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Landesbischof warnt vor „Verachtung“ der Politiker

Vortrag in Göttingen Landesbischof warnt vor „Verachtung“ der Politiker

Ein „Friedensprojekt“ sei die Europäische Union für Christen, meint Ralf Meister, der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Dieses Projekt würden Rechtspopulisten aufs Spiel setzen. Davor warnte Meister am Montag bei einem Vortrag über Kirche, Macht und Politik im Göttinger Bullerjahn.

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Ralf Meister, der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

Quelle: dpa

Göttingen. Entsetzt von der „Hybris“ einer größer werdenden Zahl Bürger zeigte sich der Bischof, der als Gast des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU sprach. Vor 60 Zuhörern kritisierte er „Ignoranz, Unreife, Egoismus und Zorn“. Die repräsentative Demokratie sorge dafür, dass das nicht unmittelbar zu politischem Handeln führe. Diese Vermittlung gerate nun immer mehr in Kritik. Gewählten Politikern schlage zunehmend „Verachtung“ entgegen.

Meister forderte Christen auf, mit Vertrauen auf Gott „mutig“ für Frieden, Freiheit und Menschenrechte einzutreten. Der Einwand eines Zuhörers: Je konkreter die politischen Fragen würden, um so schwerer werde es, den „Willen Gottes“ eindeutig zu bestimmen. Der „Streit in der Sache“, so Meisters Erwiderung, gehöre zur Demokratie. Ein Messer schärfe sich auch nicht von alleine.

Der Bischof räumte ein, dass die evangelischen Kirchen nicht immer für Demokratie und Menschenrechte eingetreten seien. Luther habe sich wenig für politische Fragen interessiert. Er sei aber überzeugt gewesen, dass der „sündhafte Mensch“ eine äußere Ordnung benötige, die ihn begrenze. Deshalb sei nach Luthers Meinung die Obrigkeit gut und habe Anspruch auf Gehorsam.

Der Reformator habe sich aber andererseits in scharfen Worten dagegen verwahrt, wenn Fürsten sich in religiöse Fragen einmischten, führte Meister aus. Das enge Band zwischen Thron und Altar, das in Deutschland entstanden sei, habe die Weimarer Republik zertrennt. Deshalb hätten sich die Lutheraner zunächst mit der Demokratie schwer getan. Viele seien deshalb für den Nationalsozialismus empfänglich gewesen. Während des Dritten Reichs habe ein „langer Lernprozess“ eingesetzt. Er sei erst in den 60er-Jahren abgeschlossen worden.

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