Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Aus dem Amtsgericht

Wachmann hat Angst vor ängstlicher Ex-Freundin Aus dem Amtsgericht

Der Angeklagte ist 42 und im Nebenberuf Security-Mitarbeiter. Ein Wachmann mit 24, jetzt 25 Vorstrafen. Und er hat Angst - vor seiner Ex-Freundin. Weil er sich deshalb bewaffnet hat, steht er vor Gericht und wird verurteilt. Denn der Besitz jeder Form von Waffen ist ihm seit 16 Jahren verboten.

Voriger Artikel
Elliehäuser feiern Zeltkirmes
Nächster Artikel
Zustimmung zu Bauprogramm

Symbolbild

Quelle: dpa

Wer wirklich ängstlich ist, zeigt sich schnell. Die Ex wird hereingeführt von zwei stämmigen Justizwachmeistern. Sie hat darauf bestanden, beschützt zu werden. Sie war es, die der Polizei verraten hat, dass der Ex-Freund eine Schuswaffe habe. Bei der Wohnungsdurchsuchung wurden sogar zwei Waffen gefunden. "Die Polizei hat meine ganze Bude linksgedreht", ärgert sich der Angeklagte. Mitgenommen haben sie eine Schreckschusspistole mit 15 Kartuschen Munition und eine Softair-Waffe der Tochter. Um die gab es noch Verwirrung: erst sichergestellt, dann zurückgegeben, weil es nur ein Spielzeug sei, tags darauf erneut von der Polizei abgeholt, weil die Waffe täuschend echt aussehe und deshalb doch unter das Waffengesetz fallen solle. Angeklagt aber ist nur der Besitz der Schreckschusswaffe.

Dabei wusste der 42-Jährige, dass er sie nicht besitzen darf. Im Jahr 2000, nachdem er schon zweifach wegen Straftaten mit Schusswaffen verurteilt worden war, erteilte ihm die Stadtverwaltung ein Waffenbesitzverbot. Damals hatte er sechs Eintragungen im Führungszeugnis. "Ich habe ganz früher viel Scheiße gebaut", gibt er zu. Früher? Die Eintragungen wuchsen inzwischen auf 24 an. Einen "notorischen Hang zur Nichtbeachtung von Gesetzen" bescheinigte ihm schon damals die Waffenbehörde. Sollte noch einmal eine Waffe bei ihm gefunden werden, werde Strafanzeige erstattet.

Das ist sogar schon zweimal passiert. In einem Fall gab es sogar fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Jetzt also wieder ein Verstoß, wenn auch nur eine Schreckschusspistole. Die habe er sich gekauft, nachdem seine Ex ihn "mit Skinheads bedroht" habe und gar versucht habe, ihn zu überfahren. "Wirklich nur, um mich vor der zu schützen", beteuert er. Man müsse Angst haben vor ihr.

Immerhin gesteht er. Amtsrichter Ehsan Kangarani redet ihm ins Gewissen, droht mit "der ganz dicken Keule", wenn er die Frau nicht in Ruhe lasse. Auch sie wird ins Gebet genommen. Ignorieren soll sie ihn, dann brauche sie sich nicht zu fürchten. Er habe versprochen, sie in Ruhe zu lassen. "Und so ein Wort vor dem Richter zählt." Es gibt 50 Tagessätze Strafe zu je 40 Euro. Ein teures Vergnügen für den Besitz einer Waffe. Er ist dennoch erleichtert und nimmt die Strafe sofort an. "Ich hole mir keine Frau mehr ins Haus", lautet sein Fazit des Falles.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Jürgen Gückel