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Von Hexengebräu bis Toxikologie

20 Jahre Giftinformationszentrums Von Hexengebräu bis Toxikologie

Es gab Lob von allen Seiten: Das Giftinformationszentrum (Giz) Nord in Göttingen hat am Montag seinen 20. Geburtstag gefeiert. Als eine der jüngsten und zugleich größten vergleichbaren Einrichtungen hat es sich einen internationalen Ruf erarbeitet.

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Ministerin Cornelia Rundt mit Martin Siess (Vorstand UMG), Andreas Schaper und Martin Ebbecke (Leitung GUZ-Nord).

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Alex Campbell, früherer Präsident der europäischen Vereinigung von Giftinformationszentren, hielt den Festvortrag: Er sprach über die Rolle von Giften in der Oper. Denn Alkohol, Liebestränke und tödliches Hexengebräu sind ihm zufolge dort ein beliebtes Motiv - „und immer funktioniert das Gegengift“, fügte der Wissenschaftler aus Cambridge lachend hinzu.

Denn in der Praxis der Giftinformationszentren ist das häufig anders: Sie erreichen Anfragen von Eltern, deren Kinder sich am Putzmittel vergriffen haben, aber auch „sehr komplexe“ Vergiftungsnotfälle, bei denen sich Ärzte Rat suchend an die Experten wenden, beschrieb Andreas Stürer von der Gesellschaft für klinische Toxikologie. Um dann das passende Gegengift oder die richtige Behandlung zu finden, brauche es vor allem „das gut trainierte Gehirn eines klinischen Toxikologen“.

20 Jahre GIZ

Das Giftinformationszentrum (Giz)-Nord haben die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein 1996 ins Leben gerufen. Seitdem erteilt es Laien ebenso wie Medizinern und Unternehmen Ratschläge bei Vergiftungen, seien es Drogen, Chemikalien oder beispielsweise vermeintliche Speisepilze. Nach eigenen Angaben hat das GIZ 2015 rund 32000 Anfragen beantwortet.

Es folgte seinerseits ein riesiges Lob für die Doppelspitze des Giz-Nord bestehend aus Martin Ebbecke und Andreas Schaper sowie den Rest des 32 köpfigen Teams. Das ist „24 Stunden, sieben Tage die Woche, 365 Woche Tage im Jahr“ erreichbar, wie Martin Siess, Vorstand der Universitätsmedizin Göttingen betonte. Auch er, als Kooperationspartner sei deshalb „sehr, sehr stolz“.

Ebenfalls begeistert zeigte sich Cornelia Rundt (SPD), niedersächsische Gesundheitsministerin: Sie stellte die „herausragende Kompetenz“ des Giz bei Anfragen sowohl aus Norddeutschland als auch aus anderen europäischen Ländern heraus. Zugleich verwies sie auf die Leistungen des Giz bei der Früherkennung toxischer Stoffe: Das Team hatte in der Vergangenheit beispielsweise giftige Komponenten in Nano-Beschichtungssprays frühzeitig entdeckt - und so zahlreiche Atemwegserkrankungen verhindert.

Um mögliche neue Aufgaben ging es hingegen Laudator Herbert Desel. Er hat das Giz in Göttingen mit aufgebaut und ist mittlerweile in Berlin beim Bundesinstitut für Risikobewertung tätig. Zwar hatte schon Rundt möglichen Einsparungen eine Absage erklärt, Desel forderte aber das Gegenteil. Und verwies auf Länder wie Frankreich oder die USA, die ihre Giftinformationszentren angesichts der Bedrohungen des internationalen Terrorismus derzeit ausbauen würden.

Von Christoph Höland

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