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Von der Behelfsbetreuung zur Hochleistungsmedizin

60 Jahre Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende Von der Behelfsbetreuung zur Hochleistungsmedizin

Seit sechs Jahrzehnten gibt es das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende. Wer heute einen Blick auf das moderne Krankenhaus mit seiner Hochleistungsmedizin wirft, kann sich wohl kaum die aus der Not geborenen Anfänge vorstellen.

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Die 60er Jahre: Die alten Kasernengebäude haben einen neuen Eingangsbereich bekommen.

Quelle: EF

Die Anfänge stehen in engstem Zusammenhang mit dem Grenzdurchgangslager Friedland. Im Jahr 1947 wurde das Evangelische Krankhaus in direkter Zusammenarbeit als Heimkehrer-Krankenhaus gegründet – zunächst in einer Behelfsunterkunft, der Gaststätte Rohns im Wald östlich des Stadtgebietes. Als die Traditionsgaststätte im Jahr 1950 wieder in Betrieb genommen werden sollte, drängten die Stadt Göttingen und das Land Niedersachsen darauf, die dort geschaffenen Krankenhausbetten zu erhalten. So begann unter großen Schwierigkeiten die Arbeit mit zunächst 135 Betten in der ehemaligen Artillerie-Kaserne, die zuletzt auch von der SS genutzt wurde, in Weende.

Nachdem das Evangelische Krankenhaus Weende 1950 die ehemalige Kasernenanlage von der Bundesrepublik Deutschland erwerben konnte, begann der Ausbau zu einem modernen Krankenhaus. 1951 übernahm die evangelische Schwesternschaft des Diakonissen-Mutterhauses Ariel die Krankenpflege. Die Bettenzahl erhöhte sich auf 355. Das Mutterhaus leitete die Krankenpflegeschule, bis die noch arbeitenden Diakonissen 1977 in den Ruhestand traten.
Von Beginn an gab es im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende eine chirurgische und eine medizinische Klinik. Die urologische Klinik kam 1967 hinzu, weitere Abteilungen folgten. Nachdem die Arbeiten am OP-Neubau 1985 beendet und die Verbindungsgänge zwischen den Häusern fertig waren, begann die grundlegende Modernisierung der Stationen. Schon bald zeigte sich, dass es nicht ausreichte, die alten Kasernenbauten zu mordernisieren und den gestiegenen Erfordernissen der modernen Medizin und gehobeneren Komfort-Ansprüchen bei der Unterbringung anzupassen. Neubauten wurden erforderlich – auch, um kooperierende niedergelassene Ärzte unterzubringen, die die medizinischen Dienstleistungen des Krankenhauses sinnvoll ergänzen. Erweiterungen, Sanierungen und Neubauten bilden einen Prozess, der bis heute andauert.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Göttingen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut worden. Bereits seit 1977 ist das Krankenhaus Akademisches Lehrkrankenhaus der Georg-August-Universität.

Allerdings: Weende ist nicht der einzige Standort des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende. Seit 1995 gehört auch die Lungenklinik Bovenden-Lenglern dazu, deren Anfänge ebenfalls mit den Folgen des verlorenen Krieges zu tun haben: Mit dem Flüchtlingsstrom nach Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte die Tuberkulose ihren zweiten Gipfel. Aus diesem Grund wurde in der Munitionsanlage der untergegangenen deutschen Wehrmacht in Lenglern ein Tuberkuloseheim eingerichtet, das 1949 die ersten Kranken betreute. Um Patienten mit Lungentuberkulose weitergehend zu behandeln, wurden die Unterkünfte bis 1969 zu großen Bettenstationen umgebaut.

Mit dem Rückgang der Tuberkulose wurde das Krankenhaus 1969 als „Krankenhaus an der Lieth“ zum Fachkrankenhaus für Menschen mit Lungenerkrankungen. Nachdem es bis 1976 in gemeinsamer Trägerschaft von Deutschem Roten Kreuz und Landkreis Göttingen geführt wurde, übernahm dieser 1977 die alleinige Trägerschaft. 1978 begann der Umbau zu einem modernen Krankenhaus mit komplett erneuerten Bettenstationen. Ein Kooperationsvertrag mit der Universität Göttingen, der die Grundausbildung von Medizinstudenten in den klinischen Semestern in Lenglern ermöglicht, wurde 1986 geschlossen.

1989 wurde eine Einrichtung geschaffen, die letztlich den Fortbestand der Klinik sicherte: das Schlaflabor. Seit 1994 gibt es in Lenglern nunmehr zwei selbstständige Fachabteilungen ein: die Abteilung für Pneumologie und die Abteilung für Beatmungsmedizin/Schlaflabor. 1995 wurde das Krankenhaus vom Krankenhaus Weende übernommen.

Ein Jahrzehnt später jedoch kamen ernsthafte Überlegungen auf, den Standort Lenglern ganz aufzugeben. 2009 die Wende: Statt der Schließung beschlossen die Weender Krankenhausleitung und der Landkreis Göttingen, die Abteilung Schlafmedizin auszubauen und ambulante Angebote zu schaffen. Bis 2015 soll es in Lenglern wieder 45 Betten geben. Die stationäre Lungenklinik zieht ins Haupthaus nach Weende.

Das Hospiz auf dem Krankenhausgelände im Diakonissen-Mutterhaus Ariel betreut pflegerisch und seelsorgerlich Menschen, die keine Aussicht mehr auf Heilung haben gemeinsam mit ihren Angehörigen und in Zusammenarbeit mit den Hausärzten bis an das Ende ihres Lebens.

Zusammen verfügt das Krankenhaus über 448 Betten in acht Kliniken oder Fachabteilungen, eine Belegabteilung und ein Röntgeninstitut. Insgesamt beschäftigt das Krankenhaus mehr als 900 Mitarbeiter.

  Tag der offenen Tür
  Weende (hein). Zu seinem 60-jährigen Bestehen veranstaltet das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende am kommenden Sonnabend, 28. August, einen Tag der offenen Tür. Geboten werden unter anderem Musik, Unterhaltung, Tanz und Einblicke in die Geschichte des Krankenhauses.
Den Auftakt um 11 Uhr macht der medizinische Geschäftsführer Prof. Michael Karaus, der um 11 Uhr die Gäste in Weende begrüßt. Bis 17 Uhr werden auf der Bühne neben Musik- und Tanzangeboten auch historische Schwesterntrachten vorgeführt. Dazu gibt es Technikführungen und Fachvorträge.
Auch an junge Gäste ist gedacht. Nicht ganz ernst gemeinten medizinischen Sachverstand demonstriert der Komiker Dr. FiLu. Und wer sich traut, kann sich am Eingipsen versuchen.
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