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Weniger Insekten, weniger Vögel

Experten warnen Weniger Insekten, weniger Vögel

Umweltorganisationen und Biologen schlagen Alarm: Es gebe immer weniger Insekten. Kürzlich geisterte die Zahl eines Rückgangs um 80 Prozent durch die Medien. Stimmt das? Und hängt damit auch der Rückgang der Zahl der Vögel zusammen? Der Göttinger Wissenschaftler Prof. Teja Tscharntke hat Antworten.

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Quelle: dpa

Göttingen. „Es besteht kein Zweifel, dass es in Deutschland und weltweit nicht nur einen starken Artenrückgang an Insekten gibt, sondern auch einen dramatischen Einbruch an Insektenbiomasse“, sagt Tscharntke, Professor für Agrarbiologie an der Universität Göttingen. „Mit dem Biomasseverlust geht ganz offensichtlich auch die elementare Nahrungsbasis für insektenfressende Vögel zurück und befördert damit auch deren Aussterben - zumindest lokal.“ Meist gehe dem Aussterben von Arten eine starker Rückgang an Individuenzahlen voraus, wie schon der Naturforscher und Begründer der Evolutionslehre Charles Darwin bemerkt habe.

Aktuell beobachten Naturschutzorganisationen einen Rückgang bei der Zahl der Vögel. Das bestätigt auch die Bundesregierung. Sie erklärte im April dieses Jahres, dass sich der Rückgang der Brutvogelbestände beschleunigt habe: In den vergangenen zwölf Jahren, antwortete die Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Grünen, habe es bei einem Drittel der Vogelarten „signifikante Bestandsabnahmen“ gegeben. Die größten Rückgänge gebe es bei jenen Vogelarten, die in der Agrarlandschaft heimisch sind: Bei etwa der Hälfte dieser Arten seien die Bestände gesunken.

Ursachen für den überall zu beobachteten Artenrückgang, erklärt Tscharntke, „ist die Tatsache, dass unsere Kulturlandschaften immer monotoner werden. Seit den 1950er-Jahren findet ein immer weiter fortschreitender Verlust von Lebensräumen statt, sodass den meisten Arten die Lebensgrundlage genommen wird.“ Die Intensivierung der Landwirtschaft führe aber nicht nur zu dieser strukturellen Reduzierung der Komplexität von Landschaften.

Auch durch das Ausbringen von teils giftigen Agrochemikalien, insbesondere die Stickstoff-Überdüngung und durch Pestizide, insbesondere Insektizide, Herbizide und Fungizide, verursachten direkt eine Verarmung der Artenvielfalt in unseren Landschaften. Indirekt trügen sie zu dieser Verarmung durch eine Beeinträchtigung des Verhaltens der Arten bei. Tscharntke: „So verursachen Neonikotinoide bei Honigbienen, dass viele Arbeiterinnen nicht mehr zu ihrem Volk zurückfinden, und bei Hummeln, dass sie viel weniger der überlebenswichtigen Königinnen produzieren.“ Diese beiden Ursachen des Artenrückgangs – das Ausräumen der Landschaft und der Einsatz von Agrochemikalien - gälten für Insekten und Vögel gleichermaßen.

Abhilfe sei nicht unmöglich, meint der Agrarökologe: „Der Schutz eines Minimums an natürlichen oder halbnatürlichen Lebensräumen in unseren Landschaften, den man auch an die Agrarpolitik koppeln könnte, wie auch eine Verringerung des Einsatzes von Agrochemikalien wären Maßnahmen, die für den von der EU wie auch von Deutschland in seiner Nationalen Biodiversitätsstrategie geforderten Stopp des Artenrückgangs wichtig wären.“

Bei den freiwilligen Vogelzählungen, sagt Dirk Zimmermann vom Naturschutzbund (Nabu) Göttingen, hätten sich in den vergangenen Jahren in der Region allerdings nicht immer zurückgehende Zahlen ergeben. Zimmermann verweist unter anderem auf das Ergebnis der bundesweiten Nabu-Aktion „Stunde der Wintervögel“ Anfang dieses Jahres. Dort hätten sich zwar Anrufer gemeldet, die nur sehr wenige Vögel an ihren Futterhäuschen beobachten konnten, aber: Die Zahlen belegten dies für die Region nicht, sagte Zimmermann. Bundesweit registrierte der Nabu in den vergangenen Jahren allerdings einen Rückgang der Zahl der Vögel um mehr als 40 Prozent.

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