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Vor 25 Jahren stirbt Conny W.

Auf Flucht vor Polizei von Auto erfasst Vor 25 Jahren stirbt Conny W.

Die achtziger Jahre in Göttingen: eine wilde Zeit in der altehrwürdigen Universitätsstadt. „Haß, Haß, Haß“ titelt der Spiegel und meint damit die immer wieder aufflackernde Gewalt. In der mit Studenten vollgestopften Stadt herrscht Wohnungsnot.

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An der Conny-Demo am 25. November 1989 in Göttingen nehmen 16 000 Menschen teil.

Quelle: Otto

Göttingen. Häuser werden besetzt, bei sogenannten Scherbendemos in der Innenstadt gehen Scheiben zu Bruch. Es gibt gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen Skinheads und linksradikalen Autonomen.

Ein Ereignis sorgt dafür, dass die Lage noch einmal eskaliert: Am 17. November 1989 stirbt die 24-jährige Studentin Kornelia Wessmann. Sie wird von einem Auto erfasst, als sie mit einer Gruppe Autonomer vor der Polizei über die Weender Landstraße flüchtet. Wessmann wird durch Luft geschleudert, erleidet schwere Kopfverletzungen und stirbt noch am Unfallort auf der eiskalten Fahrbahn.

Die Polizei hatte zuvor die Gruppe eingekreist, um die Personalien der Beteiligten festzustellen. Für die Autonomen, die der Polizei zutiefst misstrauen und den Kampf gegen die Neonazis lieber selbst in die Hand nimmt, ist die Sache klar: „Conny von den Bullen ermordet“ wird zum Schlachtruf, der bald immer wieder an Wände gesprüht wird. „Conny W.“ wird zu einer Ikone des Widerstands. Wessmann war bei ihrem Tod weder vermummt noch trug sie einen Schlagstock bei sich.

Noch am Abend gibt es eine Mahnwache am Unglücksort. Einen Tag später beteiligen sich  an einer spontanen Demo 2000 Menschen, darunter 200 Vermummte. Im Anschluss werden in der Innenstadt zahlreiche Scheiben zertrümmert. Am Sonntagabend lodert am Unglücksort eine mehrere Meter hohes Feuer. Auch in Hamburg, Bielefeld und Westberlin gibt es Krawalle. Die Wut der linken Szene auf den Staat entlädt sich.

Und heute?

Am 23. November wird Wessmann im Emsland bestattet. Dort ist sie in einer alteingesessenen Familie in einem winzigen Dorf aufgewachsen. An Wessmanns Grab treffen in einer merkwürdigen Atmosphäre Linke aus Göttingen und das katholische Emsland zusammen.

Zwei Tage später erlebt Göttingen eine gewaltige Demonstration – mitten in der einheitstrunkenen Stimmung nach dem Mauerfall. 16 000 Menschen demonstrieren fast fünf Stunden lang, darunter 2500 Autonome. Das Polizeigebäude am Steinsgraben wird mit Wasserwerfern gesichert. Nach der Demo kommt es vor dem Juzi zu einer Straßenschlacht. Die Autonomen werfen Steine, Flaschen und Molotowcocktails, die Polizei setzt Schlagstöcke ein.

Zur Demo ein Jahr nach Connys Tod wird in Göttingen mit rund 3000 Polizisten ein riesiges Aufgebot zusammengezogen. Doch der Protest-Zug mit 6000 Menschen, darunter 3000 Autonome, bleibt friedlich. In den neunziger Jahren beruhigt sich die Lage in Göttingen. Die rechtsextreme Szene schmilzt nach der Ausweisung ihres Kopfes Karl Polacek, die linksradikale Szene bricht nach Connys Tod auseinander. Die Zahl der Teilnehmer an den Conny-Gedenk-Demos wird kleiner, 1999 kommen nur noch 360 Teilnehmer. Zum 20. Jahrestag vor fünf Jahren können noch einmal 1400 Demonstranten mobilisiert werden.

Und heute? Bislang liegen der Polizei keine Informationen über eine geplante Demonstration vor. Doch das von Freunden aufgestellte Mahnmal für Conny an der Weender Landstraße steht noch immer.

Mahnmal für Conny steht an der Weender Landstraße.

Mahnmal für Conny steht an der Weender Landstraße. ©Pförtner

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