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Weststadt will Hilfe bei Flüchtlingsbetreuung

Göttingen Weststadt will Hilfe bei Flüchtlingsbetreuung

Zuspruch, aber auch Ängste und Sorgen erzeugen Pläne der Stadt, am Schützenplatz und Hagenweg in Göttingen zwei Flüchtlingsheime zu bauen. Gut 100 Bewohner waren am Montag zu einer Inforunde gekommen. Ihre Hauptsorge: Überproportional viele Flüchtlinge in der Weststadt könnten die Integration gefährden.

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„Wir müssen gemeinsam versuchen, da durch zu kommen“: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler im Gespräch mit Bürgern.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Platz für etwa 300 Flüchtlinge will die Stadt in einem Neubau am Hagenweg und einer Containersiedlung auf dem Schützenanger schaffen. Die Lage sei dramatisch, erklärte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) - „bundesweit“. Die Stadt müsse jedes zur Verfügung stehende Gebäude und jedes Grundstück nutzen, um die zugewiesenen und angekündigten Flüchtlinge aufnehmen und unterbringen zu können. Und trotzdem zeichne sich schon jetzt ab, dass die Schere zwischen ankommenden Flüchtlingen und möglichen Unterkünften stetig weiter auseinander gehen werde. „Wir versuchen, es so gut wie möglich zu organisieren“, so Köhler und appellierte an die Zuhörer: „Wir müssen gemeinsam versuchen, da durch zu kommen.“ Reaktion: kein Applaus, aber auch keine Buhrufe und viele Nachfragen.

Standort-Steckbrief

Die beiden geplanten Weststadt-Standorte im Bereich Schützenplatz und Blümchenviertel gehören zu den größeren Einheiten in der Stadt. Beide werden neu gebaut beziehungsweise aufgestellt.

 
Hagenweg : dreigeschossiger Neubau auf einem bisherigen Parkplatz zwischen Hagenweg 20 und Zoll; etwa 100 Plätzen in 17 Drei-Zimmer- und Zwei-Zimmer-Wohnungen; Bauherr ist die städtische Wohnungsbau GmbH; Fertigstellung im Sommer; Betreiber der Unterkunft noch unbekannt.

 
Schützenplatz /ehemaliger Landfahrerplatz: Unterkünfte für etwa 200 Flüchtlinge in Modulbauweise; zweistöckig Wohncontainer mit jeweils zwei Zimmern plus Küche und Bad; Betreiber: Die Johanniter, Ortsverband Göttingen.

„Ich sehe schon eine starke Konzentration der Unterkünfte und Flüchtlinge in der Weststadt“, beklagte eine Rednerin. „Wo soll das mittelfristig hingehen?“, fügte sie an. Andere erinnerten daran, dass die Weststadt zwischen Maschmühlenweg und Holtenser Berg bereits viele Menschen mit Migrationshintergrund aufgenommen habe. Der Ausländeranteil sei bereits sehr hoch – „wie soll dann Integration gelingen?“ Peter Paulsen von der Friedenskirchen-Gemeinde auf dem Hagenberg sah darin kein Problem. Mit Blick auf die schon jetzt hohe Migrantenquote „erwarten wir dann aber auch mehr Unterstützung im sozialen Bereich von der Stadt“. Andere Redner äußerten die Sorge, dass vor allem Frauen und Kinder künftig öffentliche Bereiche an der Leine meiden werden und das Viertel auch dadurch Attraktivität verlieren können.

 
Vertreter des Kulturzentrums Musa in unmittelbarer Nachbarschaft zur geplanten Hagenweg-Unterkunft versicherten, dass das Haus offen sei für die Flüchtlinge, „aber natürlich wie bisher auch für alle anderen“. Im Gegenzug „will die Stadt sie und andere Einrichtungen hier weiter und mehr unterstützen“, versprach Köhler.

 
Vor allem Mütter sorgten sich um die Unterrichtsqualität und Betreuung der Flüchtlinge, wenn viele Kinder aus dieser Gruppe künftig an die Schulen im Quartier kommen. Die Stadt werde versuchen, maximal drei Flüchtlingskinder in einer Klasse unterzubringen, erklärte Schuldezernent Siegfried Lieske.  

 
Viele wollten auch wissen, wie und wie intensiv die Flüchtlinge an den neuen Standorten betreut werden. Für das Objekt am Hagenweg ist das noch offen, die Einrichtung am Schützenplatz werden die Johanniter übernehmen. Ihr Konzept sehe neben einer Grundversorgung auch frühe Sprachkurse vor, erklärte Arnold-Friedrich von Zepelin, Sprecher des Ortsverbandes Göttingen. Vertreter der Göttinger Schützenvereine fürchteten, dass der Schießbetrieb auf ihrer Anlage am Schützenanger traumatisierte Flüchtlingen belasten könne. Köhlers Antwort darauf: „Dann müssen Sie den Schießbetrieb halt einstellen.“

1330 Flüchtlinge - ein Drittel Frauen

In Göttingen werden zurzeit etwa 1330 Flüchtlinge in den bestehenden Unterkünften betreut. Vorletzte Woche waren es nach Angaben der Stadtverwaltung 1295 Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr wurden der Stadt 897 zugewiesen, seit Beginn des Jahres 157. Bis Ende März rechnet die Stadt mit weiteren 1198 Flüchtlingen.
Die meisten in Göttingen lebenden Flüchtlinge sind 21 bis 30 Jahre alt (373), fast ebenso viele 31 bis 60 Jahre (356). Von 506 Kindern und Jugendlichen sind 100 bis Fünf Jahre alt, 129 aus der Altersgruppe 6 bis 11, 127 aus der Gruppe 12 bis 16 und 150 aus der Altersgruppe 17 bis 20 Jahre. Etwa ein Drittel sind Frauen, zwei Drittel Männer. Die Meisten kommen aus Syrien (265), Irak (140), Afghanistan (129), Serbien/Montenegro (118) und Sudan (81).

Prognose zur Verfügbarkeit von Flüchtlingsunterkünften in Göttingen im Vergleich mit der Flüchtlingszahl (rote Linie)

Quelle: Stadt Göttingen

Anteil von Männer und Frauen an den Flüchtlingen in Göttingen

Quelle: Stadt Göttingen

Herkunftsländer der Flüchtlinge in Göttingen

Quelle: Stadt Göttingen
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