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Vortrag „Hamas – Mythos und Realität“ sorgt für heftige Debatten

Tumultartige Diskussionen Vortrag „Hamas – Mythos und Realität“ sorgt für heftige Debatten

Nein, Antisemiten seien sie nicht, erklärt Edgar Schuh. Schuh ist zwar kein Student, engagiert sich aber in der Hochschulgruppe „Aktion gerechter Friede Nahost“, die am Dienstagabend einen Vortrag „Hamas – Mythos und Realität“ an der Universität Göttingen ausrichtete.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Die Hamas ist eine radikalislamische Organisation im Gaza-Streifen, die das Existenzrecht Israels ablehnt und in ihrer Gründungscharta die Vernichtung des Judentums zur Pflicht der Muslime erklärt. Die Europäische Union stuft die Hamas als terroristische Vereinigung ein – Fakten, auf die im Vortrag kaum eingegangen wurde.

Im kurzen Vortrag des Wissenschaftlers Imad al-Soos, der zur Hamas promoviert, ging es hauptsächlich um die Struktur und die Geschichte der Organisation. Auch wegen dieser einseitigen Darstellung kam es in der anschließenden Fragerunde zu heftigen, teils tumultartigen Diskussionen unter den etwa 100 Anwesenden.

Einer der Hauptkritikpunkte: eine Karikatur des Zeichners Carlos Latuff, mit der die Veranstaltung beworben wurde. Sie entstand während des jüngsten Gaza-Konflikts und deutet an, dass die Medien einseitig pro Israel berichten würden, während Israel den Gaza-Streifen in Schutt und Asche lege. Karikaturist Latuff selbst wird als antisemitisch bezeichnet und fiel in der Vergangenheit durch die Gleichsetzung des israelischen Staates mit Nazi-Deutschland auf.

Für den Fachschaftsrat Sozialwissenschaften (FSR Sowi) ist das nicht verwunderlich. „Die Aktion gerechter Friede Nahost fiel in der Vergangenheit mehrfach durch antisemitische und israelfeindliche Äußerungen und Aktionen auf“, erklärt der FSR Sowi in einer Pressemitteilung.

Mitglieder der Gruppe seien zudem im Sommer Teil einer Pro-Palästina-Demonstration gewesen, in deren Folge es zu Übergriffen auf eine Pro-Israel-Kundgebung kam. Auch im Internet verbreite die Gruppe antisemitische Ressentiments. Der FSR Sowi forderte die Verwaltung der Universität daher auf, „der Gruppe keinen Raum zur Verfügung zu stellen und so zu verhindern, dass diese ihre antisemitische und israelfeindliche Propaganda verbreiten kann“.

Die Uni selbst sieht kein Problem mit der Veranstaltung. Die „Aktion gerechter Friede Nahost“ sei eine angemeldete Hochschulgruppe und dürfe als solche Räume der Uni buchen. „Gleiches Recht für alle“, sagte Uni-Sprecher Romas Bielke.

Von Benjamin Köster

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