft euch Fimo und erschafft Skulpturen! Und die lötet ihr dann bitte ungefragt auf den Göttingern ihren Sockel. Denn dieser Sockel ist unser Auftrag!

Von Lars Wätzold

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung