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West-Ost-Freundschaft nach dem Mauerfall in Lenglern

„Gleich prima verstanden“ West-Ost-Freundschaft nach dem Mauerfall in Lenglern

An den Mauerfall vor 25 Jahren und seine Folgen für ihr eigenes Leben erinnert sich Hildegard Kleiser ganz genau. In den ersten Wochen der Freiheit fand sie Freunde fürs Leben – aus dem Osten.

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Der erste Besuch – zwei Wochen nach dem Mauerfall.

Quelle: Repro: Pohl

Lenglern. Sofort nach dem Mauerfall hatte die Stadt Göttingen zusammen mit dem Tageblatt eine Initiative gestartet, um DDR-Bürgern eine Übernachtung in der Region zu ermöglichen.

Grund: Wegen des Massenandrangs blieben die DDR-Bürger auf verstopften Straßen stecken, kamen erst spät im Westen an und mussten dann in ihren Autos übernachten – teils mit Kleinkindern und Säuglingen, bei Minusgraden, erinnert sich Hildegard Kleiser. Die Stadt richtete im Alten Rathaus eine Übernachtungsbörse ein.

Dort meldete sich Kleiser mit ihrem damaligen Ehemann. Zwei Wochen später dann der erste Anruf der Vermittlungsstelle. Aber völlig reibungslos verlief der Aufenthalt der Familie aus Eisleben nicht. Unselbständig seien diese ersten DDR-Bürger gewesen, die bei den Kleisers unterkamen, „die machten keinen Schritt alleine“, sagt Hildegard Kleiser in der Rückschau. Und auch mit der zweiten Familie, die in Lenglern unterkam, sei es nicht so richtig rund gelaufen.

Gleich mit angepackt und geholfen

Dann kam am 8. Dezember die Familie Meier aus Wittenberg in Göttingen an und meldete sich bei der Vermitttlungsstelle. Nachdem sie schon am Wochenende zuvor DDR-Bürgern Unterkunft gewährt hatte, wollte Kleiser eigentlich nicht mehr. Aber ihr Sohn Michael, damals sieben Jahre alt, drängelte. „Ach Mama, mach doch noch mal, die haben doch Kinder“ – an diese Worte erinnert sich Kleiser. Sie gab nach.

Eine Stunde später erschienen Gudrun und Jürgen Meier mit Sohn und Tochter – zu viert im Trabant. Wessis und Ossis kamen gleich auf Anhieb gut miteinander klar. Die Meiers hatten ihre Westreise in die Partnerstadt genau durchgeplant, sich Lebensmittel mitgebracht. „Und wenn was war, haben sie gleich mit angepackt und geholfen“, sagt Kleiser in der Rückschau.

Unterschied wie Tag und Nacht

„Wir sind in Lenglern sehr, sehr herzlich begrüßt worden“, erinnert sich Jürgen Meier. „Wir haben uns gleich prima verstanden.“ Ursprünglich hatten die Meiers erwartet, „in einer Art Sammellager oder etwas Ähnlichem“ unterzukommen, nun aber wurden sie in eine ganz normale Westfamilie aufgenommen und konnten Göttingen erkunden. Heute noch denkt Gudrun Meier daran, wie sich das Erscheinungsbild von DDR- und BRD-Gebiet damals unterschieden: „Ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

Kontakt halten die beiden Familien immer noch. Alle ein, zwei Jahre trifft man sich – mal hier, mal „drüben“. Der nächste Besuch ist schon fest geplant: Am 8. Dezember wollen die Meiers nach Lenglern kommen – exakt 25 Jahre nach dem ersten Kennenlernen.

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