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Waffengewalt gegen Kopfschmerzen

Nach Tankbetrug gefasst Waffengewalt gegen Kopfschmerzen

Rasende Kopfschmerzen und kein Geld. Das hat einen 47 Jahre alten Selbstständigen aus Bad Münder zum Räuber gemacht. Er hat eine Apotheke überfallen und mit gezücktem Messer ein Kopfschmerzmittel verlangt. Der Überfall scheiterte. Gestern wurde der Mann zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Den größten Teil seines Lebens hat der ehemalige landwirtschaftliche Arbeiter straffrei und in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen verbracht. In den 90-er Jahren machte er sich selbstständig und geriet finanziell in Schwierigkeiten. Mehrfach wurde er wegen Betrugsdelikten bestraft, musste einige Freiheitsstrafen absitzen. Einmal stahl er einer Bekannten die EC-Karte und plünderte das Konto. Die Vorstrafe und eine weitere Verurteilung zu einer Geldstrafe waren noch offen, als der 47-Jährige am 7. Juli 2009 mit dem Auto nach Göttingen fuhr, um seine Stieftochter zu besuchen. Es plagten ihn Kopfschmerzen und ein leerer Tank.

Dann kamen ihm zwei Ideen, die Richter Tobias Jakubetz vorsichtig als „intellektuell geringwertig“ bezeichnete: Erst überfiel er eine Apotheke, später fuhr er mit falschen Kennzeichen zum Tanken vor.

In der Hagenberg-Apotheke hatte der von Kopfschmerz geplagte Räuber freilich nicht mit der Reaktion der Mitarbeiterin gerechnet. Die schrie sofort um Hilfe, als der Mann sein Küchenmesser zog. Eilig flüchtete er und grübelte stundenlang in seinem leergefahrenen Auto, wie er wieder heim kommen sollte. Dann stahl er sich fremde Autokennzeichen, montierte sie sich an sein eigenes Auto und fuhr in der Königsallee zum Tanken vor. Ohne die fälligen 92 Euro zu bezahlen, brauste er davon. Doch die Polizei erwischte ihn bald wegen des auffälligen Autos.

Das Landgericht urteilte gestern milde, denn der verhinderte Räuber hatte ein rückhaltloses Geständnis abgelegt. In die zweieinhalb Jahre sind sogar noch die offenen Vorstrafen einbezogen. Der Richter brachte das Geschehen in der Urteilsbegründung auf den Punkt: „Ein völlig idiotischer Plan, Kopfschmerzmittel mit Gewalt beschaffen zu wollen.“

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