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Wessi mit „Ostalgie“

Tageblatt-Wochenendkolumne Wessi mit „Ostalgie“

„Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“ Diese Feststellung könnte als, sagen wir mal, umstritten gelten. Kommt in Gebieten, die früher als „Zonenrand“ firmierten, selten gut an, Anfang Oktober und rund um den 9. November praktisch nirgendwo.

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Stellvertretender Chefredakteur des Tageblatts: Christoph Oppermann.

Quelle: Archivfoto

Deshalb fristet dieses Zitat des großartigen Chlodwig Poth inzwischen sein Dasein im Verborgenen, wahrgenommen nur von Lesern des Titanic-Impressums, das dieses Motto Monat für Monat einleitet. Dabei war der Gedanke fast mal Mainstream (und hätte folglich nicht zum „endgültigen Satiremagazin“ gepasst). Jedenfalls außerhalb der eingangs beschriebenen Regionen. Konnte ja niemand ahnen, dass die Mauer nicht einmal 30 Jahre lang stehen würde. Von wegen: Erich währt am längsten.

Können Sie sich noch an den Mauerfall erinnern, daran, was Sie am 9. und 10. November getan haben, sie bewegt hat? Erinnerlich geblieben ist eine Studentenrunde im „Elchkeller“ in Hannover, die am Abend des 9. Novembers getan hat, was Studenten zumindest früher häufig und zumeist zu Recht nachgesagt wurde, und am 10. November – man könnte sagen: voller Wermut – feststellen musste, dass die DDR über Nacht praktisch zerbröselte. Beim theoretischen Weltverbessern war die Runde wohl etwas eigenwillig abgebogen.

Keine Frage: Für ungefähr 17 Millionen Menschen war das keinen Tag zu früh. Aber als „Wessi“ vermisse ich bis heute manches doch schmerzlich. Schnitzlers „Schwarzen Kanal“ beispielsweise, den ich lange Zeit für die härteste Satiresendung der Welt gehalten habe, bis mir jemand alle Illusionen raubte und erklärte: „Der meint das wirklich.“ Oder die Ansprachen Honeckers. Der einzige Mensch, der fähig war, den Begriff „Deutsche Demokratische Republik“ in 1,5 Silben unterzubringen. Bei steil aufsteigender Satzmelodie. Was soll’s, gibt es alles aus der Konserve im Falle übermächtiger „Ostalgie“.

Die Erinnerungen an die aufregende Zeit vor 25 Jahren beschäftigt – jenseits aller fader Kalauer – das GT-Team schon eine ganze Weile. Das Ergebnis werden wir in wenigen Wochen präsentieren und Sie damit hoffentlich positiv überraschen können. Bis dahin können wir uns ja doch noch ein bisschen in mehr oder minder platten Witzchen über Erichs Phantasiegebilde üben. Haben Sie welche vorrätig? Immer her damit.
Sie erreichen den Autor unter redaktion@goettinger-tageblatt.de.

Von Christoph Oppermann

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