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Vor Badewannen-Mord überall Verschwörungen

Keine Erinnerung an Messerstich Vor Badewannen-Mord überall Verschwörungen

„Die Tatsache, dass ich es gewesen sein soll, ist bei mir noch nicht angekommen“, bekennt die 63-Jährige. Sie sagte zu dem aus, was ihr vorgeworfen wird. Am 4. Januar soll sie ihren in der Badewanne sitzenden Ehemann durch einen gezielten Stich mit einem Fleischmesser in den Rücken getötet haben.

Danach stieg sie auf einen Stuhl, öffnete das Küchenfenster und stürzte sich zwei Stockwerke in die Tiefe. „Wir hatten uns gestritten“, sagen Zeugen, seien ihre ersten Worte gewesen, als man die Schwerverletzte im Schnee fand.

Am zweiten Verhandlungstag vor dem Schwurgericht, wo sie sich wegen Mordes verantworten muss, wegen mutmaßlicher Schuldunfähigkeit aber in der Psychiatrie untergebracht werden soll, gab es auf das Motiv Hinweise. Seit Jahren muss die Ehe des Mediziners wegen der psychischen Krankheit seiner Frau extrem problematisch gewesen sein. Noch heute sieht die Frau „eine Verschwörung gegen mich“. Wenn ihr Mann mit der erwachsenen Tochter telefonierte, hätten beide „Hieroglyphen“ gesprochen, eine Geheimsprache. Am Tattag hatte er vor, allein zur Tochter nach Ostdeutschland zu reisen.

Das schlossen die Beamten der Polizei, als sie die Mordermittlungen aufnahmen, aus einer Fahrkarte. Aus dem E-Mail-Verkehr mit der Tochter wurde deutlich, dass der Mediziner die Reise verheimlicht hatte. Die Tochter war auch im Testament des Mannes als Alleinerbin eingesetzt worden; die Ehefrau war enterbt worden.
Der Zustand der 63-Jährigen muss sich nach dem Umzug von Bayern nach Rosdorf verschlechtert haben. In Kleinigkeiten sah die Frau Verschwörungen. Der Besuch von zwei „Rettungsfliegern“ war für sie Indiz, dass ihre Beerdigung vorbereitet wird.

Eine Spende ihres Mannes an die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger deutete sie als Anzahlung auf ihre Seebestattung. Als ihr Mann ein Fleischmesser für 16,99 Euro kaufte („Haben wir in 40 Jahren Ehe nie gebraucht“) und das Messer täglich an einem anderen Platz lag, war dass für sie ein Indiz, dass sie damit schikaniert oder getötet werden solle. Mit diesem Messer stach sie dann selber zu. Daran erinnern, sagt sie, würde sie sich aber nicht.

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