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Weiter Rätselraten nach Gasexplosion am Weender Tor in Göttingen

Wie konnte Gas aus gebrochener Außenleitung ins Haus gelangen? Weiter Rätselraten nach Gasexplosion am Weender Tor in Göttingen

Die bei der Gasexplosion am Freitag schwer verletzte 54-jährige Ärztin und der 30-jähriger Sicherheitsbedienstete schweben nach wie vor in Lebensgefahr. Es ist auch weiterhin unklar, warum die Erdgasleitung in der Erde vor dem sogenannten Grotefend-Haus aufgebrochen ist, und wie das Gas in das Gebäude an der Weender Straße strömen konnte. Die Polizei ermittelt weiter.

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Quelle: Archiv

Göttingen. Die Göttinger Stadtwerke haben externe Gutachter eingeschaltet. Zudem haben Experten am Montag alle Häuser im 50-Meter-Umfeld untersucht, nach Angaben der Stadtwerke aber kein weiteres Gas festgestellt.
Nach bisherigen Ermittlungen war Gas an einem sogenannten Scherbruch in einer Niederdruckgasleitung ausgeströmt. Die vor etwa 50 Jahren verlegte Leitung befindet sich 1,50 Meter tief im Erdreich, ist aber nicht mit dem Gebäude verbunden. Über der Bruchstelle stand eine Straßenlaterne mit einem Betonsockel.

Das aus dem Leck ausströmende Erdgas ist leichter als Luft. Durch Kanäle, Schächte und Leerrohre könnte das Gas in den etwa 20 Meter entfernten Aufgang zu einem Blutspendedienst der Universitätsklinik gelangt sein, erklärt die Polizei. Hier habe sich das Gas unter der Decke gesammelt. Durch das Betätigen des Lichtschalters habe ein Funke das entzündliche Gas-/Luftgemisch zur Explosion gebracht.

Das passiere nur bei einer Konzentration von etwa vier bis fünf Prozent Gasanteil in der Luft, ergänzt am Montag der technische Vorstand der Stadtwerke, Gerd Rappenecker. Bei einer höheren oder geringeren Konzentration gebe es keine Explosion. Für die Stadtwerke sei es „völlig schleierhaft“, warum die Leitung gebrochen ist und vor allem, wie das Gas in das Haus gelangen konnte. Eigentlich hätten solche Leitungen eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahre. Auch im Anschluss der Bruchstelle sei sie „in einem guten Zustand“.

Das 495 Kilometer lang Gasnetz der Stadtwerke werde regelmäßig überprüft, so Rappenecker – je nach Art der Leitung alle zwei bis vier Jahre. Die Leitung an der Unglücksstelle sei 2013 überprüft worden, „und da war alles in Ordnung“. Für Leitungen in den Häusern seien die Besitzer verantwortlich. „Es kommt vor, aber es ist selten, dass Leitungen Leck schlagen“, sagt Rappenecker. 2013 habe es drei Brüche gegeben, in den beiden Jahren davor keinen. Weil die Leitungen der Stadtwerke üblicherweise Weise außerhalb von Gebäuden liegen, verdünne sich austretendes Gas sehr schnell so stark, dass keine Explosionsgefahr bestehe. Rätselhaft sei auch, warum niemand in dem Haus das Gas bemerkt und Alarm geschlagen habe. Weil Erdgas geruchslos ist, werde der schwefelfreie Duftstoff Odor-S-free beigemischt. Tritt Gas aus, rieche es auffällig unangenehm, chemisch und stechend nach einem unbekannten Lösungsmittel.
Der Blutspendedienst am Campus ist vorerst geschlossen. Spender können ins Klinikum Göttingen kommen, teilt die Uni mit.

Von Ulrich Schubert und Matthias Heinzel

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