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„Wenn Niko geht, muss ich wohl verhungern“

Laden auf dem Holtenser Berg „Wenn Niko geht, muss ich wohl verhungern“

Seit Jahren stehen die meisten Geschäfte leer, und die Anwohner warten auf den großen Umbau für neue Geschäfte. Die Verhandlungen stocken, obwohl die meisten formalen Hürden weitgehend beseitigt sind.

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Leerstand: Jetzt schließt auch noch der letzte größere Markt in der Passage auf dem Holtenser Berg.

Quelle: Theodoro da Silva

Jetzt schließt auch der letzte Lebensmittelmarkt mit den gängigen Alltagswaren auf dem Holtenser Berg, und die Passage im Herzen des Wohnviertels im Nordwesten Göttingens steht vor dem Stillstand.

„Wenn Niko geht, muss ich wohl verhungern“, klagt eine alte Frau in gebückter Haltung und schlurft mit ihrer Einkaufstasche von dannen. Ein halbes Brot, ein paar Scheiben Wurst und Butter – viel mehr hat sie nicht eingekauft. Aber nur im Nahkauf von Nikolaus (Niko) Athanassiadis bekommt sie ohne lange Wege das, was sie zum Leben braucht. „Niko“ gehört seit über 20 Jahren zur Ladenpassage auf dem Berg. Erst hatte er dort einen Imbiss, dann im hinteren Bereich einen Edeka-Markt und seit zwölf Jahren vorne den Nahkauf mit Rewe-Produkten – plus Bäcker und Fleischer als Untermieter. Ende April wird Athanassiadis 65 Jahre alt, dann schließt er den Laden. Das Alter sei aber nicht der eigentliche Grund, sagt er ein wenig verbittert. „Ich kann hier mit dem Laden nichts mehr verdienen.“ Mit seinen Preisen „als ganz Kleiner in der untersten Händlerstufe“ könne er nicht gegen die entfernteren Großmärkte und Discounter ankommen. Die Kunden blieben aus, „Niko“ fühlt sich auch im Stich gelassen. Seine Kunden und viele der gut 4000 Bewohner des Holtenser Berges machen sich jetzt trotzdem Sorgen – oder erst Recht. Die meisten Läden in der Passage stehen seit Jahren leer. Es gibt nur noch ein Gasthaus, zwei Geld-Stationen, einen Tabak- und Lotto-Laden, einen Frisör und die Apotheke.

Inzwischen hat gegenüber des Nahkaufs zwar ein kleiner Laden mit russischen Spezialitäten geöffnet. Und auch hier gibt es Gemüse und andere Lebensmittel, aber auf kleiner Fläche und von vielen bisher nicht wahrgenommen. Dennoch hoffen viele, dass der Besitzer Athanassiadis Laden als Nachfolger pachtet und sein Sortiment vergrößert. Der kleine Nachbar verhandelt bereits mit den Eigentümern dieses Gebäudetraktes. Es gebe sogar mehrere Interessenten, sagt Oliver Roese von der Göttinger Abraham Grundstücks KG. Noch sei aber alles offen.

Stillstand seit langem, dabei gibt es seit Jahren Pläne, auf die hier alle hoffen: Ein Investor aus Stade will die gesamte Ladenzeile umbauen und erweitern. Der Edeka-Konzern ist mit im Boot und würde als Pächter einen Penny-Markt einrichten. Mit allen Eigentümern scheint weitgehend Einigkeit zu herrschen: Edeka gehört der hintere und größere Bereich, Abraham der große Nahkauf-Laden vorne, die kleinen Geschäfte dazwischen gehören der Volksbank und dem früheren Apotheker Klank. Auch die formalrechtlichen Hemmschuhe und Forderungen des Investors scheinen weitgehend beseitigt zu sein. Die Stadt müsste zwar noch den Bebauungsplan ändern, aber: Gegenüber könnten erforderliche zusätzliche Parkplätze angelegt werden; ein Lärmgutachten hat mögliche Probleme bereits ausgeschlossen; und zusätzliche Kunden könnten gewonnen werden, wenn ein Verbindungsweg zum nächsten Dorf geöffnet wird – der Rat hat bereits zugestimmt.

Niemand kann erklären, warum es nicht längst los gegangen ist: Die Edeka und der Investor HGV haben auf Anfragen bisher nicht reagiert. „Wir unterstützen das Projekt mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson, konkrete Angaben aber kann die Stadt nicht machen. Unermüdlich arbeite auch das Bürgerforum Holtenser Berg und seine Partei an der Sache, sagt Holger Welskop, Bewohner des Viertels und CDU-Ratsherr. Er selbst habe viele Gespräche geführt, „aber nichts passiert“. Oberstes Ziel müsse mit Blick auf die Pläne Athanassiadis‘ zunächst eine gesicherte und gute Nahversorgung auf dem Berg sein, sagt Welskop. Ideal wäre es, wenn die gesamte Ladenpassage mit Hilfe eines Investors und adäquaten Anbieters aufgewertet werden könne. Wie nah dieser Wunsch ist, könnte sich Anfang März zeigen. Dann wird es nach Tageblatt-Informationen das nächste Gespräch mit den entscheidenden Beteiligten geben.

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