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Vorwurf der Transplantation ohne Indikation: „Nicht unvertretbar“

Entlastendes im Gutachter-Duell Vorwurf der Transplantation ohne Indikation: „Nicht unvertretbar“

Am Ende steht Gutachten gegen Gutachten. Das zeichnete sich im laufenden Prozess gegen den 47 Jahre alten Leberchirurgen Aiman O. wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags und der Körperverletzung mit Todesfolge zu Lasten der von ihm transplantierten Leberpatienten schon früh ab.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Am Montag, 18 Monate nach Prozessauftakt und kurz vor dem Ende der Beweisaufnahme, stellte die Schwurgerrichtskammer die Gutachten noch einmal auf den Prüfstand. Prof. Wolf Bechstein von der Universitätsklinik Frankfurt, der belastende Sachverständige, gegen Prof. Philipp Dutkowski vom Universitäts-Spital Zürich als Entlastungs-Gutachter.

Jeder von ihnen wurde erneut befrage. Am Ende saßen gar beide nebeneinander im Zeugenstand und antworteten, wo es Widersprüche gab. Einzig im Fall einer Frau, der eine neue Leber transplantiert wurde, obwohl sie nicht einmal eine Leberzirrhose, dafür aber schwere andere Krankheiten des Gastro-Bereichs hatte, blieben Widersprüche. Ob das Gericht diese für so gravierend hält, dass – wie die Staatsanwaltschaft beantragt – eine Obergutachterin berufen wird, ist noch zu beraten.

Zuvor hatte der Belastungszeuge eine ganze Reihe von Aussagen seines Gutachtens relativiert und damit den Angeklagten entlastet. In einem Fall des Patienten D., in dem Bechstein keine Indikation für eine Lebertransplantation gesehen hatte, rang das Gericht ihm  diese Antwort ab: „War es unter den genannten Voraussetzungen unvertretbar, diesen Patienten zu transplanieren?“, fragte das Gericht. Bechstein: „Nein, ich halte es für nicht unvertretbar.“

In einem zweiten Fall, dem des Patienten T., dieselbe Frage. Bechsteins Antwort hier: „Wenn der Patient um die Risiken gewusst hat, an der Transplantation zu sterben, mag es vertretbar erscheinen.“ In diesen Fällen hatte der Angeklagte jeweils erklärt, die Patienten hätten auf eine Transplantation gedrängt und seien voll aufgeklärt gewesen. Dies unterstellt, hatte Aiman O. die Transplantationen durchgeführt, obwohl rein medizinische Indikationen nicht vorlagen beziehungsweise fehlende Alkoholabstinenz oder bestehende Medikamentensucht weiter vorlag.

Das Gericht wird in dieser Woche noch drei Zeugen hören. Plädiert wird voraussichtlich erst nach den Osterferien Mitte April, so dass das Urteil wohl erst im Mai zu erwarten ist.

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