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Weltanschauungsbeauftragter Christiansen geht in Ruhestand

Berater von Polizei, Bundestag und Angehörigen Weltanschauungsbeauftragter Christiansen geht in Ruhestand

Er beriet Angehörige, arbeitete dem deutschen Bundestag zu und unterstützte Polizisten bei der Aufklärung von Straftaten. Nun geht Diakon Ingolf Christiansen (65), der hauptamtliche Weltanschauungsbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises Göttingen, in den Ruhestand.

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Ingolf Christiansen

Quelle: EF

Sein Nachfolger, Diakon Volker Wagner, übt das Amt nur noch nebenberuflich aus. Diakon Christiansen ist ein nüchterner Mensch. Dass er einmal Okkultismus-Experte werden würde, hätte er selbst nicht geglaubt. 1988 erhielt er den Auftrag, sich ehrenamtlich mit Weltanschaungsfragen zu befassen. „Damals gab es unter Jugendlichen den Trend, Dämonen zu beschwören und Geister anzurufen“, erinnert er sich. Artikel in Medien verstärkten diese Welle. Besorgte Eltern nahmen Kontakt zu Christiansen auf.

 
Der Diakon begann sich in das Thema einzulesen und befasste sich auch mit solchen Praktiken bei Erwachsenen. Weil die Kirche den Bedarf ernst nahm, konnte sich Christiansen seit 1996 ausschließlich auf Beratungen konzentrieren. 2001 wurde dem offiziell im Stellenplan Rechnung getragen.

 
Zwischenzeitlich hatte Christiansen begonnen, Polizisten zum möglichen „okkult-ideologischen Hintergrund“ von Straftaten zu beraten und zu schulen. Beamten war von Angehörigen und Medien vorgeworfen worden, bei Suiziden, sexuellem Missbrauch und Tötungsdelikten diese Dimension zu vernachlässigen. So befasste sich Christiansen einmal mit sechs Suiziden von Schülern einer Schule in Sachsen-Anhalt. Medien hatten die Suizide mit satanistischen Praktiken in Verbindung gebracht. „Das klang spektakulär, traf aber nicht zu“, kommentiert der Diakon.

 
Missbrauch während satanischer Rituale

 
Im Auftrag der Polizei erstellte Christiansen in mehr als 30 Fällen Glaubwürdigkeitsgutachten. Menschen behaupteten, während satanistischer Rituale sexuell missbraucht worden zu sein. „In einigen Fällen stellten Pädophile satanistische Rituale nach, um ihre Opfer einzuschüchtern“, fand der Diakon heraus. Andere Täter wollten den Eindruck erwecken, nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Befehl Satans zu handeln. Einen satanistischen Hintergrund schloss Christiansen auch bei zwei Tötungsdelikten aus, bei denen er als Gutachter tätig war.

 
Mitglied der Enquete-Kommission

 
Eins der vielen anderen Themen Christiansens war Scientology. „Da gab es 30 bis 40 Anfragen im Jahr“, berichtet der Diakon. Neben Angehörigen suchten Arbeitgeber Rat, die Mitarbeiter einer Mitgliedschaft verdächtigten. „Es hat Fälle gegeben, wo Personalverantwortliche ohne Wissen des Arbeitgebers Untergebene zu Scientology-Schulungen schickten“, berichtet Christiansen. Scientolgy war auch 1996 bis 1998 Thema der Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des Deutschen Bundestags, zu deren zehn Sachverständigen der Diakon gehörte.

 
Das Archiv von Christiansen, das 1100 Aktenordner mit Material zu zahlreichen Gruppen umfasst, geht nun an die Bayerische Landeskirche nach München. „Dort und in Düsseldorf gibt es bereits große Archive“, sagt der Diakon. mic

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