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Weststadt zu Besuch in der Innenstadt

Projekt „Stadtpiloten West“ Weststadt zu Besuch in der Innenstadt

„Rosmarinweg“, steht auf dem Zettel in der Vase, auf dem nächsten „Skaterpark“. Eine Spurensuche Jugendlicher in der Weststadt Göttingens zeigt ein Film, der Teil der Multimedia-Ausstellung des Projekts „Stadtpiloten West“ ist. Bis Sonnabend, 17. Juni, ist sie in der Kurzen Straße 10 zu sehen.

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Ausstellung der Stadtpiloten West

Quelle: Jan Vetter

Göttingen. „Wir haben Filme mit Menschen aus dem Stadtteil gedreht“, erzählt Thomas Kirchberg über das Projekt, das die Musa in Kooperation unter anderem mit der Geschwister-Scholl-Gesamtschule organisiert hat. Er sei für das Filmen zuständig gewesen. Außer dem Film, in dem die Jugendlichen in einer weißen Vase Zettel finden und sie an Orte in der Weststadt führen, sind weitere kleine Filme, Fotografien und Tonaufnahmen entstanden.

„Die Vase im Film ist ein Sinnbild dafür, wie zerbrechlich der Stadtteil ist“, erklärt Kirchberg. In der letzten Szene finden die Jugendlichen viele Zettel mit aufgeschriebenen Wünschen. „Keine Ghettoisierung“, steht auf einem. „Die Vase mit den Wünschen für ihren Stadtteil haben die Jugendlichen zum Oberbürgermeister gebracht“, erzählt Kirchberg.

Dem Hauptfilm können sich die Besucher auf einer Leinwand ansehen. Außerdem gehören mehrere große Schwarz-Weiß-Portraits zur Ausstellung. Aus den Kopfhörern davor klingt jeweils die Stimme der abgebildeten Person.

Über den Druck auf die Presse in seinem Heimatland Somalia spricht Abdinasir Mohamed H. Ahmed. Ein Kollege von ihm sei umgebracht worde, sagt der Mann, der nun in der Weststadt Göttingens lebt. Intensiv gucken die Augen des dunkelhäutigen Mannes mit dem Kugelschreiber in der Hemdtasche den Betrachter des Fotos an.

Daneben blickt ein Weststadt-Urgestein auf die Ausstellungsbesucher: Helmut Koch. „Früher war die Weststadt eine Stadtrandsiedlung“, sagt seine Stimme via Kopfhörer. Und weiter: „Die Weststadt ist mit 24 Nationen bewohnt.“ Es gehe nicht immer friedlich zu. „Wir befürchten langsam, dass es ein Ghetto wird.“

An zwei Fotografien gibt es keine Kopfhörer, nur einen geschrieben Text. Das liege daran, dass die von der Abschiebung bedrohten Frauen untergetaucht seien, erklärt Kirchberg.

„Wir wollen zeigen, dass die Weststadt besser ist als ihr Ruf“, erklärt Gabi Radinger, Projektleiterin der „Stadtpiloten West“. Deshalb seien sie, nachdem die Ausstellung in der Musa zu sehen war, nun damit in die Innenstadt gekommen. Denn den Rosmarinweg, den Skaterplatz, die Brockensammlung oder den Schützenanger kenne hier längst nicht jeder.

Das Projekt „Stadtpiloten West“ hatte eine Laufzeit von sechs Monaten. In dieser Zeit arbeiteten außer Neuntklässlern der Geschwister-Scholl-Gesamtschule auch das Weststadtzentrum, die Beschäftigungsförderung Göttingen (KAöR), junge Flüchtlinge, Skater und weitere Weststadt-Bürger daran mit. „Heimat in der Fremde. Fremde in der Heimat – wovor habe ich Angst?“, war das Thema, nach dem die Projektteilnehmer ihr Konzept und ihre Aufnahmen erstellten. Die Ausstellung der vielfältigen Ergebnisse ist bis Sonnabend, 17. Juni, täglich von 10 bis 18 Uhr in der Kurzen Straße 10 zu betrachten.

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Von Redakteur Hannah Scheiwe

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