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Weiterer Einwohner Göttingens auf dem Weg zum IS

Weiterer Einwohner Göttingens auf dem Weg zum IS

Ein weiterer Einwohner Göttingens hat sich auf den Weg gemacht, um in Syrien zu kämpfen. Das erklären eine ehemalige Mitbewohnerin, ihr Anwalt – und der Kämpfer selbst.

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Quelle: EF

Göttingen. Es handelt sich um Hami R. (Name geändert), einen israelischer Staatsbürger arabischer Herkunft, der bis Mitte vergangenen Jahres in einer Göttinger Studenten-Wohngemeinschaft lebte. Die islamische Karriere des Mannes kam am Rande einer Verhandlung vor dem Göttinger Landgericht heraus: Eine 41-jährige Frau war beschuldigt worden, Ende 2013 in einem Zustand drogenbedingter Verwirrung einen Mitbewohner mit Fäusten, einem Blumentopf und einer Haushaltsschere angegriffen zu haben. Das Opfer: Hami R. Doch auf den als Zeuge für den Prozess gegen die Frau geladenen Mann wartete das Gericht vergebens. Hami R. sei in Syrien, erklärten die Angeklagte und ihr Anwalt Patrick Riebe dazu.

Das bestätigt die Facebook-Seite des Mannes. Dort zeigt sich, dass sich Hami R. mittlerweile an ein anderes Gewaltniveau gewöhnt hat. Seine Facebook-Präsentation ziert eine Flagge des Islamischen Staates (IS), auf Bildern aus dem November und Dezember 2015 zeigt er sich dort mit Schussweste und Kalaschnikow-Sturmgewehr.

Bereits in seiner Göttinger Zeit gab es auf seiner Facebook-Seite zahlreiche Einträge – meist auf arabisch – mit heftiger Kritik an der angeblichen kolonialistischen Politik des Westens im Nahen Osten. Im April 2015 nahm Hami R. in Göttingen noch einen Termin bei dem Anwalt der Angeklagten wahr. Etwa Mitte Juni machte er sich auf den Weg in den Süden der Türkei, um dort in einem Flüchtlingscamp zu helfen, lässt sich aus seinen Facebook-Einträgen entnehmen.
Von dort aus zog es Hami R. nach Syrien. „Kämpft bis zum letzten Blutstropfen!!“, schrieb er im Oktober. Anfang November ließ er sich erstmals mit Schussweste und einem Kalaschnikow-Sturmgewehr abbilden – Anlass für ehemalige Göttinger Freunde, sich von ihm abzuwenden. „Jetzt bist du derjenige, der Waffen benutzt“, schrieb eine Bekannte daraufhin, „und Waffen sind die Hauptursache dafür, dass Menschen sterben.“ 

Ende November berichtete Hami R. von einem russischen Luftangriff auf Raqqa, der syrischen Haupstadt des IS. Die dazugehörigen Fotos sollen Angriffe mit Phosphor-Bomben zeigen. In der Folgezeit wurden seine Facebook-Mitteilungen immer radikaler, ehemalige Göttinger Bekannten äußerten auf Facebook erhebliche Sorgen. Doch Hami R. machte weiter. „Bald werde ich im Herzen der Schlacht sein“, schrieb er Mitte Dezember. „Ich habe keine Probleme, dass ich hier mit den Kindern sterbe. Warum alle haben Angst und wollen nicht was Richtiges machen? Sterben werden wir alle!“

Weder die Person noch die Radikalisierung von Hami R. noch dessen Facebook-Auftritt sei der Polizei Göttingen bislang bekannt gewesen, erklärt Polizei-Sprecher Joachim Lüther. Nach Sichtung der Tageblatt-Rechercheergebnisse sei die Angelegenheit jetzt der zuständigen Staatsanwaltschaft Hannover übergeben worden.

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