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Wanderfalken heimatlos?

St. Jacobi Wanderfalken heimatlos?

Eigentlich leben Wanderfalken in der freien Natur. Dass sie statt an Felsen auch auf Kirchtürmen nisten können, hat ein Pärchen über Jahre auf dem Jacobi-Kirchturm gezeigt. Mit dessen Sanierung haben sie ihren Brutplatz verloren.

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Wanderfalke auf dem Südturm von St. Johannis.

Quelle: Selter

Göttingen. Das Wanderfalken in Städten heimisch werden, beobachten Ornitologen seit Jahren. In Göttingen hat ein Wanderfalkenpärchen seit 1993 im Nistkasten auf dem Jacobi-Kirchturm gebrütet. Heute sitzen sie dort nur noch gelegentlich auf dem Dach und „verspeisen ein paar Täubchen“, wie Pastor Harald Storz von der St.-Jacobi-Gemeinde erzählt. Jungvögel zögen sie dort nicht mehr groß. „Während der Sanierung ab 2010 mussten wir den Falkenhorst schließen“, erklärt Storz.

Es mangelt an Ruheplätzen

Dabei „hängen Wanderfalken an ihren traditionellen Brutplätzen“, wie Hans-Heinrich Dörrie vom Arbeitskreis Göttinger Ornitologen erzählt. In den vergangenen zwei Jahren habe es keine Bruten des Pärchens gegeben. Der Wanderfalkenkenner Erdmann Heiseke führt das auf die, durch die Sanierung verschlechterten, Bedingungen in der Jacobi-Kirche zurück: Es mangele an Ruheplätzen, die Spieße zur Taubenabwehr auf den Fensterbänken seien für junge Falken „tödliche Fallen“ und der Landesteg vor dem Brutkasten sei für Wanderfalken zu klein.

Storz dementiert das, die Anflugmöglichkeiten seien geblieben „wie sie waren“ und auch Ruheflächen gebe es weiterhin. Allerdings seien die Wanderfalken seit 2010 in der Johanniskirche zuhause. Doch obwohl sich der dortige Paster Friedrich Selter freut, vom Nordturm aus die Vögel beobachten zu können: Er macht sich Sorgen, dass der Publikumsverkehr während der Turmführungen den Brutbetrieb des Pärchens stören könnte.

Womöglich zweites Paar in Göttingen

Tatsächlich ist unklar, wo die Wanderfalken zuletzt gebrütet haben: Laut Verwaltungssprecher Detlef Johannson habe sich das Paar im vergangenen Jahr auf dem Neuen Rathaus niedergelassen. Dörrie hingegen glaubt, dass sei ein zweites Paar gewesen, während das ursprüngliche Paar auf den Schornstein der Turmmensa am Göttinger Campus gezogen sei. Der dortige Brutkasten sei aber auf Turmfalken ausgelegt und deshalb zu klein, glaubt Dörrie. Wo und ob das Wanderfalkenpaar in diesem Jahr brüten wird, will er abwarten. Das Brutgeschäft der Wanderfalken beginnt zwischen Februar und März.

Von Christoph Höland

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