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Wasser vom Harster Baugebiet flutet Wohnzimmer

Schäfertor erschlossen und entwässert Wasser vom Harster Baugebiet flutet Wohnzimmer

Die Entwässerung wirkt fachgerecht. Rund um das Neubaugebiet Schäfertor 4 in Harste sind Gräben gezogen. Das Wasser von den planierten, verdichteten, inzwischen teils asphaltierten Flächen sammelt sich in den Gräben, fließt zum tiefsten Punkt und – staut sich vor einem kleinen, halb zugewachsenen Abflussrohr.

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Durch dieses zugewachsene Rohr (rechts) sollte ein ganzes Neubaugebiet entwässern. Am Tag nach der Flut wurde ein zusätzlicher Abfluss gebaggert.

Quelle: EF

Harste. Die Folge: Am 1. Juni dieses Jahres begann die Erschließung, am 11. Juni standen Keller und Wohnzimmer von zwei Nachbarn voller Wasser und Schlamm.

An der Umwandlung des Ackers in Bauland hat es nicht gelegen, behauptet nun die Versicherung. Die „Überschwemmung aufgrund des Starkregenereignisses“ hätte nicht verhindert werden können, schreibt sie den Geschädigten. Sie will nicht zahlen.

Dirk und Maren Schulz bleiben auf 20 000 Euro Schaden sitzen, Nachbar Axel Persch hat Glück, seine 12 000 Euro zahlt die eigene Elementarschaden-Versicherung. Beide Familien leben bis heute in ausgeräumten Räumen, in denen die Trocknung läuft, und zwischen gestapelten Möbeln aus den betroffenen Zimmern.

Dabei waren beide Familien nach der schockierenden Nacht, als das Wasser durch die Kellerfenster quoll, aus den Steckdosen spritzte und das Wohnzimmer flutete, noch guter Hoffnung.

Graben gebaggert

Eine Mitarbeiterin der Erschließungsgesellschaft und danach auch ihr Chef, der Regionalleiter, so erzählt Maren Schulz, habe gleich eingesehen, dass es ein Fehler war, die riesige Fläche entwässern zu wollen, ohne das zugewachsene, nur 50 Zentimeter Durchmesser messende Rohr freizumachen.

Noch am Morgen nach der Überschwemmung wurde gleich daneben ein Graben in die Straße gebaggert, damit das nicht erneut passiert. An dieser Stelle liegt heute ein zweites Kanalrohr.

Wer aber übernimmt die Verantwortung? Die Flutopfer stehen vor einem Dreieck der Verantwortungslosigkeit. Den Auftrag zur Erschließung gab die Gemeinde, die auch für die Kanalisation zuständig ist, und die laut Bürgermeisterin Heidrun Bäcker (SPD) „keinen Ingenieurfehler erkennen“ kann.

VGH verweist auf die Gemeinde

Die Erschließungsarbeit machte die Niedersächsische Landentwicklungsgesellschaft (NLG), die ihre Haftpflichtversicherung einschaltete und laut Geschäftsführer Thorsten Hiete auch nur die Versicherung Auskunft erteilen lässt. Die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) wiederum lehnt einen Versicherungsfall ab.

Zum einen sei das Unwetter so stark gewesen (nur alle 20 bis 50 Jahre zu erwarten), dass die Kanalisation darauf nicht ausgelegt sein musste. Die VGH verweist da zurück auf die Gemeinde.

Zum anderen sei der Graben, der so anschwoll und überlief, gar nicht Teil der Erschließungsmaßnahme. Schließlich gelte generell seit Jahrhunderten das „bessere Recht des Oberliegers“. Mit anderen Worten: Der Eigentümer des oben liegenden, nun erschlossenen Grundstücks sei nicht verpflichtet, zu verhindern, dass Regenwasser auf Grundstücke darunter abfließt.

Klage ist vorbereitet

Darüber lässt sich streiten – und wird es wohl auch. Eine Klage gegen die VGH ist vorbereitet. 14 Jahre wohnen die Familien bereits an Golmbeckesgraben. Niemals hatten sie Wasser im Garten. Alles versickerte im Feld oder floss durch das Rohr ins Regenrückhaltebecken. Zehn Tage nach Beginn der Bauarbeiten dann die Flut. Auch bezweifeln sie, dass es so ein außergewöhnlicher Regenguss gewesen sein soll.

Der Deutsche Wetterdienst in Geismar hat für jene Nacht 34 Millimeter Niederschlag gemessen. „Ziemlich viel, aber das kommt jeden Sommer mal vor“, sagt ein Mitarbeiter. Die VGH, so ihr Pressesprecher, beruft sich auf die Messung eines lokalen Schadensregulierers, der 45 Millimeter gemessen haben will. So viel hätte das kleine Rohr wohl auch dann nicht aufnehmen können, wäre es nicht zugewachsen gewesen.

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